Kleiner Himalaya - Knigge
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Artikel von Jürgen Kipfer, Fotos Andreas Happe

Letzte Änderung: 20.02.2013

Tatopani

Himalaya-Knigge
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Wenn auch die Gastfreundschaft im Himalaya sehr hoch eingestuft wird, sollte man sich als Tourist doch an gewisse Grundregeln halten. Ein indisches Sprichwort sagt: "Fremde sind den Göttern gleich". Mag sein, aber einige Touristen benehmen sich so daneben, dass sie doch eher aus der Unterwelt zu kommen scheinen.

Es ist nicht schwer, sich im Himalaya Freunde zu schaffen; ein freundliches Lächeln, in Nepal und Indien "Namaste", im Tibet "Tashi delek", in Ladakh "Jullay" und man ist dabei. Wenn einem dann noch eine alte Tibeterin die Zunge rausstreckt, so weiss man, dass man willkommen ist.

BeniEine gewisse Zurückhaltung schadet auch nie. Wenn ein Westler versucht, sich in eine "Hindus only" - Stätte hinein zu schmuggeln, so ist dies nicht nur sehr pietät - und geschmack­los, es kann dabei auch Prügel absetzen. Wer das nicht versteht, sollte sich mal überlegen, was man im Westen mit einem kameraschwingenden Farbigen oder Japaner machen würde, der sich auf einem Friedhof in eine Beerdigung drängt!

Wenn man ein Geschenk entgegen nimmt oder übergibt, dann tut man das immer mit der rechten Hand oder noch besser mit beiden Händen. NIE mit der linken Hand, die gilt als unrein.

Löchrige T-Shirts und Shorts sind Zeugen schlechten Geschmacks. In vielen Tempeln und andern Sehenswürdigkeiten wird solcherart Gekleideten der Zutritt verwehrt.

Die Religion spielt im Himalaya eine grosse Rolle. Sie wird dort gelebt , nicht nur am Sonntagmorgen. Als Tourist sollte man den Religionen Respekt entgegenbringen; das bedeutet, einen Tempel betritt man nie mit Schuhen; vor dem Eintritt in ein Hindu-Heiligtum muss man alles Lederne, Gürtel, Taschen etc. abgeben. Eine Kuh gab Gott Krishna als Kleinkind Milch und wärmte es - daher sind den Hindus die Kühe heilig. Wenn man sich in einem Haus oder Tempel hinsetzt, so achte man darauf, dass die Fuss-Sohlen nicht gegen den Gastgeber, oder, in einem Tempel, gegen den Altar oder die Götterbilder zeigen. Der Lotussitz ist nicht jedermanns Sache, aber irgendwie findet man schon eine Sitzstellung. Auch sollte man nie zu nahe an Altäre, Götterbilder oder Statuen gehen. Der feuchte Atem schadet diesen, genau so wie die Blitzlichter, welche übrigens in vielen Tempeln verboten sind.

Gebetsfahnen und Manisteine am Wegrand sind keine Souvenirs (als solche kann man sie in den Städten kaufen), sondern stellen Opfergaben von Gläubigen dar, welche dafür oft sehr viel Geld ausgegeben haben. Opfergaben mitzunehmen ist gleichbedeu­tend mit Grabschändung.

An Heiligtümern - Tempeln, Stupas, Manimauern usw. - geht man immer links vorbei. Beim Umrunden läuft man im Uhrzeigersinn. Alles auf der Welt dreht sich im Uhrzeigersinn, die Erde um sich selbst und um die Sonne, die Elektronen um den Atomkern, und die Buddhisten glauben, selbst das ganze Universum.

Man steige nie über einen am Boden Liegenden hinweg und man stelle sich auch nie zwischen einen Gläubigen und ein Heiligtum.

Wenn Kinder betteln, so lächle man freundlich und gehe weiter. In einem kleinen Dorf ausserhalb Kathmandu hängt ein grosse Schild mit der Aufschrift: Beware our pride, don't support begging (unterstützen Sie die Bettelei nicht, lassen Sie uns unseren Stolz). Wenn es auch manchmal schwer fällt, einem hübschen Kind einen Wunsch nach einem Bleistift, Bonbon oder einer Rupie abzulehnen, man tut diesen Kleinen keinen Gefallen, wenn man ihnen etwas schenkt. Ein Kind mit einigermassen Begabung für's Betteln verdient am Tage womöglich mehr, als sein hart arbeitender Vater. Warum sollte es also lernen, zu arbeiten. Wer wirklich etwas geben will, es finden sich in allen Städten genügend Bedürftige, denen es schlecht geht - Gebrechliche, Alte, Kranke; diese Leute haben sehr schlechte Karten. Auch Fotos gegen Geld sollte man unterlassen, denn auch das ist Bettelei.

Im Himalaya vermischen sich urtümliche Religionen, welche wir überheblich als Aber­glauben abtun, mit den Hauptreligionen in einer Weise, dass es oft unmöglich ist, zwischen dem einen und dem andern zu unterscheiden. Aber wir haben diese Sitten und Gebräuche zu respektieren, so wie die Himalaya-Bewohner auch unsere Religion respektieren.

Im Übrigen, geniessen Sie ihren Aufenthalt, schauen und hören sie, seien sie freundlich und man wird freundlich zu ihnen sein, nehmen sie sich einmal nicht zu ernst und lassen sie die Seele baumeln.

Eine Bitte, welche die Himalaya-Bewohner an uns richten: Nimm nichts nach Hause ausser Fotografien, Erinnerungen und gekaufte Souvenirs, hinterlasse nichts als Deine Fussabdrücke .

(von Jürgen Kipfer)

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