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RELIEF UND KLIMA
ALS EINFLUSSFAKTOREN
FÜR DIE AUSPRÄGUNG
DER KULTURLANDSCHAFTSELEMENTE

Eine landschaftsökologische Untersuchung
im nördlichen Zentralhimalaya

Andreas Happe
1989


 

1. Fragestellung
1.1. Die Entwicklung der Forschungsansätze von Ratzels Geodeterminismus zur heutigen Sozialgeographie
1.2. Kritik an der heutigen Sozialgeographie und die Frage der Anwendbarkeit eines "modifizierten Geodeterminismus"

2. Das Untersuchungsgebiet
2.1. Wahl des Untersuchungsgebietes
2.2. Lage und Begrenzung des Untersuchungsgebietes
2.3. Klimatische Differenzierung
2.4. Differenzierung der Vegetation
2.5. Differenzierung des Reliefs
2.6. Religiöse und politische Differenzierung
2.7. Vorgehensweise

3. Abhängigkeiten der Kulturlandschaft von Relief und Klima in den drei geoökologischen Regionen des Untersuchungsgebietes
3.1. Gyasumdo
3.1.1. Naturräumliche Ausstattung
3.1.2. Bevölkerung
3.1.3. Haus
3.1.4. Ortsbild
3.1.5. Ortslage
3.1.6. Ortsgröße
3.1.7. Lage der Anbauflächen
3.1.8. Anbauformen
3.1.9. Weide- und Siedlungssystem
3.1.10.Handel
3.2. Nyeshang
3.2.1. Naturräumliche Ausstattung
3.2.2. Bevölkerung
3.2.3. Haus
3.2.4. Ortsbild
3.2.5. Ortslage
3.2.6. Ortsgröße
3.2.7. Lage der Anbauflächen
3.2.8. Anbauformen
3.2.9. Weide- und Siedlungssystem
3.2.10.Handel
3.3. Thak-Khola
3.3.1. Naturräumliche Ausstattung
3.3.2. Bevölkerung
3.3.3. Haus
3.3.4. Ortsbild
3.3.5. Ortslage
3.3.6. Ortsgröße
3.3.7. Lage der Anbauflächen
3.3.8. Anbauformen
3.3.9. Weide- und Siedlungssystem
3.3.10.Handel

4. Abhängigkeiten der Kulturlandschaft von Relief und Klima im gesamten Untersuchungsgebiet
4.1. Haus
4.2. Ortsbild
4.3. Ortsgröße
4.4. Siedlungslage
4.5. Anbauformen
4.6. Weide- und Siedlungssysteme
4.7. Handel
4.8. Waldnutzung
4.9. Religion
4.10. Kulturlandschaftsentwicklung

5. Ergebnisse

6. Abbildungen und Fotos
6.1. Abbildungen (noch nicht eingebaut)
6.2. Fotos

7. Literatur und Karten
7.1. Literatur
7.2. Karten

 

1. Fragestellung

1.1. Die Entwicklung der Forschungsansätze von Ratzels Geodeterminismus zur heutigen Sozialgeographie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die Evolutionstheorien Charles Darwins (Darwin, 1859) in der Wissenschaft durchgesetzt. Die starke Stellung, die die Natur als der bestimmende Faktor in seiner Lehre einnimmt, wirkte sich auch auf die Theorienbildung in anderen Wissenschaften aus.

Die von Friedrich Ratzel begründete Anthropogeographie (Ratzel, 1882) orientierte sich an dieser Denkrichtung und erhielt dadurch eine stark naturdeterministische Ausprägung. Ihre Anhänger glaubten, die Morphologie der Kulturlandschaft, ja sogar der kulturelle Habitus einer Gesellschaft sei letztendlich auf die prägende Wirkung der Natur zurückzuführen (vgl.: Sprout, 1971, S.47-63). "Sie sahen in der Natur das bestimmende Agens für die räumliche Differenzierung menschlicher Kulturen" (Schaffer, 1970, S.451; vgl.: Overbeck, 1957).

Kritik an der geodeterministischen Lehre Ratzels erhob schon Anfang unseres Jahrhunderts der Franzose Vidal de la Blache (1902, 1913). Er machte das bisherige Objekt, den Menschen, zum Subjekt und betrachtete die Kulturlandschaft als "Ergebnis der Initiative und Beweglichkeit des Menschen, der in der natürlichen Umwelt tätig wird, deren Gegebenheiten aber in recht unterschiedlicher Weise nutzt" (Vidal de la Blache, 1902). Dieser geographisch-possibilistische Ansatz (vgl.: Sprout, 1971, S.73-84) betonte erstmalig die relative Autonomie des Menschen gegenüber den Einflüssen der Landesnatur (Schaffer, 1970, S.451). Auch bei späteren geographischen Forschungsansätzen, dem formalen und dem historisch-genetischen Ansatz (Schlüter, 1906), dem funktionalen Ansatz (Bobek, 1927) bis zu den Ansätzen der heutigen Sozialgeographie wurde der Aspekt der Prägung der Kulturlandschaft durch die Natur immer weiter vernachlässigt (vgl.: Overbeck, 1954; Bobek, 1948, 1950, 1962; Otemba, 1962; Thomale, 1972; Eisel, 1980). Diese Tendenz ist durch die Verlagerung der Forschungsschwerpunkte zu erklären, die sich den sich verändernden Fragestellungen im Laufe der gesellschaftlichen und ökonomisch-technologischen Entwicklung anpassen mußten.

 

1.2. Kritik an der heutigen Sozialgeographie und die Frage der Anwendbarkeit eines "modifizierten Geodeterminismus"

Heute hat der Begriff "Geodeterminismus" und "deterministisch" in der Geographie einen negativen Beigeschmack und wird meist in abwertendem Sinne benutzt. "Es heißt, daß der Determinismus in der Geographie gefährlich, aber überwunden sei" (Hard, 1982, S.104).

Die Theorienbildung in der angelsächsischen, französischen und deutschen Anthropogeographie ist heute stark vom gesellschaftlichen und räumlichen Umfeld der westlichen Industrieländer geprägt. Für die geographische Bearbeitung der hier auftretenden Probleme und Fragestellungen ist ein deterministischer Ansatz unbrauchbar geworden. Hier stellen die heutigen Anschauungen der Sozialgeographie (vgl.: Bartels, 1968, 1970; Ruppert et al., 1969; Hard, 1973; Maier et al., 1977; Wirth, 1977; Boesler, 1982; Sedlacek, 1982; Wenzel, 1982) nützliche Ansätze dar.

Diese Ansätze werden aber trotzdem vielen geographisch, auch anthropogeographisch, relevanten Themen der Gegenwart nicht gerecht. Unter anderen naturräumlichen und sozio-ökonomischen Verhältnissen kann eine genauere Betrachtung der Mensch-Umwelt-Problematik, ausgehend von der Ausstattung des Naturraumes, Erklärungen liefern, die ein possibilistisch orientierter sozialgeographischer Ansatz, der vom handelnden Menschen ausgeht, nicht geben könnte.

Gerhard Hard gibt in seiner Kritik am geodeterministischen Ansatz (Hard, 1982, S.105) zu, daß dieser "am ehesten noch geeignet ist, jene vorindustriegesellschaftlichen Lebensräume und Lebensformen zu beschreiben und zu interpretieren, die noch nicht in den Weltmarkt einbezogen und noch nicht durch die Einflüsse der entwickelten Industrienationen tangiert wurden. Von einigen exotischen Relikten abgesehen"(!)", sind inzwischen die Gegenstände verschwunden, auf die diese Betrachtungsweise in fruchtbarer und legitimer Weise anwendbar ist" (Hard, 1982, S.105). Hier deutet Hard eine gewisse Anwendbarkeit eines geodeterministischen Ansatzes an, die an bestimmte kulturgeographische, z.B. wirtschaftsgeographische Gegebenheiten gebunden ist (z.B.: Weltmarktanschluß). Diese Voraussetzungen der Anwendbarkeit sind aber oft selbst schon von Faktoren der physischen Umwelt abhängig.

Die Grenzen des "sozialgeographischen Raumes", die laut Schaffer (1970, S.454) durch "spezifische Reaktionsreichweiten und Reaktionspotentiale der sozialen Gruppen bestimmt" sind, werden indirekt ebenfalls oft von der naturräumlichen Ausstattung festgelegt (z.B.: Wüsten, Meere, Gebirge als Begrenzung von Reaktionsreichweiten).

Die Tatsache, daß in der Entwicklung der Anthropogeographie dem Einfluß physischer Geofaktoren auf die Physiognomie der Kulturlandschaft immer weniger Bedeutung beigemessen wurde, trägt heute die Einstellung vieler Autoren Rechnung, die sich von einer rein gesellschaftswissenschaftlichen Anthropogeographie zu einer regionalen Geographie oder einer humanökologischen Geographie hinwenden, die den Menschen in seiner kulturellen und natürlichen Umwelt betrachtet (Parallelen zu dieser Tendenz finden wir auch in anderen Disziplinen wie der Soziologie, der Ethnologie u.a.). Gerade die Geographie mit ihren sozialwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Methoden ist die Wissenschaft, die am Ehesten dazu geeignet erscheint, eine raumwirksame Mensch-Umwelt-Problematik zu erforschen.

Bei der Betrachtung der aktuellen sozialgeographischen Ansätze kann man für viele Gebiete der Erde eine oft zu geringe Bewertung des Natureinflusses bei der Kulturlandschaftsanalyse feststellen. Ein Rückfall der Anthropogeographie in das andere Extrem, den Umweltdeterminismus, gibt hier natürlich keine Lösung. Genausowenig sollen hier vernetzte Denkmuster zugunsten einfacher Kausalitäten geopfert werden.

Aber gibt es nicht Fälle, die man bei genauerer Betrachtung am Besten mit einem Ansatz erklären kann, der hier der "modifizierte Determinismus"(1) genannt werden soll? In den meisten Räumen der Erde betrachtet die Anthropogeographie mit Recht die Natur als Basis, auf der der Mensch viele Möglichkeiten hat, seine Kulturlandschaft zu gestalten. Zum Rand der Ökumene hin, an den agronomischen Kälte- und Trockengrenzen, werden aber die Nutzungsmöglichkeiten für den Menschen, speziell für Gesellschaften auf einem geringen technologischen Entwicklungsstand, immer weiter eingeschränkt, bis schließlich hinter der Grenze der Ökumene keine Nutzung mehr stattfindet(2).

Wenn wir aber eine stetige Abnahme der Nutzungsmöglichkeiten vorfinden, die von natürlichen Faktoren abhängig ist (Wärmemangel, Wassermangel), müssten wir am Rande der Ökumene einen Grenzbereich finden, in der die Nutzungsmöglichkeiten so weit eingeschränkt sind, daß sich unter ähnlichen technologischen und naturräumlichen Bedingungen nur noch ein bestimmtes, angepaßtes Kulturlandschaftsgefüge halten kann, das von sozialökonomischen und kulturellen Einflüssen lediglich geringfügig modifiziert wird. In dieser Zone(3) könnte der Ansatz eines "modifizierten Geodeterminismus" greifen. Dabei gilt es herauszuarbeiten, welche Kulturlandschaftselemente bei o.g. Voraussetzungen in der Zone des "modifizierten Geodeterminismus" bei einer spezifischen Naturraumausstattung konstant sind und welche variieren, also in geringerem Maße auf den Einfluß der Natur zurückzuführen sind und anderer Erklärungsansätze bedürfen.

Die zu klärende Frage lautet also: Gibt es am Rand der Ökumene eine Zone des "modifizierten Geodeterminismus"?

Diese Frage kann in einer Untersuchung vom Umfang einer Diplomarbeit nicht geklärt werden, deshalb soll hier nur der erste Schritt in Richtung einer Klärung getan werden. In einem bestimmten Untersuchungsgebiet (vgl.: 2.1.) soll gezeigt werden, inwieweit bestimmte Elemente und Erscheinungen der Kulturlandschaft auf die Ausprägung der Geofaktoren Klima und Relief zurückzuführen sind. Sollten sich in anderen Untersuchungen in Gebieten mit ähnlicher klimatischer und geomorphologischer Ausstattung entsprechende Ergebnisse einstellen, wäre eine starke Abhängigkeit der Kulturlandschaftsausprägung von den natürlichen Gegebenheiten naheliegend. Notwendige Voraussetzung, vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, ist ein etwa gleicher Stand der sozioökonomischen Entwicklung, besonders in den Bereichen Technologie und Ökonomie.

Um die gewonnenen Ergebnisse zu sichern, wäre die Unterstützung der Gesellschaftswissenschaften hilfreich (Soziologie, Ethnologie u.a.), die ihrerseits versuchen sollten, diejenigen Kulturlandschaftselemente auszusondern, die vorwiegend auf gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse zurückzuführen sind.

2. Das Untersuchungsgebiet

2.1. Wahl des Untersuchungsgebietes

Die Auswahl eines Hochgebirgsraumes für eine entsprechende Untersuchung liegt nahe. Die zu untersuchenden Geofaktoren sind in vieler Hinsicht extrem und begrenzen das raumwirksame Handeln des Menschen.

Im zentralen und westlichen Himalaja finden wir den Lebens- und Wirtschaftsraum des Menschen nicht nur durch Höhengrenzen (Wärmemangelgrenzen), sondern auch durch Trockengrenzen eingeschränkt, die hier den Rand der Ökumene festlegen.

Das Untersuchungsgebiet (vgl.: 2.2.) wurde aus mehreren Gründen ausgewählt. Es ist besonders gut geeignet, in einem annähernd Ost-West verlaufenden Profil viele verschiedene Einflüsse von geomorphologischen und klimatischen Erscheinungen auf die Kulturlandschaft darzustellen. Diese Gegebenheiten werden noch im einzelnen erläutert werden, sie seien aber hier schon kurz erwähnt, um die Auswahl des Untersuchungsgebietes zu begründen.

Die Kulturlandschaft des Untersuchungsraumes erstreckt sich von ca. 2000 m bis 5500 m über NN, umfaßt Kerbtäler, Trogtäler, Becken und Schluchten, mehrere Talstreichrichtungen, Höhen- und Trockengrenzen, den Übergang von maritimen zu kontinentalen Klimaregimes und annähernd konstante technologische und ethnologische Voraussetzungen. Die bäuerliche Subsistenzwirtschaft ist vom Weltmarkt weitgehend unabhängig, von den Fernhandelsaktivitäten der Nyeshang-ba (vgl.: 3.2.10.) und dem jungen Tourismus abgesehen. In der vorwiegenden Ost-West-Erstreckung des Gebietes weisen viele Geofaktoren einen regelhaften Wandel auf. Diese regelhafte Verteilung und die Vielfalt der physischen Formen in einem sozioökonomisch und soziokulturell weitgehend homogenen Raum erleichtert uns die Korrelierung zwischen physisch-geographischen und anthropogeographischen Erscheinungsformen.

2.2. Lage und Begrenzung des Untersuchungsgebietes

Die Wahl des Untersuchungsgebietes fiel auf das Tal des oberen Marsyandi und die Täler von Jhong-Khola und Panga-Khola als Nebenflüsse des Thak-Khola (Kali-Gandaki) (Abb.1).(4)

Das Gebiet liegt im zentralen Himalaja zwischen 83E 43' und 84E 23' EL und erstreckt sich über ca. 70 km. Die nördliche und südliche Begrenzung sind die Wasserscheiden des Marsyandi, des Jhong-Khola und des Panga-Khola, die dem Untersuchungsgebiet einen ungefähren ESE-WNW-Verlauf geben. Südlichster und nördlichster Punkt des Untersuchungsgebietes liegen auf etwa 28E 28' NB bzw. 28E 50' NB (Abb.1).

2.3. Klimatische Differenzierung

Der dreidimensionale Formenwandel des Himalayasystems in Bezug auf Klima und Vegetation wird in den Veröffentlichungen von Flohn (1947, 1958, 1970), Troll (1952, 1959, 1964), Schweinfurth (1956, 1957, 1965, 1981, 1982), Wissmann (1960, 1961), Kraus (1964), Dittmann (1970), Dobremez und Jest (1971), Domroes (1978/79), Haffner (1979) und Hormann (1980) eingehend dargestellt.

Schweinfurth (1957, S.122-133) verarbeitet dabei in seiner Beschreibung der Vegetation (vgl.: 2.4.) systematisch die Beobachtungen früherer Autoren, die als Forscher mit verschiedenen Zielen das Untersuchungsgebiet bereisten (so Lloyd, 1950; Tilman, 1952; Tichy, 1954; Kawakita, 1954, 1956; Nakao, 1955, 1956; Packard, 1956; Steinmetz, 1956, 1957).

Nördlich des "Hohen Himalaja" gelegen findet man im Untersuchungsgebiet Merkmale des "Inneren-" und des "Tibetischen Himalaja"(5).

Der östliche Teil des Untersuchungsgebietes steht noch unter dem Einfluß der regenbringenden Monsune, die durch den Marsyandi-Durchbruch durch die Hauptkette einen Weg auf die Leeseite des Gebirges finden. Dieser klimatische Einfluß nimmt nach Westen hin stetig ab und endet am Thorong-La, dem Paß auf der Wasserscheide zwischen Marsyandi und Thak-Khola. Jenseits des Thorong-La, im oberen Thak-Khola mit den Nebentälern des Jhong-Khola und des Panga-Khola ist es bereits extrem trocken (Abb.2,3).(6)

Dieser kontinuierliche Wandel von einem humiden zu einem ariden Klimaregime ist günstig für eine Untersuchung im Sinne der o.g. Fragestellung (finden wir parallel zum klimatischen Formenwandel auch einen Wandel der Kulturlandschaftsphysiognomie?).

Eine weitere klimatische Differenzierung, die ebenfalls günstig für die Untersuchung ist, tritt im Untersuchungsgebiet durch das vorwiegende Ost-West-Streichen der Talhänge besonders deutlich hervor, die extremen Einstrahlungsunterschiede zwischen nordexponierten und südexponierten Talhängen (finden wir eine Differenzierung der Kulturlandschaftselemente, die von der Einstrahlungsintensität abhängig ist?).

Die dritte wichtige Größe ist der hypsometrische Klimawandel (welchen Einfluß hat die Höhe über NN. auf den Aufbau der Kulturlandschaftselemente?).

Der prägende Einfluß des Windes läßt sich besonders gut im westlichen Teil, dem Thak-Khola-Tal mit seinen regelmäßig extremen Windstärken analysieren (inwieweit beeinflußt der Wind die Physiognomie der Kulturlandschaftselemente?).

2.4. Differenzierung der Vegetation

Das Vegetationsbild verändert sich im Untersuchungsgebiet analog zum klimatischen Wandel. Im Osten, in Gyasumdo, finden wir noch den feuchten immergrünen Höhen- und Nebelwald, der über den mäßig feuchten Nadelwald und den offenen Steppenwald in Nyeshang zur alpinen Steppe des oberen Thak-Khola-Tales übergeht. Expositionsunterschiede, Leelagen und Unterschiede zwischen den Vegetationshöhenstufen modifizieren diesen allgemeinen Wandel von Ost nach West.

Für das Untersuchungsgebiet geben die Veröffentlichungen von Schweinfurth (1957, S.122-133) und Miehe (1982, S.64-73, 102-122; 1985) die ausführlichsten Analysen des Vegetationsbildes und der Artenzusammensetzung. Weitere Informationen liefern Kawakita (1956a), Dobremez et al. (1971), Stainton (1972) und Kemp (1984).

2.5. Differenzierung des Reliefs

Die umfassendste Arbeit über die Geomorphologie im Untersuchungsgebiet westlich des Sabche Lungpa liefert Kuhle (1982). Geomorphologische Erkenntnisse über das gesamte Untersuchungsgebiet sind der geologischen Literatur, Gansser (1964), Fuchs (1967), und speziell Hagen (1968) und Bordet et al. (1971, 1975) zu entnehmen.

Gyasumdo ist geprägt von steilen, tiefen Kerbtälern tropischen Typs mit Terrassenresten in verschiedenen Niveaus an den Talflanken. Nyeshang liegt in einem weiten Trogtal glazigener Prägung, und im oberen Thak-Khola befinden sich die Becken von Muktinath und von Dangarjong mit ihren tertiären und quartären Sedimentfüllungen und der Grabenbruch des Thak-Khola mit seinen weiten Schotterfluren.

Die Abhängigkeiten zwischen Klima und Relief wurden in 2.3. schon kurz angedeutet. Im Hochgebirge (7) finden wir den planetarischen Formenwandel (Lautensach, 1952) stark abgewandelt. Eine Kausalkette "Relief - Klima - Vegetation" aufzustellen (Schweinfurth, 1957, S.312,316; Kleinert, 1973c, S.7; 1983, S.91) stellt zwar eine gefährliche Simplifizierung dar, weist aber zumindest für den zentralen Himalaja auf einige wichtige Einflußketten hin (vgl.: 2.3.). Ausführungen zum Einfluß des Reliefs auf das Mesoklima finden sich in der unter 2.3. angegebenen Literatur.

2.6. Politische und religiöse Differenzierung

Nach dem Überblick über die naturlandschaftsprägenden Faktoren ist es notwendig, auch die kulturellen Voraussetzungen im Untersuchungsgebiet zu betrachten. Obwohl die Fragestellung der Arbeit von physisch-geograpischen Gegebenheiten ausgeht, ist eine genauere Kenntnis der politischen, ethnologischen und religiösen Verhältnisse unumgänglich, um die kulturell beeinflußten Kulturlandschaftselemente von den natürlich beeinflußten Elementen zu trennen.

Politisch läßt sich das ganz im Königreich Nepal gelegene Untersuchungsgebiet aufteilen in den größeren östlichen Teil zwischen Thorong-La und Marsyandi-Durchbruch, der zum Manang-Distrikt mit der Hauptstadt Chame gehört, und einen kleineren westlichen Teil, zum Distrikt Mustang mit der Hauptstadt Jomosom gehörig.

Der Osten des Untersuchungsgebietes umfaßt den Übergangsraum zwischen den Siedlungsgebieten der Gurung (einer altnepalischen Ethnie) und den Bhotia (von dem tibetischen Hochland eingewanderten Gruppen; tibet.: Bhot = Tibet), die den Rest des Untersuchungsgebietes besiedeln. Hier finden wir auch die Verbreitungsgrenze zwischen Hinduismus und dem lamaistischen Buddhismus.

Die Themen Politik, Religion und Bevölkerung finden wir für das Untersuchungsgebiet bei Bista (1972), Donner (1972), Fürer-Haimendorf (1975), Shrestha et al. (1975), Gurung (1976) und Pohle (1986) ausführlicher behandelt.

Eine detailliertere Beschreibung des Untersuchungsgebietes in physio- und kulturgeographischer Hinsicht würde hier zu weit führen. Zur genaueren Information sei auf die angegebene Literatur hingewiesen. Die für die Fragestellung der Arbeit relevanten Gegebenheiten werden weiter unten im Zusammenhang der Untersuchung beschrieben werden.

2.7. Vorgehensweise

Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit wurden nach der Auswertung der vorhandenen Literatur incl. Kartenmaterial in erster Linie durch systematische vergleichende Beobachtung und Beschreibung sowie Befragung der Bevölkerung gewonnen. Dazu diente ein Fragenkatalog, dessen Punkte (8) für jede permanente Siedlung des Untersuchungsgebietes beantwortet wurden. Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Siedlungen wurden verglichen und auf ihr Ursachengefüge hin untersucht, bei besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Klima und Relief.

Wichtigstes Hilfsmittel für die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse ist die fotografische Dokumentation. Ein Bruchteil des gewonnenen Bildmaterials ist der Arbeit beigefügt.

 

3. Abhängigkeiten der Kulturlandschaft von Relief und Klima in den drei geoökologischen Regionen des Untersuchungsgebietes

Nach der Formulierung der Fragestellung, der Auswahl des Untersuchungsgebietes und dessen kurzer Beschreibung mit Angaben zur wichtigsten Literatur folgt jetzt die genauere Untersuchung. Das Untersuchungsgebiet gliedert sich in drei Regionen, von Ost nach West: Gyasumdo (tibet.: = Treffpunkt von drei Wegen), Nyeshang (Manang-Tal) und das obere Thak-Khola-Tal mit seinen Nebentälern von Jhong-Khola und Panga-Khola (Abb.1).

Diese Einteilung bietet sich, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, sowohl aus klimaökologischen, als auch aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen an. Diese Übereinstimmung ökologischer und soziokultureller Grenzen könnte bereits auf eine gegenseitige Abhängigkeit hindeuten.

Bei der getrennten Untersuchung der drei Teilgebiete soll herausgearbeitet werden, was die Bevölkerung aus den jeweiligen Vorgaben der natürlichen Umwelt an Klima und Relief gemacht hat, und ob bestimmte klimatische und geomorphologische Erscheinungen zu ganz bestimmten Formen in der Kulturlandschaft führen.

3.1. Gyasumdo

3.1.1. Naturräumliche Ausstattung

Gyasumdo ist die wärmste und feuchteste Region des Untersuchungsgebietes (Abb.2,3) (Dobremez u. Jest, 1971, Karte). Durch den Marsyandi-Durchbruch durch den Himalaja-Hauptkamm bringt der Monsun noch erhebliche Regenmengen, die nach Westen hin abnehmen (Chame: 920 mm Ns./Jahr). Der immergrüne Höhen- und Nebelwald der Himalajasüdseite mit Quercus glauca, Farnen, Rhododendren und Bambus, in höheren Lagen über 2500 m Picea smithiana, Acer spp. und Tsuga dumosa mit Bartmoos und dichtem Unterholz (Schweinfurth, 1957, S.129f.; Gurung, 1980, S.236f.) reicht bis weit oberhalb von Thonje. In der oberen Waldstufe herrschen Abies spectabilis und Betula utilis vor. Die Krummholzstufe bilden Birken, Wacholder und Rhododendren (Miehe, 1985, S.13f.) (Foto 1-8).

Die Reliefenergie in Gyasumdo ist extrem hoch, Marsyandi und Dudh-Khola, als die beiden Hauptflüsse, haben sich in tiefen Kerbtälern in die Gebirgsketten eingeschnitten (Foto 1,2). An den steilen Hängen stehen Gneise, Granite und Migmatite an (Hagen, 1968, S.51ff.). Die Talstreichrichtungen und Hangexpositionen sind der Karte (Abb.1) zu entnehmen.

3.1.2. Bevölkerung

Die Bevölkerung Gyasumdos ist heterogen. Zwei Drittel gehören zur Volksgruppe der Gurung. Sie sprechen eine tibeto-burmesische Sprache und zählen zu den altnepalischen Völkern. Ursprünglich als reine Pastoralisten aus dem tibetischen Hochland eingewandert, siedeln sie schon seit Jahrhunderten auf der Himalaja-Südabdachung Zentralnepals. Die Tendenz zur Abwanderung Richtung Süden hält bei den Gurung, die noch nördlich der Himalaja-Hauptkette leben, an (Pignede, 1966; Messerschmidt, 1976). Die höchstgelegene permanente Gurungsiedlung im Untersuchungsgebiet ist Thanchok (2650 m), allerdings lassen sich im oberen Marsyandi-Tal noch Siedlungsreste der Gurung bis in Höhen von 3900 m finden (Gurung, 1980, S.226,232; Pohle, 1986, S.123).

Die meisten Gurung dieser Region gehören, im Gegensatz zu den hinduisierten Gurung der Himalaja-Südseite, zum Großteil noch der alten Bon-Religion an, die auch in Tibet weit verbreitet war, bevor sie vom Buddhismus weitgehend assimiliert wurde (Pignede, 1966; Mac Farlane, 1972). Schweinfurth sieht die Gebirgsregion des Himalaja als Rückzugsraum und erklärt damit die Persistenz der Bon-Religion (Schweinfurth, 1965, S.247f.; 1982, S.20f.). Noch heute sind im lamaistischen Buddhismus viele Bon-Einflüsse wiederzufinden.

Die nicht den Gurung zuzurechnende Bevölkerung tibetischen Ursprungs fasse ich unter der Bezeichnung Gyasumdo-ba (tibet.: = Bewohner von Gyasumdo) zusammen. Die Gyasumdo-ba sind in sich heterogen und setzen sich zusammen aus verschiedenen Gruppen, die seit 5 - 6 Generationen aus Kyirong (Tibet), dem Sherpa-Gebiet (tibet.: Sher-pa = Bewohner des Ostens), dem Buri-Gandaki-Gebiet (Nupri) und aus Mustang eingewandert sind. Diese Einwanderungstendenzen, speziell aus dem östlich gelegenen Buri-Gandaki-Gebiet, sind bis heute zu beobachten (Gurung, 1977, S.301-305; Pohle, 1986, S.123). Unter den Begriff Gyasumdo-ba fallen hier auch die tibetischen Flüchtlinge, die nach der chinesischen Besetzung Tibets eingewandert sind. Die Gyasumdo-ba sind Anhänger des tibetischen Buddhismus.

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte in Gyasumdo variieren zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Die Gurung leben in erster Linie von Ackerbau und Viehhaltung, die Gyasumdo-ba von Handel und Tourismus.

Die Region Gyasumdo zeigt eine positive Bevölkerungsentwicklung, zu erkennen an der hohen Zahl von Neubauten, die fast in jeder Siedlung zu finden sind, und einer Reihe relativ junger Siedlungen bei fehlenden Wüstungserscheinungen (National Research Associates, 1982; Pohle, 1986, S.123).

Die große Zahl von neuen Lodges und Restaurants, teilweise auch im Zusammenhang mit Siedlungsneugründungen am Hauptweg, sind auf den wachsenden Einfluß des Tourismus zurückzuführen, aber auch auf den Einfluß Chames als Verwaltungsort (Pohle, 1986, S.124).

3.1.3. Haus

In Gyasumdo spiegeln Bauweise und Hausform noch stark den Einfluß des Monsunklimas wider. Wir befinden uns hier nicht nur in einem klima`kologischen Übergangsgebiet, sondern auch in einem Übergangsgebiet der Bauformen des südlichen, monsungeprägten Himalaja zum tibetischen Haustypus. Diese Übereinstimmung in der Lage der Übergangsgebiete legt einen Zusammenhang beider Phänomene im Sinne der Fragestellung nahe.

In Gyasumdo kommen sowohl Häuser mit schiefer- oder schindelgedeckten Satteldächern, als auch die Flachdächer des tibetischen Haustyps vor. Die Dachform hat dabei nichts mit der ethnischen Zugehörigkeit der Bewohner zu tun (Kleinert, 1983, S.119) (Abb.4). Wir finden Bhotia-Dörfer mit Satteldächern (z.B.: Brathang, Dharapani) und Gurung-Dörfer mit vorwiegender Flachdachbauweise (z.B.: Naje, Taje, Odargaon), obwohl im Allgemeinen das Haus der Bhotia meist als Flachdachbau vorkommt, und die Gurung der Himalaja-Südabdachung durchweg unter Satteldächern leben. In einigen Dörfern finden wir ein Nebeneinander der Dachformen (z.B.: Bagarchap, Chame) (Abb.4).

Naheliegender als eine ethnische Bindung der Dachform ist eine Abhängigkeit vom Niederschlagsregime (Kleinert, 1983, S.119), aber auch von den Temperaturen. Das lehmgestampfte Flachdach hat in einer Gegend mit hohen Niederschlägen eine nur kurze Lebensdauer. Die schiefer- und schindelgedeckten Satteldächer halten hier viel länger, lassen das Wasser schnell abfließen und sorgen durch viele kleine Ritzen und Löcher trotzdem für eine gute Durchlüftung des Hauses, die die Trocknung fördert und in den warmen Monsungebieten mit geringen Temperaturschwankungen für ein angenehmes Klima im Gebäudeinnern sorgt. Auf die spezifischen Eigenschaften des Flachdaches werde ich im Kapitel 3.2.3. noch genauer eingehen.

Bei den meisten Häusern in Gyasumdo öffnet eine Loggia den im ersten Stock gelegenen Wohnbereich auf der Südseite (!) nach außen. Dort ist ein aufgeständerter Arbeitsplatz vorgelagert (Foto 9) (Kleinert, 1983, S.119). Oft wird auch eine südöstliche Exposition bevorzugt, um schon am kühlen Vormittag die Sonnenstrahlung voll zu nutzen. Gerade in Gyasumdo, wo die Siedlungslage nicht an bestimmte Expositionen gebunden ist, modifiziert das Relief durch den Bergschatten häufig die Ausrichtung der Hausöffnungen. In Odargaon sind die Loggias und Arbeitsflächen hauptsächlich nach Osten und Südosten ausgerichtet, weil der Ort ab ca. 11.00 Uhr im Schatten eines Sporns liegt, somit eine Südexposition sinnlos wäre.

Die Wand zwischen Loggia und Wohnung besteht in Gyasumdo noch oft aus Holzplanken, die herausgenommen werden können, um die gesamte Wohnungsfront zu öffnen (Foto 9). Diese für die tieferen Lagen der Himalaja-Südseite typische Konstruktion ist wegen ihres geringen Isolationsvermögens in den winterkalten kontinentaleren Gebieten von Nyeshang und dem oberen Thak-Khola nicht mehr zu finden.

3.1.4. Ortsbild

Auch das Ortsbild (9) zeigt starke Einflüsse von Klima und Relief. In Gyasumdo wird vorwiegend in geschlossenen Haufendörfern gesiedelt (Abb.4, Foto 5). Bei einigen Gurung-Dörfern findet sich dabei die Anordnung in hangparallelen Zeilen (z.B.: Odargaon, Taje, Thanchok) (Foto 9). Kleinert (1983, S.119f.) versucht dieses Phänomen ethnologisch zu begründen, was aber angezweifelt werden kann, da die Tendenz zur Siedlung in hangparallelen Zeilen auch bei den Nyeshang-ba zu beobachten ist. Um die Steigungen möglichst gering zu halten, werden Wege im Gebirge nach Möglichkeit hangparallel angelegt. Eine Anlehnung der Hausstandorte an diese Wege, womit auch innerörtliche Wege gemeint sind, führt zu einer Siedlungsweise in hang- und wegparallelen Zeilen, die in vielen Gebirgen zu beobachten ist.

Eine offene Streusiedlungsweise wäre in Gyasumdo schon vom Relief her kaum möglich. Die wenigen Gunststandorte auf Terrassenresten und Schwemmfächern, sowie die Bindung an Wasserstellen (Kleinert, 1983, S.181) führen zu einer engeren Siedlungsweise.

3.1.5. Ortslage

Die Ortslage ist stark vom Relief abhängig. Die Hänge der steilen tropischen Kerbtäler im Bereich des Marsyandi-Durchbruchs sind wegen ihrer hohen Reliefenergie zur Anlage von Siedlungen prinzipiell ungeeignet. Außerdem erhöhen das Niederschlagsregime und die tiefgründige Verwitterung die Gefahr von Erdrutschen und Erosion. Der Talgrund ist wegen seiner Enge und der Kerbtalform (Foto 2) hochgradig überschwemmungsgefährdet, speziell im Monsun, der nicht nur hohe Niederschläge bringt, sondern durch seine warmen Regen auch die Schneeschmelze extrem beschleunigt.

Günstige Möglichkeiten für die Anlage von Siedlungen bilden lediglich die verschiedenen Terrassenniveaus, die z.T. in beträchtlicher Höhe über dem Marsyandi an den Talhängen kleben, und auf die Terrassen eingestellte Schwemmkegel (Abb.4) (Foto 5,6) (10).

Neuerdings werden unter dem wachsenden Bevölkerungsdruck in Gyasumdo (National Research Associates, 1982; Pohle, 1986, S.123) (vgl.: 3.1.2.) auch auf Erdrutschen und Bergstürzen Siedlungen angelegt, die aber wegen der hohen Hangneigungen und des kaum verfestigten Substrats hochgradig erosionsgefährdet sind (z.B.: Latamorong).

Die Möglichkeiten des Reliefs schreiben also die Siedlungsstandorte vor. Weitere Einflußgrößen, indirekt auch auf das Relief zurückzuführen, sind Wassererreichbarkeit und Schutz vor Lawinen und Muren. Auch in der Nähe der in Gyasumdo öfter zu findenden warmen Quellen werden gern Siedlungen angelegt (z.B. Chame, Latamorong).

Die Exposition zur Sonne ist bei der Anlage der Siedlungen in Gyasumdo offenbar zweitrangig gewesen. Die von Miehe (1985, S.15) für die Himalaja-Vorketten beschriebenen Expositionsabhängigkeiten konnten in Gyasumdo nicht nachgewiesen werden. Zwischen Tal und Thonje erstreckt sich das Marsyandi-Tal in Nord-Süd-Richtung, so daß für die Talflanken keine ausgeprägten klimarelevanten Expositionsunterschiede auftreten. Aber auch westlich von Thonje, wo der Marsyandi parallel zu den Himalaja-Ketten in WNW-ESE-Richtung fließt, liegen die Siedlungen auf beiden Flußseiten (Abb.1, Foto 4,5).

Ausreichend Feuchtigkeit durch den Monsuneinfluß, eine ausgeglichenere Temperaturamplitude (Abb.2,3) und ein weniger nach Exposition differenziertes Mesoklima als im übrigen Untersuchungsgebiet (11) geben die Möglichkeit, auf Sonn- und Schatthängen gleichermaßen Siedlungen anzulegen. Außerdem sind die Flächen, die zur Anlage von Siedlungen zur Verfügung stehen, so knapp, daß auch lokalklimatisch weniger günstige Standorte genutzt werden. Trotzdem versucht man, die Orte so anzulegen, daß sie möglichst aus den Bergschatten herausgehalten werden.

3.1.6. Ortsgröße

Eine Folge des für die Siedlungsanlage aufgrund seiner hohen Energie im allgemeinen ungünstigen Reliefs mit wenigen kleinflächigen Ausnahmen auf fluvialen Ablagerungen ist die relativ geringe Größe der Orte (Abb.4) (Pohle, 1986, S.121). Mit einer Ausnahme (12) hat kein Ort mehr als 30 Häuser, der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Häusern pro permanenter Siedlung.

Während die einzelne Siedlung, abhängig von der Geomorphologie, relativ klein ist (s.o.), ist die Siedlungsdichte mit 17 permanenten Siedlungen in Gyasumdo relativ hoch (vgl.: 3.2.6.). Dies ist in erster Linie auf die für den Feldbau und die Weidewirtschaft günstigen klimaökologischen Bedingungen zurückzuführen.

3.1.7. Lage der Anbauflächen

In Gyasumdo ist die Lage der Felder entsprechend der Lage der Orte eng an das Reliefangebot gebunden. Wir finden Felder auf fluvialen Terrassen, Moränenschultern, Schwemmkegeln und Bergrutschen (Abb.4) (Foto 1-6).

Eine weitere Ausdehnung der bestehenden Ackerflächen ist kaum möglich. Die hohen Hangneigungen (> 30E) der zur Zeit nicht ackerbaulich genutzten Flächen verbieten eine solche Inwertsetzung. Die hohe Reliefenergie und die Niederschlagsverteilung, sowie klima- und substratbedingte (vgl.: 3.1.1.) tiefgründige Verwitterung zu kleinen Korngrößen machen die Hänge hochgradig erosionsanfällig.

Obwohl in den tieferen Lagen der Himalaja-Südseite Hänge bis zu 37° terrassiert werden, liegt die Bearbeitungsgrenze hier schon zwischen 25° und 28°. Der Grund dafür ist wahrscheinlich in der Art der Terrassierung zu suchen. Die Reisterrassen der Südabdachung sind wesentlich aufwendiger konstruiert als die Terrassen Gyasumdos. Die Ansprüche des Naßreises erfordern eine exakte Nivellierung der Terrassenflächen und sorgfältigen Bau der Terrassenkanten, um eine gleichmäßige Überflutung zu gewährleisten.

Die in dieser Hinsicht anspruchsloseren Kulturpflanzen Gyasumdos zwingen nicht zu einer derart perfektionierten Terrassierung. Die Neigung der Terrassenflächen und die nicht durchgehenden Befestigungen der Terrassenkanten (Foto 3,5) geben der Erosion viele Angriffspunkte. Speziell zu Beginn des Sommermonsun, wenn die Felder des Wintergetreides frisch abgeerntet und gepflügt sind und damit keine schützende Vegetationsdecke mehr haben, entstehen die größten Schäden. Besonders bei der Feldlage auf Schwemmfächern besteht außerdem die Gefahr der Murenverschüttung (Foto 7).

3.1.8. Anbauformen

Niederschlagsmengen von um die 900 mm / Jahr (Abb.2) und gemäßigte Verdunstungsraten erlauben Regenfeldbau mit drei Ernten in zwei Jahren. "Mixed cropping" ist üblich. Da Reis aus klimatischen Gründen nicht mehr angebaut werden kann (Reisgrenze bei 1800 m), dominiert Mais im Anbau. Weiterhin werden Winterweizen, Buchweizen und Kartoffeln gemischt mit Leguminosen (Bohnen, Linsen) und Gemüsen (Kürbis, Kohl etc.) in Rotationssystemen angebaut (Pohle, 1986, S.128-131) (Abb.5).

3.1.9. Weide- und Siedlungssystem

Bildet heute der Ackerbau den Schwerpunkt der Gurung-Wirtschaft in Gyasumdo, so war es ursprünglich die Viehzucht (vgl.: 3.1.2.). Trotzdem haben Schaf- und Ziegenzucht, in jüngerer Zeit auch Dzo-Züchtungen (Kreuzung von Yak und Rind), hohen Anteil am Einkommen der Gurung. Aufgrund der begrenzten Weidemöglichkeiten in Siedlungsnähe haben die Gurung ein speziell angepaßtes Weidesystem für ihre großen Schaf- und Ziegenherden entwickelt, das Höhenlagen zwischen 1000 m und 4500 m umfaßt. Im Frühjahr treiben die Hirten die Herden auf die Weiden in halber Höhe zwischen Dorf- und Hochweide. Diese Weiden liegen meist als Rodungsinseln im geschlossenen Waldgürtel (vergleichbar den Maiensässen der Alpen). Hier finden wir feste saisonale Siedlungen (z.B.: Temang, 2700 m, Foto 8), die von den Hirten jeweils 2-3 Wochen im Frühjahr und Herbst bewohnt werden. Wenn die Hochweiden der Mattenstufe oberhalb 4000 m (Kleinert, 1983, S.121) schneefrei sind, treiben sie die Herden weiter hinauf. Hier oben leben die Hirten nicht mehr in festen Hütten aus Stein und Holz, sondern in temporären, teilweise transportablen Hütten und Unterständen aus Lesesteinen, Holzstangen und Bambusmatten (Kleinert, 1983, S.121 u. Abb.63,64) (Foto 13). Im Herbst werden die Herden erst wieder auf die Zwischenweiden und dann zur Stoppelweide auf die abgeernteten Felder im Bereich der Hauptsiedlung getrieben. Etwa einen Monat später wandern die Herden weiter auf die Himalaja-Südseite und beweiden die abgeernteten Felder der Gurung-Dörfer des Lamjung-Distrikts. Hier tauschen die Hirten Vieh und Viehprodukte (meist Wolle) gegen Reis (der in Nepal auch jenseits seiner Anbaugrenzen noch große Bedeutung als Grundnahrungsmittel hat) und andere Getreidesorten, die sie im Frühjahr wieder mit in ihre Dörfer nehmen. Wo das Relief und der Zustand der Wege es erlauben, wird das Vieh dabei gleichzeitig als Transportmittel genutzt.

Die Dzo-Zucht wurde Anfang der 70er Jahre von Sherpa eingeführt und wird immer bedeutender. Die Dzos werden in erster Linie nach Mustang und ins Buri-Gandaki-Tal verkauft. Rinder und Wasserbüffel werden in Ställen in Hauptsiedlungsnähe gehalten und als Milchvieh und Zugtiere (zum Pflügen) genutzt.

3.1.10. Handel

Das Durchbruchstal des Marsyandi gibt eine Möglichkeit, den Himalaja zu durchqueren, ohne die Hauptkette auf hohen Pässen überschreiten zu müssen. Allerdings ist die Schlucht sehr eng und steil und war bis Anfang der 70er Jahre wegen der Überschwemmungen, die regelmäßig auch Brücken und Wege zerstörten, im Sommermonsun unbegehbar. Der Winter dagegen blockiert mit seinen Schneemassen die hohen Pässe von Gyasumdo nach Tibet (Gya-la, 5334 m; Larke-la, 5214 m), so daß eine jahreszeitliche Festlegung der Handelsaktivitäten von Klima und Relief erzwungen wird.

Der Ort Thonje (2000 m) liegt verkehrsgünstig auf den unteren Terrassenniveaus an der Mündung des Dudh-Khola (nepal.: = Milchfluß) und damit auch an der Gabelung der Handelswege nach Nyeshang, Nupri und Lamjung (Abb.1) (Foto 4). Durch diesen Standortvorteil in Bezug auf das Relief und aus den klimabedingten Zwängen zum Warenumschlag und zur Zwischenlagerung (s.u.) entwickelte sich Thonje zur bedeutenden Handelsstadt (Messerschmidt et al., 1974).

Vor der Schließung der tibetischen Grenze durch die Chinesen arbeiteten die Gurung in Gyasumdo als Mittelsleute im Tauschhandel tibetisches Salz gegen indisches Getreide (Messerschmidt, S.200ff.). Im Sommer, wenn die Pässe nach Tibet frei waren, brachten die Nupri (vgl.: 3.1.2.) große Yak-Karawanen mit Salz nach Gyasumdo, das hier zwischengelagert wurde.

Im trockenen Winter, wenn die im Monsun unbegehbare Durchbruchsschlucht des Marsyandi wieder frei war, brachten nepalesische Träger Getreide von der Himalaja-Südabdachung und der indischen Grenze nach Gyasumdo, um es gegen Salz und Viehprodukte einzutauschen. Die Reliefbedingungen des tropischen Hochgebirges mit seinen steilen Hängen und seiner hohen Anfälligkeit für Erdrutsche, Bergstürze und Überschwemmungen erschweren hier den Wegebau und lassen dadurch die Nutzung von Tragtieren kaum zu.

Der Niedergang des Tibethandels hat Gyasumdo stark getroffen und die Gurung waren genötigt, sich andere Einkommensquellen zu suchen. Sie konzentrierten ihre Aktivitäten stärker auf Ackerbau und Viehzucht, waren aber auch gezwungen, niedrigere Arbeiten als Träger oder ungelernte Arbeiter anzunehmen, oder sich als Söldner in den britischen und indischen Ghurka-Regimentern zu verdingen. Da ihre Siedlungen oft abseits vom Hauptweg liegen, brachte der Tourismus den Gurung keinen entscheidenden wirtschaftlichen Aufschwung (Pohle, 1986, S.134).

Im Gegensatz zu den Gurung liegen die ökonomischen Schwerpunkte der Gyasumdo-ba auch heute noch auf dem Handel. Bei ihrer späten Einwanderung nach Gyasumdo fanden die Bhotia fast das gesamte Acker- und Weideland von den autochtonen Gurung besetzt, so daß sie gezwungen waren, sich auf den Handel zu spezialisieren. Sie fungierten dabei nicht, wie die Gurung, als Mittelsleute für den Tibethandel, sondern übernahmen selbst den Warenaustausch zwischen indischer und tibetischer Grenze.

Weitere Einkommensquelle war die Jagd nach dem Moschusochsen (heute verboten) und der Verkauf von Moschus in Indien und Nepal. Nachdem 1979 der Treck "rund um den Annapurna" für Fremde geöffnet wurde, stellt der Tourismus eine weitere wichtige Einnahmequelle dar. Die meisten Restaurants und Lodges werden von Gyasumdo-ba betrieben.

Vergleicht man die heutige ökonomische Situation der Gurung und der Gyasumdo-ba, so sieht man, daß die Gyasumdo-ba durch ihre höhere sozioökonomische Mobilität bei der Akzeptanz von Innovationen (Tourismus, Handel) heute die wirtschaftlich dominante Stellung in Gyasumdo innehaben. Ihren Profit aus Handel und Tourismus legen die Gyasumdo-ba oft in Landbesitz an, das sie von den Gurung kaufen. Diese verlieren damit aber auch einen Teil ihrer ökonomischen Basis und geraten in Abhängigkeiten gegenüber den Gyasumdo-ba.

3.2. Nyeshang

3.2.1. Naturräumliche Ausstattung

Am westlichen Ende der Schlucht von Pisang beginnt Nyeshang (Tal von Manang). Das WNW-ESE-streichende glazigen überformte Trogtal ist geprägt von stark zerrachelten glazigenen Akkumulationen (Tillit) in den unteren Hangbereichen und auf dem Talgrund. Abrasionsterrassen in Grundmoräne und glazigene Uferbildungen dominieren das Mesorelief (Kuhle, 1982) (Foto 10,14,16,18-20).

Klima und Vegetation zeigen die abschirmende Wirkung der Annapurnakette gegen die Monsunniederschläge. Der Monsuneinfluß ist aber immer noch stärker als in den westlichen Nachbartälern von Mustang und Dolpo (Abb.1,2). Wir finden hier den Übergang von mäßig feuchtem Nadel- zu offenem Steppenwald und zur alpinen Steppe (Schweinfurth, 1957, Vegetationskarte; Miehe, 1982, S.102-113). Der annähernde Ost-West-Verlauf des Tales und die hohe Einstrahlung im trockenen Hochgebirge läßt Expositionsunterschiede deutlich hervortreten (Foto 10,14,16, 18-20).

Während auf der nordexponierten Talseite die Gletscher der Annapurna-Nordflanke bis fast zum Talboden herabreichen (z.B. der Gangapurna-Nordgletscher) (Foto 19), und die Hänge mit lichtem Nadelwald bestanden sind (Pinus wallichiana, darüber Abies spectabilis und Betula utilis) (Foto 10), ist die südexponierte Talflanke stark degradiert durch Holzeinschlag, Schneitelung und Beweidung und weist nur noch Reste eines offenen Steppenwaldes aus Juniperus indica und Cupressus torulosa auf (Miehe, 1982, S.102-112) (Foto 16,18,19). "Dieser krasse Expositionsunterschied resultiert ... aus den Strahlungswetterlagen des Winters und Spätwinters, denn der Schatthang hat dann meist längerdauernde Schneedecken und Einstrahlungsschutz, während es auf dem Sonnhang bei gefrorenem Boden zu Frosttrocknis kommt (Miehe, 1985, S.11). "Als natürliche Vegetation kann im Talgrund ein lichter Koniferenmischwald aus Pinus wallichiana mit Juniperus indica angenommen werden" (Miehe, 1982, S.104), heute ebenfalls stark gerodet und degradiert.

3.2.2. Bevölkerung

Die Nyeshang-ba (tibet.: = "Bewohner von Nyeshang") oder Manang-ba stellen die größte ethnische Gruppe im Untersuchungsgebiet. Ihre Vorfahren kamen vor Jahrhunderten über Mustang und den Thorong-la aus dem südlichen Tibet ("aus Tengar", Gurung, 1980, S.225) und überlagerten oder verdrängten die ansässigen Ghale- und Gurungklans, deren Festungs- und Siedlungsreste heute noch in Nyeshang zu finden sind (Gurung, 1980, S.226,232; Pohle, 1986, S.123). Gründe für die Einwanderung tibetischer Gruppen ins heutige Nepal waren Sektenkämpfe nach der Reformation des tibetischen Buddhismus in 15. Jahrhundert, die Bedrohung durch islamische Expansoren und die hier vorteilhafteren klimaökologischen Bedingungen im Vergleich zum tibetischen Hochland (Heuberger, 1976, S.771f.; Schweinfurth, 1965, S.247ff.).

Die Nyeshang-ba sprechen eine tibeto-burmesische Sprache die der Gurungsprache verwandt ist und sind Buddhisten. Ihre Kultur gleicht der tibetischen, sie fühlen sich aber als Nepali und bezeichnen sich selbst als Gurung (und geben sich oft Gurungnamen), werden aber von den weitgehend hinduisierten Gurung nicht als solche akzeptiert, die sich schon aus religiösen Gründen von ihren lamaistischen Nachbarn distanzieren (Snellgrove, 1961; Bista, 1972, S.189-191; Gurung, 1980, S.225).

3.2.3. Haus

In den trockenen kontinentaleren Gebieten nördlich der Himalaja-Hauptketten mit höheren Temperaturschwankungen bietet das flache Dach eine besonnte ebene Arbeitsfläche und strategische Vorteile bei der Verteidigung der Dörfer gegen militärische Feinde und Räuber. Die Holzbeschaffung für Schindeln bei fehlendem schieferigen Material ist in holzarmen semiariden und ariden Gegenden ein weiteres Problem.

Entsprechend dieser Erklärungen finden wir weder in Nyeshang noch im oberen Thak-Khola mit ihren in 2.3. und 2.4. beschriebenen klimaökologischen Bedingungen traditionelle Häuser mit Sattelbedachung. Ausnahmen von der Regel sind lediglich bei religiösen Bauwerken (Gompa) zu finden, bzw. vom Einfluß des Tourismus (Hotels) abhängig.

Das typische Haus von Nyeshang (Foto 12) ist von Marechaux am Beispiel von Pisang eingehend beschrieben worden (Marechaux, 1981, S.241-260). Die Häuser sind meist Teil einer kompakten Baumasse (Foto 11,18). Sie sind aus Stein gebaut und ca. alle 60 cm mit horizontalen Balkenarmierungen (ca. 15 cm dick, Kiefernholz) versehen. Der Holzanteil am Baustoff ist geringer als in Gyasumdo, aber doch noch relativ hoch, was durch die üppigen Waldvorkommen der nördlich exponierten Hänge ermöglicht wird.

Die meisten Häuser sind an den Hang gebaut (Foto 11,15,18) und sind hier bei fast quadratischem Grundriß etwas weniger breit als tief. Im Gegensatz dazu sind die Häuser, die auf ebenen Flächen angelegt werden, etwas breiter als tief (Marechaux, 1981, S.252). Ob man dadurch versucht die schützende und stützende Wirkung des Hanges besser auszunutzen, kann vermutet werden, war aber nicht in Erfahrung zu bringen.

Dem Untergeschoß des Hauses ist ein ummauerter Hof vorgelagert, der teilweise überdacht ist. Dieses Dach dient dem Wohngeschoß als Terrasse, die zum Schutz vor den Winden nach drei Seiten ummauert ist, und auf dem rundherum Brennholz gestapelt wird (Foto 12).

Dem Flachdach des Wohngeschosses ist ein kleinerer Lagerschuppen, meist mit Pultdach, aufgesetzt. Das hier gelagerte Stroh gibt eine willkommene Isolierung der Wohnräume.

Die Stockwerke des Hauses werden jahreszeitlich unterschiedlich genutzt. Im Sommer spielt sich das Leben fast ausschließlich auf der Terrasse oder dem Dach ab. Auf der Terrasse wird gekocht, und in dem nach einer Seite offenen Lagerschuppen auf dem Dach wird geschlafen. In der kälteren Jahreszeit zieht sich das Leben in das Innere des Hauses zurück, sofern man nicht nach Süden abwandert (Marechaux, 1981, S.249).

3.2.4. Ortsbild

Die kompakte Siedlungsweise in Nyeshang (Foto 11,18) und dem oberen Thak-Khola (Foto 22,24,25,27,29) wird oft auf klimatische Einflüsse zurückgeführt (Kleinert, 1983, S.181). Ausschlaggebend scheinen aber auch die strategischen Vorteile zu sein, die in den Kriegen der alten Königreiche der Ghale, aber auch bei der Verteidigung gegen Räuberbanden wichtig waren. Sogar bis Mitte der Fünfziger Jahre kam es immer wieder zu bewaffneten Konflikten zwischen den Dörfern des Tales (Gurung, 1980, S.228; Herzog, 1953). Vermutlich kamen erst nach der Befriedung in Nyeshang geschlossene Bauweisen und Einzelgehöfte auf (Foto 10-12). Die permanent bewohnten Häuser Nyeshangs, die sich außerhalb der kompakten Baumassen der Dörfer befinden, sind relativ jung.

In Hanglage finden wir häufig Terrassensiedlungen (z.B.: Pisang, Ghyaru, Braga) (Foto 11,15,18), bei denen im Idealfall das Dach eines Hauses die Terrasse des darüberliegenden Hauses bildet.

3.2.5. Ortslage

Auch in Bezug auf die Siedlungslage finden wir in Nyeshang ganz andere Verhältnisse als in Gyasumdo vor. Das Trogtal mit seinem weiten Talboden und den vielen großen Terrassenflächen bietet vom Relief her genügend Standorte zu Anlage von Siedlungen. Diese liegen bevorzugt am Hang oder auf Terrassen der südexponierten Talseite (Abb.1; Foto 10,11,14,16,18-20). Die nordexponierte Talflanke weist zwar auch weniger Flächen mit geringem Gefälle auf, der Grund für die Meidung ist aber eher die Lage im Bergschatten und die sich daraus ergebenden Nachteile (Böhm, 1966, S.81-93). Durch die hohe Reliefenergie der Annapurna-Nordflanke bei wenigen Unterbrechungen durch Terrassen und Moränenschultern (Hagen, 1968, S.51-84; Kuhle, 1982, Abb.57) und durch den WNW-ESE-Verlauf des Marsyanditales liegt die orographisch rechte Talflanke fast ständig im Schatten. Auch auf den vom Relief her geeigneten Flächen liegen nur einzelne Gehöfte. Diese liegen auf Terrassenkanten oder Moränenschultern in exponierter Position, um die Dauer der Schattenlage möglichst kurz zu halten. Der Talboden liegt tageszeitlich und jahreszeitlich länger im Bergschatten der Annapurnakette als die südexponierten Hänge und bietet die Gefahr der Überschwemmung. Die südexponierten Hanglagen weisen eine schnellere tägliche Erwärmung, aber auch eine wesentlich früher einsetzende Schneeschmelze und dadurch eine verlängerte Vegetationsperiode auf. Die Hanglage wurde ebenso aus strategischen Gründen bevorzugt (z.B.: Pisang, Braga) (Foto 11,18) und führt bei den kompakten Ortsbildern zur Terrassensiedlung (vgl.: 3.2.4.).

Die Lage von Ghyaru (Pohle, 1986, S.128) und Ngawal in Höhe des monsunalen Kondensationsniveaus (um 3600 m) macht sich die größere Feuchtigkeit in dieser Höhe zu Nutze (Foto 14,16).

3.2.6. Ortsgröße

In Nyeshang liegen 10 permanente Siedlungen. Trotz geringerer Siedlungsdichte als in Gyasumdo (17 permanente Siedlungen auf 827 qkm; 2-3 E/qkm) leben in Nyeshang weit mehr Menschen pro qkm (10 permanente Siedlungen auf 561 qkm; 6-7 E/qkm) (Pohle, 1986, S.121), die sich in wenigen Dörfern konzentrieren (N ca. 80 H/Ort; Abb.4). Die großflächigeren Reliefverhältnisse in Nyeshang und dem oberen Thak-Khola-Gebiet im Vergleich zu Gyasumdo lassen wesentlich größere Dörfer mit entsprechend großen Agrarflächen zu. Die Konzentration der Bevölkerung in wenigen großen Dörfern ist vermutlich u.a. auf eine dadurch verbesserte Verteidigungsfähigkeit zurückzuführen.

3.2.7. Lage der Anbauflächen

Die Felder in Nyeshang befinden sich vorwiegend auf glazifluvialen Terrassen und Moränenschultern in den mittleren und unteren Hangbereichen der südexponierten Talflanke und dem Talboden (Foto 10,14,16,19,20). Laut Miehe (1982, S.103) wird der Talgrund "zu mehr als 3/4 von eingezelgten Ackerterrassen eingenommen". Dieser Wert trifft nur auf die Verhältnisse westlich der Sabche-Khola-Mündung zu, insgesamt beträgt die Feldfläche des Talgrundes einschließlich der Flurwüstungen ca. 50%.

Die Gründe für die Lage der Anbauflächen entsprechen den unter 3.2.5. aufgeführten Erklärungen.

3.2.8. Anbauformen

Der Regenfeldbau wird in Nyeshang westlich der Chheraji-Khola-Mündung teilweise schon durch Bewässerung ergänzt (Abb.4) (Foto 17).

Mais kann in Nyeshang aufgrund der Höhe über NN nicht mehr angebaut werden und wird zusammen mit Reis aus dem Lamjung-Distrikt importiert. Buchweizen, Weizen, Gerste und Kartoffeln sind Hauptanbaufrüchte (Abb.5). Buchweizen/Weizen- oder Buchweizen/Gerste-Rotationen sind üblich (Pohle, 1986, S.131). Die niedrigen Wintertemperaturen erlauben nur noch eine Ernte pro Jahr. Die Felder sind zwischen März und November bebaut. Sie liegen im Winter brach und werden als Stoppelweide genutzt (Gurung, 1980, S.227; Pohle, 1986, 129-131).

In Nyeshang hängt die Einzelgung der Felder von der Holzverfügbarkeit ab. Der größte Teil der Felder auf der südexponierten Talflanke und dem Talboden ist mit Trockenmauern, die Felder der nordexponierten Talflanke (z.B. am Ausgang des Sabche-Lungpa) und in der Nähe einiger waldreicher Schutzlagen orographisch links des Marsyandi (die Westexpositionen der Seitentäler, z.B. am Talausgang des Chheraji-Khola bei Dzuluk) (Foto 17) sind mit Holzbohlen eingezelgt.

3.2.9. Weide- und Siedlungssystem

Das Siedlungssystem ist ähnlich stark differenziert wie in Gyasumdo. Saisonale Siedlungen finden sich sowohl oberhalb als auch unterhalb der Hauptsiedlungen, wobei alle Nebensiedlungen einen provisorischen Charakter zeigen (Foto 13) und feste Zwischenalmen wie in Gyasumdo hier fehlen. Die Winterquartiere der Nyeshang-ba liegen alle außerhalb des Manang-Distrikts im Lamjung-Distrikt (Ngadi, Bhote Odar), Kathmandu, Pokhara und Narayangath (Pohle, 1986, S.125). Nur wenige alte Menschen, junge Mädchen und Kinder bleiben im Winter im Hauptdorf, um für das Vieh zu sorgen.

Das gesamte Vieh wird im Winter in der Nähe des Dorfes geweidet und eingestallt. Dazu dienen die Ställe in den Hauptdörfern, aber auch Nebensiedlungen in der Feldmark des Dorfes (Mungji, Tange), die aus Ställen und Hirtenunterkünften bestehen, und wo Buchweizen- und Gerstenstroh sowie Wildheu als Winterfutter und Streu gelagert wird. Eine intensive Winterfuttergewinnung durch Mähwiesen wird nicht betrieben, obwohl in langen Wintern das Viehfutter knapp wird (Miehe, 1985, S.31).

Die sommerlichen Ziegenalmen liegen im Bereich der Waldstufe, die auf der südexponierten Talseite durch Beweidung und Holznutzung stark, auf der nordexponierten Talseite gering degradiert ist. In den wenig verfestigten glazigenen und glazifluvialen Schottern fördern Trittschäden wie Weidegangeln die ohnehin starke Erosion (Miehe, 1985, S.30).

Die Yakalmen liegen bei 4800 m - 5200 m an der Grenze der geschlossenen Vegetationsdecke in der Höhenstufe der Cyperaceenrasen (Miehe, 1985, S.31). In Nyeshang, mit seinen ausgeprägten Expositionsunterschieden, finden wir die Hochweiden vorwiegend auf der südexponierten Talseite. Die späte Schneeschmelze auf der Annapurna-Nordflanke, das ungünstigere Reliefangebot (Kuhle, 1982, Abb.57) und die Siedlungsferne sind dafür die Gründe. Ab Ende September/Anfang Oktober wird das Vieh von den Almen auf die abgeernteten Felder zur Stoppelweide abgetrieben.

Nach der Einwanderung aus Tibet führten die Nyeshang-ba ihre traditionelle Viehzucht weiter fort. Nach und nach, durch die verbesserten ökologischen Bedingungen im Vergleich zu Tibet, verlegte sich der wirtschaftliche Schwerpunkt auf den Ackerbau. Die Viehzucht verlor immer mehr an Bedeutung und steht heute weit hinter Handel und Ackerbau. Dieser Wandel zeigt wiederum den starken Einfluß der natürlichen Umwelt auf die Wirtschaftsweise des Menschen.

3.2.10. Handel

Die günstigen Verkehrswege für den Tibethandel, die z.B. im Thak-Khola-Tal vorhanden sind, fehlen in Nyeshang. Die Wege nach Tibet über die hohen Pässe (z.B.: Nar-la, 5700 m) sind im Winter versperrt, der Weg nach Süden durch die Marsyandi-Schlucht war lange Zeit im Monsun unpassierbar. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden den Nyeshang-ba aber immer wieder von den nepalesischen Regierungen Vergünstigungen für den Fernhandel gewährt (Steuererleichterungen, Reisepässe; 1784 von Rana Bahadur Shah, weitere 1844, 1940) (Gurung, 1980, S.227). Diese Bevorzugung wird in den Dokumenten damit gerechtfertigt, die ökologischen Nachteile des trockenen winterkalten Hochgebirgstales für die Landwirtschaft auszugleichen. Diese Benachteiligung kann aber nicht den Ausschlag für die Handelserleichterungen gegeben haben, da dieses Kriterium auf viele Landschaften Nepals noch eher zutrifft. Die eigentlichen Gründe waren wohl eher politischer Natur (Gurung, 1980, S.227).

Während ihrer Winteraufenthalte auf der Himalaja-Südseite handelten die Nyeshang-ba früher in Nepal und Indien mit Gewürzen, Kräutern, Tierhäuten u.ä.. Im Laufe der Zeit dehnten sie ihren Handel auf ganz Südostasien aus (Singapur, Burma, Thailand, Hongkong u.a.) und erweiterten ihre Handelspalette auf Gold, Silber, Halbedelsteine, Elektroartikel und Fabrikwaren (Gurung, 1980, S.227-228; Pohle, 1986, S.135).

 

3.3. Thak-Khola

3.3.1. Naturräumliche Ausstattung

Der dritte Teil des Untersuchungsgebietes ist stärker gegliedert als Gyasumdo und Nyeshang. Der Pukhung-Himal (Thorongtse 6481 m) und der Muktinath-Himal (Deriatse 6636 m) mit der Einsattelung des Thorong-La (5480 m) bilden im Bereich der Untersuchung die Wasserscheide zwischen Marsyandi-Khola und Thak-Khola. Westlich der Wasserscheide schließt sich das Becken von Muktinath (Foto 21-23) an, das vom Jhong-Khola und seinen Nebenflüssen entwässert wird. Auf der westlichen, der orographisch rechten Seite des Thak-Khola liegt das Tal des Panga-Khola (Foto 28) noch im Untersuchungsgebiet.

Der Thak-Khola fließt hier in einem Graben, dessen Sohle er mit seinen weitläufigen Schotterflächen bedeckt (Hagen, 1968, Plate VI; Kuhle, 1982, S.12,16) (Foto 27). Jhong-Khola und Panga-Khola zerschneiden in tiefen Schluchten die Bruchstufen (Foto 26).

Auf dem Talboden und im unteren Teil der Hänge des Thak-Khola-Tales herrschen die trockensten Bedingungen. Dies ist auf die geringen Niederschläge über der Talmitte (s.u.) (Jomosom 250 mm/Jahr) (Abb.2) und die austrocknende Wirkung der starken Talwinde zurückzuführen. Die Dichte der Vegetation legt nahe, daß die höhergelegenen Hangteile stärker beregnet werden (Muktinath ca. 400 mm/Jahr) (Dittmann, 1970, Abb.10) (Abb.2). Lage im Windschatten ist ein weiterer Gunststandort für die Vegetation (Miehe, 1985, S.10; Dobremez et al., 1971, S.21).

Die geringen Niederschläge über dem Talboden im Verhältnis zu den Flanken sind durch das Talwindsystem zu erklären, das zu absteigenden Luftbewegungen über der Talmitte und zu aufsteigenden Luftmassen über den Talhängen und damit zu Konvektionsbewölkung führt (Troll, 1952; 1967, 377-378; Schweinfurth, 1956; Dittmann, 1970; Flohn, 1970, S.26; Meurer, 1982).

Aufgrund des nächtlichen Hochdruckgebietes über dem tibetischen Plateau weht der Wind morgens aus nördlicher Richtung das Tal hinunter. Gegen 10.00 Uhr flaut der Wind ab, um dann nach etwa einer halben Stunde mit hohen Geschwindigkeiten aus südlicher Richtung zu wehen. Die intensive Einstrahlung auf das Hochland von Tibet, bedingt durch die große Höhe über NN und die Aridität, verursacht ein bodennahes Tiefdruckgebiet, das aus den tiefergelegenen und feuchteren Gebieten im Süden des Himalaja Luft ansaugt. Das enge Durchbruchstal wirkt dabei wie eine Düse. Der Talwind dauert den ganzen Tag an und dreht erst wieder nach Sonnenuntergang (Miehe, 1982, S.16; Meurer, 1982).

In diesem westlichen Teil des Untersuchungsgebietes sind neben den monsunalen auch die winterlichen Niederschläge von Bedeutung. Jomosom erhält in den Monaten Januar, Februar und März 40% seiner jährlichen Niederschläge (Donner, 1972, S.474) (Abb.2). Sommerliche Maximaltemperaturen von + 30°C stehen Winterminimaltemperaturen von - 10°C gegenüber. Die kontinentalere Prägung des Klimas führt zu langen und kalten Wintern (Donner, 1972, S.474).

Die Vegetation beschränkt sich auf die alpine Steppe mit Polsterfluren von windgeschorenen Dornzwergsträuchern (Caragana gerardiana), die nur in Höhe des monsunalen Kondensationsniveaus von den feuchteren alpinen Matten abgelöst wird (Schweinfurth, 1957, S.127ff.; Dittmann, 1970, Abb.10; Miehe, 1982, S.66-73) (Foto 28). Vereinzelt finden sich Weiden, Pappeln und Wacholder an den Flußläufen (Foto 21-23).

Durch die trockenheitsbedingten geringen Deckungsgrade der Vegetation sind die Böden hier einer extrem hohen Erosion unterworfen. Die tertiären und quartären Sedimente sind von unzähligen Tälern, Furchen und Rinnen zerschnitten, die Flüsse führen in ihren tief eingegrabenen Schluchten hohe Geschiebeanteile (Hagen, 1968, S.88-96, S.138f.; Dobremez et al., 1971, S.21).

3.3.2. Bevölkerung

Die Täler des Jhong-Khola und Panga-Khola sind von den sog. Baragaon-le, den "Einwohnern von Baragaon" (nepal.: = zwölf Dörfer) besiedelt. Ihre Sprache und Kultur zeigt ihre nahe Verwandtschaft zu den Lo-ba, den Bewohnern des Königreiches Mustang, das im Norden an ihr Gebiet angrenzt, und die ihrerseits in Sprache und Kultur eng mit den Tibetern verwandt sind. Der Lamaismus der Baragaon-le weist starke Einflüsse der alten Bon-Religion auf (Peissel, 1970; Tucci, 1977).

Die Festungsreste, die fast in jedem Ort zu finden sind, deuten auf eine kriegerische Geschichte hin (Jackson, 1976).

Die winterliche Abwanderung ist im oberen Thak-Khola wesentlich geringer als in Nyeshang. Die Bevölkerung lebt in erster Linie vom Ackerbau, in geringerem Umfang von Viehhaltung und Handel (Donner, 1972, S.476ff.).

Weitere Informationen zur Bevölkerung von Baragaon und ihrer Kultur gibt Bista (1967, S.181ff.).

3.3.3. Haus

Die Häuser im Untersuchungsgebiet westlich des Thorong-La sind traditionell ausschließlich in Erdbetonbauweise errichtet (Foto 24,25,29) (genaue Beschreibungen von Konstruktion und Bauweise geben Hähnert, 1925 und Reiffenberg, 1949). Der Grund dafür ist Mangel an Holz und behaubarem Gestein. Das typische Haus ist zweigeschossig, weiß oder ockerrot getüncht und hat kaum Fenster, sondern kleine Luftlöcher. Auf dem flachen Dach steht ein nach einer Seite, meist nach Süden geöffneter Speicher (Foto 24). Die Brüstung des Flachdaches besteht aus aufgeschichtetem Feuerholz. Dieses Holz dient als Reserve (Kleinert, 1973c, S.69; Miehe, 1982, S.85) und wird nur im Notfall verbrannt. Die eigentliche Funktion der Holzbrüstungen ist vermutlich klimatisch bedingt. In den starken Talwinden des Thak-Khola wirken die Holzstapel aufgrund ihrer Struktur viel besser als Windbremse und -schutz, als eine Mauer oder ein Zaun dies könnte.

Die neueren Häuser und Hotels an den Ortsrändern sind oft stark von der Thakkali-Architektur des mittleren Thak-Khola mit Steinbauweise und Innenhöfen beeinflußt (Foto 25). Das Thakkali-Haus, dessen Verbreitungsgebiet im Süden an diesen Teil des Untersuchungsgebietes anschließt, trägt in seinem Aufbau ebenfalls den klimatischen Gegebenheiten, besonders den starken Winden, Rechnung. Die Thakkali-Architektur wird bei Kleinert (1973c, S.53-97) eingehend analysiert.

Im oberen Thak-Khola stellt der Windschutz einen Hauptgrund für die kompakte Bauweise dar, in höheren Lagen auch die geringere Wärmeabgabe eines kompakten Baukörpers im Vergleich zum Einzelhaus (z.B. Sangda, 3800 m, außerhalb des Untersuchungsgebietes, beschrieben von Kleinert, 1973c, S.104ff.) (13).

3.3.4. Ortsbild

Die Dörfer bilden meist einen kompakten, festungsartigen Baukörper (Kagbeni, Jhong, Jarkot) (Foto 23-25,27). Dazwischen liegen Einzel- und Gruppengehöfte (Foto 22).

Ein System von Höfen mit verschiedenen Funktionen füllt die Zwischenräume. Zum einen sind dies sorgfältig planierte Dreschplätze mit Schutzhütten für die Ernte (Donner, 1972, S.483), zum anderen ummauerte Krale mit Viehunterständen, in die abends die in Ortsnähe weidenden Ziegen- und Schafherden getrieben werden. In diesen Kralen wird der Viehdung gesammelt und auf die Felder aufgebracht. Innenhöfe sind bei den traditionellen Häusern selten zu finden.

Die meisten Dörfer besitzen ein altes "Dzong" (tibet.: = Burg, Festung), die strategisch günstig auf Bergspornen (Jhong, Jarkot u.a.) oder an Wegengstellen wie der schluchtartigen Verengung des Thak-Khola-Tales bei Kagbeni (tibet.: Kag = Block, nepal.: Beni = Mündung) angelegt sind (Foto 23,27). Auf den Festungscharakter deuten schon viele Ortsnamen hin, die das Wort "Jhong" bzw. "Dzong" enthalten (Jhong, Dangarjong u.a.). Nach der weitgehenden Befriedung im 18. Jahrhundert durch die Herrscher des nepalesischen Königreiches verfielen diese Dzongs teilweise, andere werden heute noch als Wohnraum oder Wirtschaftsgebäude genutzt.

3.3.5. Ortslage

Die Expositionsunterschiede als ausschlaggebender Faktor für die Lage der Siedlungen in Nyeshang treten westlich des Thorang-la in den Hintergrund. Die südlich gelegenen Bergrücken sind weit weniger hoch (3000-4000 m) und weniger steil als die Annapurna-Nordflanke, so daß tagsüber kaum nennenswerte Bergschatten auf den Siedlungsbereich fallen.

Die Nebenflüsse des Thak-Khola, Jhong-Khola und Panga-Khola, haben sich in tiefen Schluchten in die lockeren tertiären und quartären Sedimente eingegraben, so daß eine Siedlungsanlage direkt am Fluß wegen der Überschwemmungsgefahr und der Schattenlage in den engen Schluchten nur selten günstig wäre. Der hier stark anasthomusierende Thak-Khola bedeckt mit seinem Schotterbett die ganze Talsohle, so daß auch hier kaum Siedlungsstandorte zu finden sind. Die Dörfer liegen auf glazifluvialen Terrassen wenige Meter (Kagbeni) (Foto 26,27) bis ca. 200 m (Jhong, Jharkot, Khingar) (Foto 21,23) hoch über den Nebenflüssen des Thak-Khola.

Auf den Terrassen werden als Gebäudestandorte die schwer zu bewässernden Vollformen bevorzugt, um wertvolle Anbauflächen zu sparen (Foto 22,23). Spornlagen (Jharkot, Jhong, Khingar) (Foto 23) sind strategisch besonders günstig.

3.3.6. Ortsgröße

Neben den strategischen Vorteilen fördert die Bewässerungswirtschaft westlich des Thorong-la die Konzentration der Bevölkerung in größeren Dörfern, wo eine geistliche oder weltliche Führungsschicht den Bau und Erhalt der Bewässerungsanlagen organisiert. Das Relief mit seinem relativ großflächigen Angebot (vgl.: Gyasumdo) gibt dafür die Möglichkeit. Das Becken von Muktinath ist wegen seiner günstigen Bewässerungsmöglichkeiten (14) dicht besiedelt.

3.3.7. Lage der Anbauflächen

Die Lage der Felder hängt im oberen Thak-Khola im Wesentlichen davon ab, wo in den quartären Aufschüttungen gering geneigte, terrassierbare Flächen gefunden werden, die gleichzeitig durch das Anzapfen von Bächen bewässert werden können. Expositionsunterschiede spielen dabei kaum eine Rolle.

Die Obergrenze der Feldflur markiert jeweils der höchstgelegene Bewässerungskanal, der die Flüsse anzapft und das Schmelzwasser aus Gletschern und Schneeflecken isohypsenparallel heranführt. Hieraus ergibt sich eine scharfe Trennung zwischen Feldflur und Hochgebirgssteppe (Foto 21,22,26).

In den trockenen Klimaverhältnissen des oberen Thak-Khola ist die Bewässerungswirtschaft eng an das Vorhandensein von Gletschern und perennierenden Schneeflecken gebunden. Diese liefern das zur Bewässerung notwendige Schmelzwasser (15).

Hagen (1975, S.83) und Miehe (1982, S.69) führen die im Becken von Muktinath häufiger zu findenden Flur- und Ortswüstungen auf Schneegrenzschwankungen zurück. In gewissem Maße könnte diese Vermutung wohl zutreffen. Besonders die Wüstungen im Südosten des Beckens gehören zu einem Bewässerungssystem, das wahrscheinlich von dem bei Miehe (1982, S.69) genannten "heute nicht vergletscherten Trabanten des Khingartse" her gespeist wurde. Dieses Kanalsystem wurde möglicherweise zu Zeiten von Schneegrenzdepressionen angelegt und fiel beim Rückzug der Gletscher und Schneeflecken komplett trocken.

Entsprechendes gilt wahrscheinlich für die Flurwüstung bei Eklebhatti, deren Bewässerungsgräben sich in Richtung eines kleineren, heute im Sommer schneefreien Gipfels südwestlich Khingar zurückverfolgen lassen.

Viele andere Wüstungserscheinungen lassen sich aber durch Schneegrenzschwankungen nicht ausreichend erklären. Die Flurwüstungen bei Jhong (Foto 21) und die Flur- und Ortswüstung östlich Kagbeni (Miehe, 1982, S.69) (Foto 26) liegen orographisch in einem Bereich, der leicht aus dem oberen, vom Jhong-Khola abzweigenden Kanal zu bewässern wäre. Mangel an Bewässerungswasser dürfte während der Anbauperioden kaum auftreten. Für diese Wüstungen müssen andere Erklärungen gefunden werden.

3.3.8. Anbauformen

Die Bewässerungsfelder sind sorgfältig nivelliert (Foto 22,27) und werden, wie das Dorf selbst, durch kilometerlange Kanäle aus den Seitenflüssen versorgt. Durch Anzapfen des Flusses weit an dessen Oberlauf erreichen die Bauern eine Wasserversorgung, obwohl ihre Siedlungen 10 - 200 m über dem Flußniveau liegen (Foto 21). Dies wird durch das starke Gefälle der Seitenflüsse ermöglicht. Der Thak-Khola selbst hat ein nur leichtes Gefälle und ist daher zur Bewässerung der hochgelegenen Terrassen ungeeignet.

Auf den Feldern wird in erster Linie Buchweizen, Weizen, Gerste und Kartoffeln angebaut (Abb.5), Mais nur im Haupttal des Thak-Khola bis in ca. 3000 m Höhe. Rettiche, weiße Rüben, Kohl u.a. wachsen in Hausgärten. Weiterhin findet man hier auch Obstbäume, traditionell halbwilde Aprikosenarten, heute auch Äpfel und Birnen (Donner, 1972, S.482-484). Das landwirtschaftliche Jahr dauert von Mitte Februar bis Mitte November. In den drei Wintermonaten bedeckt Schnee die Felder (Donner, 1972, S.483).

Die Bauern sammeln Viehmist und anderes organisches Material, um es nach der Verrottung als Dünger auf die Felder aufzubringen.

3.3.9. Weide- und Siedlungssystem

Die Viehzucht umfaßt Esel, Maultiere und Pferde für den Transport, Yaks, Dzos, Rinder, Ziegen und Schafe für Fleisch, Wolle, Milch und Trag- und Zugdienste. Als Weiden dienen die sommerlichen Hochweiden in der feuchteren alpinen Mattenstufe für Yak und Dzo, die nicht bewässerbaren Flächen in Siedlungsnähe und die Dornzwergstrauchfluren für Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Schafe und Ziegen werden tagsüber in sicherer Entfernung von den Feldern geweidet und jeden Abend in die dorfnahen Krale getrieben, damit dort ihr Kot gesammelt und auf die Felder aufgebracht werden kann. Nach der Ernte, Ende September/Anfang Oktober, wird das gesamte Vieh auf die Stoppelweide getrieben und dadurch, neben der Futternutzung, eine Düngung der Felder mit dem Kot der Tiere erreicht. Stroh und Wildheu wird als Winterfutter auf den Dächern der Häuser gelagert, der Anbau von Futterpflanzen und Mähwiesen sind unbekannt (Miehe, 1983, S.32). Die winterliche Abwanderung auf die Himalaja-Südseite ist gering (Donner, 1972, S.476).

Da die Gegend heute weitgehend waldlos ist, muß Feuerholz aus den weiter südlich gelegenen Nebentälern des Thak-Khola mit Ponykarawanen herbeigeschafft werden. Abgesehen von Wacholderbeständen finden sich entlang der Bewässerungskanäle auch Pappeln und Weiden (Foto 21-23), von denen die Blätter als Futter und Streu, die Zweige als Brennholz verwertet werden, ohne den Baum zu sehr zu verletzen. Vereinzelte Aufforstungsmaßnahmen, speziell im Becken von Muktinath, sind oft religiös begründet. In der Bevölkerung hält sich der Glaube, die Gegend sei für normale Aufforstungsaktionen zu trocken, obwohl das Muktinath-Becken in historischer Zeit bewaldet gewesen sein muß (Miehe, 1982, S.69). Vermutlich hängt die Verbreitung dieser Ansicht mit der Herkunft der Bevölkerung aus dem tibetischen Hochland jenseits der potentiellen Waldgrenze zusammen.

3.3.10. Handel

Die Handelswege von der Himalaja-Nordseite auf die Südabdachung sind vom Relief vorgezeichnet. Die größte Bedeutung im Untersuchungsgebiet hat dabei das tektogene Durchbruchstal des Thak-Khola durch die Hauptkette des Himalaja (Fürer-Haimendorf, 1975, S.132-222). Auf diesem Weg von der Ganges-Ebene nach Tibet, auf der man nur Pässe von relativ geringer Höhe (Kore-La, 4400m) überqueren muß, können fast das ganze Jahr lang Waren transportiert werden. Auf den breiten Schotterkörpern des oberen Thak-Khola (Foto 27) ist sogar der Einsatz von Pony- und Yak-Karawanen möglich.

Die Landschaft um Kagbeni wird von zwei Handelswegen durchkreuzt. Der erste ist der wichtige Handelsweg zwischen Tibet und dem südlichen Himalaja-Vorland, auf dem vor der Grenzschließung durch die chinesische Regierung (1959) ein reger Tauschhandel mit Salz und Tierprodukten aus Tibet gegen Getreide aus dem Süden stattfand.

Der Niedergang des Tibethandels wurde in der Gegend um Kagbeni relativ gut verkraftet, weil die Kontrolle und Durchführung der Handelsgeschäfte in den Händen der im Süden siedelnden Thakkali gelegen hatte, denen die Grenzschließung ihre wirtschaftliche Grundlage zerstörte (Fürer-Haimendorf, 1975; Messerschmidt, 1981; Manzardo, 1982). Die Baragaon-le dagegen waren wirtschaftlich nie vom Tibethandel abhängig.

Handelswege zweiten Ranges kreuzen von Ost nach West und verbinden den Kreuzungspunkt Kagbeni mit Dolpo und dem oberen Marsyandi-Tal. Auf diesen Wegen wird der Transport, untypisch für Nepal, weniger durch Kulis als durch Tragtiere abgewickelt. Zurückzuführen ist dies auf die günstigen Reliefbedingungen mit breiten Trogtalböden und weiten Schotterflächen.

 

4. Abhängigkeiten der Kulturlandschaft von Relief und Klima im gesamten Untersuchungsgebiet

Für Zentralnepal gibt Kleinert (1983), aufbauend auf seine Arbeit über die Verhältnisse im Kali-Gandaki-Tal, einen systematischen Überblick über die Abhängigkeiten zwischen natürlicher Umwelt und Siedlungselementen und sondert Haus- und Siedlungstypen aus, deren Physiognomie er auf den Einfluß der natürlichen Umwelt (Klima, Relief) zurückführt (Kleinert, 1983, S.169). "Die Umwelt prägt die Lebens- und Wirtschaftsweise. Sie bestimmt weitgehend Bauweise, Hausform, Siedlungslage und Siedlungsform" (Kleinert, 1983, S.166).

Für einen großen Teil des Untersuchungsgebietes kann Kleinert sich aber nur auf die Auswertung von Literatur (Tilmann, 1952; Tichy, 1954; Snellgrove, 1960; Lobbichler, 1961; Roberts, 1970; Bista, 1969, 1972; Hagen, 1971) stützen, deren Thematik sich in erster Linie auf ganz andere Gegebenheiten bezieht, bzw. als Reisebericht veröffentlicht wurde (Kleinert, 1983, S.122). Dies gilt für das Marsyandi-Tal oberhalb von Chame bis zum Thorong-La. Die vorliegende Untersuchung füllt diese Lücke und bestätigt zu einem großen Teil die von Kleinert aus der Literatur gewonnenen Ergebnisse.

Die Gliederung des 4. Teils der Arbeit lehnt sich an den Aufbau der Kapitel 3.1.-3.3. an, entspricht diesem aber nicht immer. Für die Wiedergabe des Gesamtüberblickes erscheinen diese Abweichungen aber als zweckmäßig.

4.1. Haus

Im gesamten Untersuchungsgebiet finden wir sowohl bei den Flach-, als auch bei den Satteldachhäusern zwei- bis dreigeschossige Mehrraumhäuser verbreitet. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in tieferen Lagen, unterhalb 1500 -2000 m (Kleinert, 1983, S.169), wird hier das Erdgeschoß gemeinhin als Stall und Speicher genutzt, während sich die Wohnung im ersten Stock befindet. In der winterlichen Kälte des Hochgebirges liefert das Untergeschoß die notwendige Isolation für das Wohngeschoß. Das eingestallte Vieh gibt zusätzlich Wärme ab (Kleinert, 1983, S.119). Strategische Gründe waren nicht nachweisbar.

Die lange Winterpause der Hochlagen erfordert eine Vorratswirtschaft für Nahrungsmittel und Viehfutter, die sich in der großen Anzahl von Lagerräumen im Haus bemerkbar macht. Am stärksten ausgeprägt finden wir dieses Bild im Untersuchungsgebiet im oberen Thak-Khola, wo die winterliche Abwanderung, die den Zwang zur Vorratswirtschaft bis zu einem gewissen Grade kompensiert, im Gegensatz zu den Verhältnissen in Nyeshang nur gering ist. In Gyasumdo ist der Zwang zur Vorratswirtschaft schon wegen der längeren Vegetationsperiode und den günstigeren klima`kologischen Voraussetzungen geringer.

Das Atriumhaus mit Innenhof findet sich dort, wo ein Abschluß des Hauses nach außen erforderlich wird (Kleinert, 1983, S.170). Die einzigen Atriumhäuser des Untersuchungsgebietes liegen im Thak-Khola-Tal mit seinen ständigen hohen Windstärken mit starker Staub- und Sandverwehung infolge der Aridität und des geringen Deckungsgrades der Vegetation.

Allein in Gyasumdo kann man, typisch für die Gegebenheiten der Himalaja-Südabdachung, die Tendenz feststellen, durch ein freistehendes Einzelhaus mit vorgelagerter aufgeständerter Veranda oder befestigtem ebenerdigen Vorplatz eine maximale Öffnung zum Freiraum zu gewährleisten. Die aus mobilen Holzplanken zwischen Stützpfeilern bestehende Hausfront kann oft ganz geöffnet werden. Eine ausgeglichene Temperaturamplitude mit relativ hohen Durchschnittstemperaturen erlaubt diesen Aufbau. In Nyeshang und noch stärker im oberen Thak-Khola mit kontinentalerem Jahreszeitenklima sind die Häuser in sich geschlossener und schützen so vor den kalten Wintern und starken Winden.

Diese der Schutzfunktion gerechtwerdende Bauweise des Hauses wird dem Menschen von den Widrigkeiten der Natur quasi aufgezwungen, während die Öffnung des Hauses nach außen in Gyasumdo eine Bequemlichkeit bietet, die man sich aufgrund vorteilhafter klimatischer Bedingungen erlauben kann.

Reine Stein- oder Erdbetonbauweisen finden wir jenseits der Trocken- oder Höhengrenze des Waldes, aber auch in anthropogen entwaldeten Gebieten (Becken von Muktinath). Hier wird Holz fast ausschließlich für die Dachkonstruktion und die Türrahmen benutzt. Im Untersuchungsgebiet nimmt der Holzanteil am Baumaterial von Ost nach West analog zu der ausdünnenden Bewaldung stetig ab.

Die Vorteile einer angepaßten Hausform wurden in 3.1.3., 3.2.3., und 3.3.3. schon beschrieben. Am deutlichsten vollzieht sich der Wandel zwischen den Hausformen im Untersuchungsgebiet in Bezug auf Dachform und Baumaterial. Die regelhafte Verteilung analog zum Klimawandel, allerdings mit einem breiten Übergangssaum zwischen Satteldach- und Flachdachverbreitungsgebiet, legt die Anpassung an die Niederschlagsverhältnisse nahe. Dabei kann sich das Satteldach noch eher in niederschlagsärmeren Gebieten behaupten als das Flachdach- und Erdbetonhaus im monsungeprägten Nepal. Nebengebäude und modernere Bauwerke wie Hotels und Verwaltungsgebäude tragen oft auch in Nyeshang und Thak-Khola das Satteldach.

4.2. Ortsbild

Die Gründe für das jeweilige Erscheinungsbild der Orte sind in Kapitel 3. schon in Zusammenhang erläutert worden. Diese führen zu einem kontinuierlichen Wandel der Ortsphysiognomie im Untersuchungsgebiet von Ost nach West von einer geschlossenen Siedlungsweise zur kompakten. Dieser Wandel ist zum Teil auf natürliche, zum Teil auf politisch-gesellschaftliche Einflußgrößen zurückzuführen. Von einer festen Bindung an klimatische Gegebenheiten kann meiner Meinung nach nicht gesprochen werden, zumal die traditionell kompakten Ortsformen in Nyeshang sich in neuerer Zeit aufzulösen scheinen.

Die Unterschiede zwischen Haupt- und Nebensiedlungen, permanent und saisonal bewohnten Orten sind naheliegend. Permanente Siedlungen sind für das Leben in allen Jahreszeiten ausgestattet mit umfangreichen Lagerräumen und häufig der Einteilung der Häuser in "Sommer- und Winterstockwerke". Bei den Nebensiedlungen tritt der "provisorische Charakter" (Kleinert, 1983, S.183) deutlich hervor. Gepflasterte Straßen, große, solide Häuser und aufwendige Wasserversorgungssysteme fehlen hier. Die Erscheinungsformen reichen von Zwischenalmen mit festen Häusern aus Lesesteinen bis zu temporär genutzten Zeltplätzen (z.B.: im Sabche-Lungpa). Die Variationen in der Physiognomie der Nebensiedlungen in Gyasumdo, Nyeshang und Thak-Khola sind abhängig vom jeweiligen Wirtschafts- (besonders Weide-) und Siedlungssystem (vgl.: 3.1.9., 3.2.9., 3.3.9.).

4.3. Ortsgröße

Die Größe der Dörfer ist zum Teil auf die beschränkenden Einflüsse des Reliefs zurückzuführen. Die Konzentration der Bevölkerung in größeren Orten bietet strategische Vorteile und erleichtert die politische Kontrolle und Organisation. Diese Vorteile können aber nur bei entsprechend günstigen Voraussetzungen der Naturraumausstattung, wie in Nyeshang und Thak-Khola, genutzt werden.

In Gyasumdo sind nur viele kleine Flächen zur Anlage von Siedlungen und Anbauflächen geeignet. Eine starke Bevölkerungskonzentration wird so unmöglich gemacht. Die Ausnahme bildet dabei Chame, das als Verwaltungs- und Handelsort mit Zentralitätsfunktion kaum auf Anbauflächen angewiesen ist und heute seine Bebauung in die frühere Feldflur ausdehnen kann.

Zu beachten ist, daß die Anlage eines Ortes selbst geringere Ansprüche an die Beschaffenheit des Geländes erhebt als die Anbauflächen, die für die Lebensfähigkeit einer vorwiegend agrarisch wirtschaftenden Siedlung elementar wichtig sind. Für das Untersuchungsgebiet spielen dabei Hangneigungen und Bodenbeschaffenheiten die wichtigsten Rollen.

Auch bei der Ortsgröße kann man also kaum von einer festen Bindung an bestimmte Naturraumgegebenheiten sprechen. Allenfalls ein beschränkender Einfluß des Reliefs ist erkennbar.

4.4. Siedlungslage

Die Lage der Siedlungen ist bestimmt von der Ausnutzung der positiven, siedlungsbegünstigenden Naturgegebenheiten und der Vermeidung von Nachteilen, die sich aus der spezifischen Ökologie des äquatornahen Hochgebirges und aus der Hochgebirgsnatur allgemein ergeben. Voraussetzung für die Anlage von Bauernsiedlungen ist die Verfügbarkeit günstiger Anbau- oder Weideflächen. Händlersiedlungen liegen vorzugsweise an den Kreuzungen der vom Relief vorgezeichneten Verkehrswege (z.B. Talmündungen: Thonje, Kagbeni) (Abb.1), am Fuß wichtiger Pässe und an Umschlagplätzen (Thonje).

Der Schutz vor Lawinen, Bergrutschen und Hochwasser ist ein wichtiger Faktor für die Standortwahl, aber auch der Schutz vor Überfällen. Dabei werden die Möglichkeiten des Reliefs für eine Schutzlage ausgenutzt (Spornlage, Gratlage).

In den trockenen Gebieten des Tibetischen Himalaja (z.B.: das obere Thak-Khola-Tal) ist bei der Anlage der Siedlungen die Möglichkeit zur Feldbewässerung Voraussetzung.

Um den Transportaufwand möglichst gering zu halten, liegen die Orte des Untersuchungsgebietes häufig auf halber Höhe in der Mitte der Felder (Foto 5,6,14,16,19,21), die sich meist über mehrere Terrassen erstrecken, in Nyeshang auch über den weiten Talboden und Moränenschultern. Bei dieser Verteilung der Felder über mehrere Niveaus müssen oft lange Fußmärsche in Kauf genommen werden. Um das zu vermeiden, werden in den weiter entfernten Feldfluren saisonale Siedlungen angelegt, die während der Aussaat und Ernte bewohnt werden, oft auch den Hirten während der Stoppelweide (in der Nacherntezeit) und der Zwischenweide (im Frühjahr und Herbst) (vgl.: 3.1.9.) als Unterkunft dienen (Foto 3).

Eine andere Form der Nebensiedlung zeigt der Ort Tal (1645 m) (Foto 1). Tal ist eine permanente Nebensiedlung von Naje (2164 m) und wurde angelegt, um die hier gelegenen Maisfelder zu bewirtschaften und zu bewachen (Gurung, 1980, S.240). Durch seine Lage am Hauptweg nutzt Tal heute auch den Tourismus als zusätzliche Einnahmequelle, was für das abseits gelegene Hauptdorf Naje nicht möglich ist.

Die Terrassenlage nutzt das geringe Gefälle der Terrassenfläche zur Anlage von Anbauflächen. Das gleiche gilt für die Lage auf den Schwemmfächern der Nebenflüsse. Hier sind die Anbauflächen leicht (vom Nebenfluß her) zu bewässern. Die erhöhte Überschwemmungsgefahr der aufschotternden Flüsse wird dabei unter Umständen in Kauf genommen, ist aber nicht, wie sich bei Kleinert der Eindruck ergibt (1983, S.180), generell gegeben, da sich im Untersuchungsgebiet viele Seitenflüsse rezent in ihre alten Schotterkegel einschneiden. Eine weitere Gefahr bringen die Muren, die häufig in den engen Tälern der Seitenflüsse abgehen und auf den Schwemmfächern auslaufen (Foto 7).

Verlandete Seen werden wegen ihrer ebenen Oberfläche gern zur Siedlungsanlage genutzt (z.B.: Tal) (Foto 1).

Die Lage der Orte und Anbauflächen ist also eng an die Naturraumausstattung gebunden. Hierbei spielen aber in jedem Teilgebiet der Untersuchung andere Umweltfaktoren die dominierende Rolle. In Gyasumdo ist dies das begrenzende Reliefangebot, in Nyeshang die Einstrahlungsverhältnisse und im oberen Thak-Khola die Möglichkeit zur Bewässerung der Feldflur. Die Lage der Orte und Anbauflächen stellt nicht die jeweils einzige Anlagemöglichkeit dar, aber die günstigste. Eine Abweichung von den oben genannten Verteilungsmustern würde für die Siedlung und ihre Bevölkerung entscheidende wirtschaftliche Nachteile zur Folge haben.

4.5. Anbauformen

Der Wechsel der Anbauformen im Untersuchungsgebiet läßt sich mit den abnehmenden Niederschlägen von West nach Ost korrelieren. In Gyasumdo finden wir reinen Regenfeldbau, in Nyeshang wird der Regenfeldbau von Dzuluk aus nach Westen hin immer stärker durch Zusatzbewässerung ergänzt, und westlich des Thorong-la wird Anbau nur noch im Bewässerungsfeldbau betrieben. Dabei bleibt ungeklärt, ob hier die Bewässerungswirtschaft zwingend ist, oder ob sie lediglich zur Ertragssteigerung genutzt wird. Da die heutige Bevölkerung des oberen Thak-Khola vom Tibetischen Hochland eingewandert ist, könnten sie das Wissen um die Methoden der Bewässerung mitgebracht und gewinnbringend genutzt haben (vgl.: Miehe, 1985, S.29).

Das von Miehe (1982, S.102-112) beschriebene Vegetationsbild spiegelt die in Nyeshang von Ost nach West zunehmende Trockenheit wider. "östlich der Sabche-Lungpa-Einmündung tritt der Anteil von Juniperus zurück und der Talgrund wie der Hangfuß sind von einem lichten Pinus wallichiana Koniferenwald besetzt" (Miehe, 1982, S.106). In der Nähe, in Dzuluk an der Mündung des Chheraji-Khola-Tales, findet man von Osten kommend auch die ersten Felder mit Zusatzbewässerung, die nach Westen hin bei allen permanenten Siedlungen auftreten.

Abhängig von der Anbauform ist auch die jeweilige Ausprägung der Anbauterrasse. Die Bewässerungsterrassen des oberen Thak-Khola sind sorgfältig nivelliert und von Wällen umgeben, um eine gleichmäßige Bewässerung zu gewährleisten. Die Anbauterrassen in Nyeshang und Gyasumdo, auch die mit Zusatzbewässerung, zeigen ein leichtes Gefälle. Umfriedungen bestehen aus Lesesteinmauern oder seltener Holzbohlen oder fehlen ganz. Im Gegensatz zu den Verhältnissen auf der Himalaja-Südabdachung, wo Hänge bis 37° Gefälle terrassiert werden, finden wir im Untersuchungsgebiet, abgesehen von jüngeren Rodungen, nur bis knapp über 20° geneigte Hänge durch den Terrassenbau genutzt.

Anbaufrüchte und Erntezahl/Jahr dagegen hängen in erster Linie mit der Höhe über NN zusammen. In Gyasumdo erlaubt das Klima drei Ernten in zwei Jahren, während in Nyeshang und dem oberen Thak-Khola nur einmal pro Jahr geerntet wird (Abb.5).

Allgemein kann man feststellen, daß Anbauformen, Feldfrüchte und Erntezahlen pro Jahr im Untersuchungsgebiet durch die Lage an den Wärmemangel- und Wassermangelgrenzen einem starken beschränkenden Einfluß der klimatischen Verhältnisse unterliegen.

4.6. Weide- und Siedlungssystem

Die Ausdehnung des Siedlungssystems über verschiedene Höhenstufen (Vertikalität) ist hochgebirgstypisch. Sie ist eine Folge der reliefbedingt horizontalen Einschränkung des Flächenangebots und der großen Höhenunterschiede, die eine Nutzung verschiedener geoökologischer Höhenstufen möglich machen. Dies führt zur Streuung der wirtschaftlichen Aktivitäten und zur Aufsplitterung des Siedlungssystems. Verschiedene Formen so entstehender mehrgliedriger Staffelsysteme beschreiben Kleinert (1983, Fig.3/II und 3/III) und Uhlig (1976, S.549-586) für den zentralen Himalaja. Die für das Untersuchungsgebiet typischen Verhältnisse unterscheiden sich in den drei Regionen und sind in den entsprechenden Kapiteln (3.1.9., 3.2.9., 3.3.9.) beschrieben worden.

Der zeitliche Ablauf der Siedlungs- und Wirtschaftsrhythmen wird im Untersuchungsgebiet durch Schneefall und Schneeschmelze, Wärmemangelgrenzen und Vegetationsperioden festgelegt. Die wirtschaftliche Nutzung der entferntesten Gebiete wird möglich durch den Handel, die Weidewirtschaft erlaubt die Nutzung relativ siedlungsferner Flächen und hochgelegener Höhenstufen. Der Ackerbau ist wegen des Transportaufwandes und der Notwendigkeit intensiver Bearbeitung auf eine gewisse Siedlungsnähe angewiesen, so daß eine Nutzungsverteilung in den Wirtschaftsflächen im Sinne der "Thünenschen Ringe" entsteht, die aber durch die Hindernisse des Reliefs und des Mikro- und Mesoklimas stark verändert sind.

Neben der vertikalen Staffelung des Siedlungssystems finden wir auch die horizontale Staffelung, und zwar durch die in einigen Gebieten (Gyasumdo, Nyeshang) starke winterliche Abwanderung auf die Südseite des Gebirges und die sommerlichen Handelsreisen auf die tibetische Hochebene.

Die Untersuchungsgebiete weisen mit der starken Gliederung der Siedlungssysteme eine hohe Mobilität der Bevölkerung auf, die für ganz andere Hochgebirgsräume (z.B.: Anden, Vorderasiatische Gebirge) in ähnlicher Weise zutrifft. Zu untersuchen wäre, ob die beiden Aspekte Siedlungsstaffelung und Bevölkerungsmobilität generell an den Grenzen der Ökumene zu finden sind und damit eine Regelhaftigkeit im Sinne der Fragestellung belegt werden kann. Die nomadischen und halbnomadischen Wirtschaftssysteme an den Kältegrenzen (Samen, Innuit) und den Trockengrenzen (Nomaden der Sahara und Zentralasiens) sind in erster Linie Ergebnis der Umweltanpassung und könnten damit eine "modifiziert deterministische" Betrachtungsweise rechtfertigen.

Andererseits finden wir im Untersuchungsgebiet gerade in den trockenen Gebieten des Thak-Khola ein wesentlich weniger differenziertes Siedlungssystem als in Gyasumdo und Nyeshang. Die Notwendigkeit der Bewässerungswirtschaft konzentriert die Masse der wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Umgebung des Hauptortes. Almwirtschaft und winterliche Wanderung sind hier weniger ausgeprägt. Vergleiche mit dem tibetischen Hochland zeigen, daß dort eine Art Symbiose zwischen den Wirtschaftssystemen der Oasenbauern und den nomadischen Wirtschaftssystemen besteht, die sich in vielfältigen Austauschbeziehungen äußert (Hermanns, 1949; Ekvall, 1968; Kleinert, 1983, S.184), ähnlich wie bei den Bauern und Nomaden an den Trockengrenzen Nordafrikas.

4.7. Handel

Der Tibethandel spielt, bzw. spielte, in der Wirtschaft der meisten Bhotia-Völker Nepals eine wichtige Rolle, so auch im oberen Thak-Khola und in Gyasumdo (Schweinfurth, 1965; Fürer-Haimendorf, 1975). Der allgemeine Mangel am Hauptnahrungsmittel Getreide in Tibet, ausgelöst durch die Begrenztheit der zum Getreideanbau zur Verfügung stehenden Flächen aufgrund Höhe und Trockenheit, steht ein Überfluß an tierischen Produkten (Wolle, Lebendvieh) und Salz gegenüber. Im subtropischen Himalaja-Vorland hingegen finden wir aufgrund der stark positiven Wasserbilanzen kaum Vorkommen von Salz und, in Hinsicht auf Feuchtigkeit und Temperaturamplitude begünstigt, Getreideüberschüsse, die mit 3 - 4 Ernten in 2 Jahren erzielt werden.

Der Handel bietet den Völkern des Himalajaraumes die Möglichkeit, die verschiedenen ökologischen Bedingungen der Landschaftszonen und Höhenstufen optimal auszunutzen und ist damit, das gilt zumindest für den Tibethandel im hier betrachteten Untersuchungsgebiet, letztlich eine Folge des planetarischen und hypsometrischen Formenwandels der natürlichen Umwelt (vgl.: Schweinfurth, S.245f.).

Inwieweit die Möglichkeiten des Reliefs die Handelswege und die Einflüsse von Klima und Relief die Handelsabläufe beeinflussen ist in den Kapiteln 3.1.10., 3.2.10. und 3.3.10. erläutert worden.

Die Handelswege sind eng an die begrenzten Möglichkeiten des Reliefs gebunden und der zeitliche Ablauf der Handelsaktivitäten ist in erster Linie auf klimatische Einflüsse zurückzuführen. Außerdem hängt die Wahl des Transportmediums, Mensch oder Tragtier, vom Ausbau und Zustand der Wege und damit indirekt von geomorphologischen und klimatischen Einflußgrößen ab.

4.8. Waldnutzung

Die Waldnutzung im Untersuchungsgebiet soll nicht näher untersucht werden. Die Einflüsse von Klima und Relief auf die Vegetation des Ökosystems Wald sind für das Untersuchungsgebiet in den vegetationsgeographischen und landschaftsökologischen Arbeiten von Schweinfurth (1957), Dobremez und Jest (1971) und Miehe (1982, 1985) schon erörtert worden. Entscheidende Einflüsse dieser Geofaktoren auf die Art der Nutzung sind nicht nachweisbar gewesen. Lediglich die Nutzungsintensität, generell mit höherer Siedlungsferne abnehmend, wird an vielen Stellen durch erschwerte Zugänglichkeit vom Relief modifiziert (Miehe, 1982).

Außer zu Brenn- und Bauholz wird der Wald auch zur Schneitelung von Futterlaub genutzt, sofern Laubbäume vorhanden sind. In Gyasumdo und Nyeshang wird die Nadelstreu, vorwiegend von Pinus, als Stallstreu verwendet und später mit dem Viehdung auf die Äcker aufgebracht (Miehe, 1985, S.27; Pohle, 1986, S.130). In Nyeshang wird zur Stallstreu auch Cupressus und Juniperus geschneitelt.

4.9. Religion

Auch der Einfluß der natürlichen Umwelt auf die Religion der Bevölkerung habe wurde nicht genauer untersucht. Daß es solche Zusammenhänge gibt, zeigen folgende Beispiele. So wird in Gyasumdo und Nyeshang u.a. den "Geistern der Erdrutsche" und der "tosenden Wasser" geopfert, und Muktinath, wo neben einer Quelle aus einer Erdspalte Gas austritt und in Flammen verbrennt, ist für Hindus und Buddhisten ein heiliger Ort, an dem die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft verehrt werden (Messerschmidt et al., 1980). Weiterhin werden die "unerreichbaren" Berggipfel als Sitz der Götter angesehen. Die eindrucksvolle, in Form eines Amphitheaters glazigen aus den Kalken des Naur-Himal herausgearbeitete glatte Wand oberhalb der Schlucht von Pisang wird von den Gurung als der "schwere und steile Weg in den Himmel" angesehen (Gurung, 1980, S.234).

4.10. Kulturlandschaftsentwicklung

Im Gegensatz zur positiven Bevölkerungsentwicklung in Gyasumdo (Pohle, 1986, S.123) scheinen sich Nyeshang und Thak-Khola in einer aktuellen Wüstungsphase zu befinden, zu erkennen an der hohen Zahl der Orts- und Flurwüstungen (Miehe, 1982, S.66ff., S.102ff.; Pohle, 1986, S.120-124).

Für die heutige starke Abwanderung in Nyeshang sind sicher die großen Handelserfolge der Nyeshang-ba im Himalaja-Vorland und den Städten der Südabdachung verantwortlich. Die Nyeshang-ba verlegen ihre wirtschaftlichen Schwerpunkte immer weiter auf den Handel und wählen als ganzjährige Standorte dazu oft die großen Städte Indo-Nepals.

Für die Wüstungserscheinungen des Thak-Khola-Gebietes gibt es keine gesicherten Erklärungen. Möglicherweise sind Klimaveränderungen mit Schneegrenzverlagerungen (Hagen, 1975, S.83; Miehe, 1982, S.33) dafür ausschlaggebend gewesen. Alle Wüstungen lassen sich damit allerdings nicht erklären. Miehe (1982, S.33) gibt eine "Schrumpfung des Bewässerungslandes um etwa ein Drittel" an. Die Abwanderung der Thakkali nach dem Niedergang des Tibethandels scheint das Thak-Khola-Tal im Bereich des Untersuchungsgebietes kaum zu betreffen.

 

5. Ergebnisse

In Kapitel 4. wurde im Gesamtzusammenhang dargestellt, inwieweit sich die untersuchten Kulturlandschaftselemente auf den Einfluß von Klima und Relief zurückführen lassen und ob man eher von einer festen, einer lockeren oder keiner Bindung an natürliche Faktoren sprechen kann. Daß in dieser Arbeit in allen Punkten mindestens eine lockere Bindung festgestellt werden konnte liegt sicher auch daran, daß für die Untersuchung gezielt die Teile der Kulturlandschaft ausgewählt wurden, bei denen eine Beeinflussung durch die natürliche Umwelt nahelag.

Feste Bindungen an die Naturraumausstattung ließen sich bei Hausform und Baumaterial feststellen, bei Siedlungslage, Anbauformen, Weide- und Siedlungssystem und Handel. Ortsform, Ortsgröße und Kulturlandschaftsentwicklung dagegen sind neben den natürlichen auch durch starke kulturelle Einflußgrößen geprägt. Ihr Erscheinungsbild im Untersuchungsgebiet ist daher mit einem "modifiziert deterministischen" Ansatz nicht zu erklären.


6. Abbildungen und Fotos

Foto 24 wurde im August 1986, alle anderen Fotos im Oktober bzw. November 1988 vom Verfasser aufgenommen.

Foto 1: Der Ort Tal von Süden. Im Vordergrund der Bergsturz aus der orographisch linken Talflanke, der den See aufstaute, auf dessen Sedimenten Ort und Feldflur von Tal heute angelegt sind.
Foto 2: Der Durchbruch des Marsyandy durch die Himalaya-Hauptkette. Durch das enge Kerbtal verläuft der Weg von Gyasumdo und Nyeshang auf die Südseite des Gebirges (von N).
Foto 3: Maisfelder auf einem Schwemmfächer zwischen Tal und Dharapani, Exposition SE. Die Gebäude werden zur Lagerung der Ernte und während der Stoppelweide als Hirtenunterkunft genutzt.
Foto 4: Der Ort Thonje an der Mündung des Dudh-Khola (von rechts) in den Marsyandi (von links), aufgenommen aus der Feldflur von Dharapani in Richtung NE.
Foto 5: Der Schwemmfächer von Bagarchap (von NW). Die Feldflur von Bagarchap überzieht den Schwemmfächer und die hier nicht sichtbaren unteren Terrassenniveaus. Auf einem höheren Terrassenniveau liegt der Ort Galanchok, dahinter die Anbauterrassen von Odargaon.
Foto 6: Der südexponierte Talhang ggü. Bagarchap mit dem Ort Taje (von WNW). Die Feldflur von Taje erstreckt sich über zwei Terrassenisch linken Talhang oberhalb der Felder ist stark degradiert.
Foto 7: Murenverschüttung in der Feldflur von Bagarchap (von SW). Am linken Bildrand der Ort.
Foto 8: Die Zwischenalm Temang (2700 m). In diesen festen Hütten leben die Hirten jeweils 2-3 Wochen im Frühjahr und im Herbst. Die Zwischenalmen liegen als Rodungsinseln im Waldgürtel der nordexponierten Talflanke. Die Bäume sind für Stallstreu und Futterlaub stark geschneitelt.
Foto 9: Das Gurungdorf Thanchok (2650 m). Wir finden hier Flachdachbauweise in hangparallelen Zeilen mit aufgeständerten Arbeitsplattformen vor dem im ersten Stock liegenden Wohngeschoß (von SW).
Foto 10: Die Nordflanke des Annapurna II mit der Flur von Pisang. Links das alte Dorf in Spornlage und kompakter Siedlungsweise. Am Hauptweg, auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses liegt "Lower Pisang", eine relativ junge Siedlung auf em unteren Terrassenniveau mit geschlossenem Siedlungsbild (von N).
Foto 11: Pisang, der östlichste Ort von Nyeshang (von SE). Das kompakte Ortsbild, in den Hangbereichen als Terrassensiedlung, löst sich zum Rand hin in eine jüngere, offenere Siedlungsweise auf.
Foto 12: Das typische Haus in Nyeshang, fotografiert in Lower Pisang.
Foto 13: Hirtenunterkunft auf einer Alm (4000 m) in Südexposition oberhalb Pisang (von N). Das transportabele Dach besteht aus Bambusmatten oder Plastikplanen. Im Hintergrund die Annapurna II Nordflanke.
Foto 14: Das Marsyandital von einem Rücken (4500 m) in der südexponierten Talflanke westlich von Ghyaru (von NW). Im Vordergrund Ghyaru (3673 m) mit seiner Feldflur, im Mittelgrund die Flur von Pisang.
Foto 15: Die Terrassensiedlung Ghyaru. Das Dach eines Hauses bildet im Idealfall die Terrasse des darüberliegenden (von SE).
Foto 16: Die Flur von Ngawal (3650 m) auf einer südexponierten Terrasse (von SE).
Foto 17: Der Ortseingang von Dzuluk (von N). Hier findet man, von Osten kommend, erstmalig bewässerte Felder (Bewässerungskanal in der Bildmitte). Die Felder sind hier mit Holz eingezelgt, welches aufgrund der geschützten Lage der Siedlung im Chheraji-Khola-Tal reichlich zur Verfügung steht.
Foto 18: Die Terrassensiedlung Braga (von SE). Die Lage am steilen, in Erdpyramiden aufgelösten Hang bietet strategische Vorteile. Die vernäßten Flachbereiche im Vordergrund dienen als Weiden.
Foto 19: Der Ort Manang (von WNW). Die kompakte Siedlung liegt in Südexposition auf einer Terrasse gegenüber dem Gangapurna-Nordgletscher, dessen Endmoräne am rechten Bildrand erkennbar ist. Die Feldflur zieht sich über mehrere Terrassenniveaus, wobei die Felder auf dem unteren Niveau bewässert werden.
Foto 20: Khangsar (3733 m), die höchstgelegene Siedlung des Untersuchungsgebietes (von E).
Foto 21: Das Becken von Muktinath (von SE). Der obere Bewässerungskanal trennt mit einer scharfen Linie die Feldflur von der Steppe, die als Schaf- und Ziegenweide genutzt wird. Im Mittelgrund ein Teil der Siedlung Purang, im Hintergrund Siedlung und Festung von Jhong.
Foto 22: Stauteich im Becken von Muktinath, östlich von Purang (von SE).
Foto 23: Jharkott in Spornlage über der Schlucht des Jhong-Khola (von E).
Foto 24: Häuser von Jharkott, typisch für diesen Teil des Untersuchungsgebietes.
Foto 25: Jharkott. Im Vordergrund das Dach eines im Thakkali-Stil gebauten Hauses mit Innenhof.
Foto 26: Die Feldflur von Kagbeni auf einem unteren Terrassenniveau des Jhong-Khola an der Talmündung in den Thak-Khola (von ESE). Im Vordergrund sind die Anbauterrassen einer Flurwüstung noch gut zu erkennen.
Foto 27: Kagbeni an einer Talengstelle des Thak-Khola (von S).
Foto 28: Die Bewässerungsoasen von Dangarjong und Phalla von einem Rücken im SE der beiden Siedlungen. Das Bewässerungswasser wird durch die Schlucht in der linken oberen Bildecke herangeführt.
Foto 29: Kompakte Bauweise mit engen Gassen in Dangarjong.

 


 

7. Literatur und Karten

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7.2. Karten:

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DOBREMEZ,J.F., JOSHI,D.P. (1984): Carte Écologique du Népal IX. Région Butwal - Mustang 1 : 250 000.- Cahiers Népalais Documents. Paris.

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HAGEN,T. (1968): Geological Map of the Thak-Khola, 1 : 200 000.- In: T.Hagen: Report on the Geological Survey of Nepal. Bd.2: Geologie of the Thak-Khola. Zürich.

KUHLE,M. (1982): Geomorphologische Karte des Dhaulagiri- und Annapurna-Himalaya.- In: M.Kuhle: Der Dhaulagiri und Annapurna-Himalaya. Ein Beitrag zur Geomorphologie extremer Hochgebirge. Zeitschr. f. Geomorphologie, Suppl. 41. Berlin.

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Trekking Map "Around Annapurna, Annapurna Sanctuary and Kali Gandaki" 1 : 100 000, Nepal Police Mountaineering and Adventure Foundation. 1984. Kathmandu.


Fußnoten:

1)Unter "modifiziertem Geodeterminismus" soll eine Betrachtungsweise verstanden werden, die an den Grenzen der Ökumene die Einflüsse der naturräumlichen Ausstattung untersucht, die über die Bewertung und Nutzung durch den Menschen die Ausprägung bestimmter Teile der Kulturlandschaft prägen, die von sozio-kulturellen und politisch-wirtschaftlichen Faktoren lediglich leicht abgewandelt, modifiziert werden. Dabei wirkt nicht die reale Umwelt direkt auf die Kulturlandschaft, sondern über das "kognitive Milieu" (Hard, 1982, S.105) des Menschen, der die positiven und negativen Umweltfaktoren bewertet und danach seine Kulturlandschaft gestaltet (vergl.: Neef, 1967; Degenhardt, 1980, S.32-35).

2)Ausnahmen bestehen in der Nutzung durch Nomaden und nichtseßhafte Jäger und Sammler (Nitz, 1976, S.11f.), deren Aktivitäten aber kaum als kulturlandschaftsprägend angesehen werden können.

3)Der Begriff Zone soll hier nicht als Einheit des planetarischen Formenwandels verstanden werden, sondern als unterschiedlich breiter Streifen an der Grenze der Ökumene.

4)Aus der starken Kammerung des Hochgebirgsraumes resultiert eine große Sprachenvielfalt. Das führt dazu, daß geographische Elemente wie Orte, Flüsse, Täler etc. oft mehrere Namen tragen, die synonym benutzt werden. Bei der jeweils ersten Erwähnung eines Eigennamens sind deshalb eventuell weitere Bezeichnungen in Klammern angegeben.

In der Schreibweise, die in unterschiedlichen Veröffentlichungen stark voneinander abweicht, halte ich mich an die in den Karten des Survey of India, One Inch to One Mile (1958-67) benutzten Bezeichnungen.

Die Höhenangaben sind für das Untersuchungsgebiet je nach Autor verschieden. Die meisten Höhenangaben dieser Arbeit sind ebenfalls den Karten des Survey of India entnommen und durch eigene Messungen ergänzt. Der Höhenmesser wurde jeweils auf die in den Karten des Survey of India angegebenen Höhenwerte geeicht.

5)Diese geoökologische Nomenklatur (nach Schweinfurth, 1957, S.69 in Anlehnung an Hooker u. Thompson, 1855) bezeichnet zum einen die inneren Becken und Hochtäler, die gegenüber dem sommerlichen Monsun im Lee der Hauptketten liegen, und dadurch weit weniger Niederschlag erhalten als die extrem stark beregneten Südabdachungen des hohen Himalaja (als inneren), zum anderen Gebiete, die am Rand des kontinental-ariden tibetischen Hochlandes liegen, und in denen es aufgrund der Trockenheit kaum noch zur Ausbildung von Wäldern kommt (als tibetischen Himalaja).

6)Als Klimadaten stehen lediglich die Messungen von Chame, Manang, Ranipauwa (bei Muktinath) und Jomosom (Abb.2) zur Verfügung. Die Distanzen zwischen diesen Stationen sind für die starke klimatische Differenzierung eines Hochgebirges viel zu groß, um exakte Aussagen zu treffen. Außerdem stellen die Meßwerte lediglich die Verhältnisse am Talboden dar, die von denen der Talhänge stark abweichen können. Bei der Beurteilung des Klimas, besonders des Mesoklimas, ist man deshalb auf weniger genaue Hilfsmittel wie Schlußfolgerungen aus dem Vegetationsbild und Einzelmessungen von Expeditionen angewiesen.

7)Der Begriff Hochgebirge "bezieht sich" im Sinne dieser Arbeit "nicht auf ein einzelnes orographisches, klimatisches oder morphologisches Element, sondern auf den gesamten Landschaftscharakter, also ... auf das Zusammenspiel der klimatischen, geomorphologischen, bodenkundlichen, hydrologischen und biologischen Elemente, auf den Landschaftshaushalt und die Landschaftsökologie" (Troll, 1955, S.146).

8)Ein Teil dieses Fragenkatalogs entspricht den in der Abb.4 dargestellten Sachverhalten.

9)Unter dem Begriff Ortsbild verstehe ich hier das äußere Erscheinungsbild des gesamten Ortes, also auch die Ortsform.

10)Einen Sonderfall stellt der Ort Tal (nepali = See) (Foto 1) dar, wo ein interglazialer Bergrutsch aus der orographisch. linken Flanke das Kerbtal verriegelte und es so zur Bildung eines Absperrsees kam. Die darauffolgende Ablagerung von limnischen Sedimenten schuf die Grundlage für die heutige Ebene von Tal (1650 m h. NN), die mit einer Neigung von 2E-4E auf den Bergsturz eingestellt ist. Auf dieser Ebene liegt der Ort Tal und die dazugehörigen Anbauflächen. Rezent schneidet sich der Fluß wieder in der Schotterkörper und das Bergsturzmaterial ein.

11)Die Temperaturwerte sind hier geprägt durch eine geringere Höhe über N.N., den dominierenden Einfluß des subtropischen Monsunklimas über die Auswirkungen der nach Norden zunehmenden Kontinentalität, aber auch durch einen höheren Anteil an diffuser Strahlung, wiederum abhängig von Meereshöhe und Luftfeuchtigkeit, die die Auswirkungen der Expositionsunterschiede gering hält.

12)Die Ausnahme bildet Chame. Als Verwaltungszentrum des Manang-Distriktes zeigt dieser Ort wirtschaftlich, politisch, technologisch und ethnologisch ein derart verfremdetes Bild der für Gyasumdo typischen Verhältnisse, daß der Ort nicht weiter in die Untersuchungen mit einbezogen wird. Da er die gewünschten Voraussetzungen eines gleichmäßigen Technologiestandarts des Untersuchungsgebietes nicht erfüllt, würde er das Ergebnis der Untersuchung verfälschen. Der gewaltige Ausbau Chames, nach Verlegung der Verwaltung von Thonje hierher, kann nicht mehr als ökologisch und kulturell angepaßt gesehen werden. Die Anwendung von moderner Betonbauweise und elektrischer Energie sowie die Einkommens- und Beschäftigungsstruktur der Bevölkerung hebt sich signifikant von allen anderen Siedlungen Gyasumdos ab. Chame ist als Verwaltungs- und Handelsort mit Zentralitätsfunktionen nicht auf Anbauflächen angewiesen und hat heute seine Bebauung in die frühere Feldflur ausgedehnt.

13)Die Untersuchung von Sangda wäre wahrscheinlich eine interessante Bereicherung der vorliegenden Arbeit geworden, konnte aber aus politischen Gründen nicht durchgeführt werden.

14)Die Gletscher und perennierenden Schneeflecken des Thorongtse und Deriatse liefern das ganze Jahr über genügend Schmelzwasser ins Muktinath-Becken.

15)Siehe Fußnote 12