Gedanken zum Tourismus im
Himalaya
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Text: Jürgen Kipfer, Fotos: TrekkingGuide.de

(Letzte Änderung: 22.11.2011 )

Tourismus in Nepal

Tourismus im Himalaya
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... von Jürgen Kipfer

Der Tourismus ist heute für viele Länder von grosser Wichtigkeit. Wie wichtig er ist, ersieht man unter anderem daran, dass sich 1998 die Ausgaben für Tourismus weltweit auf über 500 Mrd. US-Dollars beliefen.. Es ist auch kein Ende der Tourismus-Welle abzusehen, denn unsere Gesellschaft hat immer mehr Freizeit. Stand früher ein höheres Einkommen im Vordergrund, wünscht die heutige Gesellschaft eher mehr Freizeit. Ein weiteres Merkmal ist die Zunahme des stand-by-Tourismus. Man plant immer weniger langfristig, so dass man sich vorbereiten könnte, sondern spekuliert auf last-minutes-Schäppchen

Der Tourismus hat positive und negative Aspekte, d.h. er beeinflusst die bereisten Länder mehr oder weniger stark, je nach Abhängigkeit von diesem Erwerbszweig. Der Nepalische Wissenschaftler Kamal Kumar Shresta drückte es einst so aus:" Der Tourismus ist eine Gans. Sie legt zwar goldene Eier, aber manchmal verschmutzt sie auch ihr Nest."

Tourismus ist für viele Länder die einzige Chance, ich denke dabei speziell an die Himalaya-Länder Nepal und Ladakh. Wenn wir heute, aus was für Gründe auch immer, den (Flug)-Tourismus ablehnen, bricht in diesen Ländern der Tourismus und damit praktisch der gesamte Finanz-Haushalt zusammen. Abgesehen davon, dass auch bei uns der Tourismus sehr stark von Leuten abhängig ist, welche mit dem Flugzeug und nicht zu Fuss in unser Land reisen.

Machen wir uns doch ein paar Gedanken über die Auswirkungen des Tourismus, d.h. suchen wir eine Antwort auf die Frage, ob der Tourismus gut oder schlecht ist.

Die positiven Aspekte des Tourismus

- er bringt Devisen für das besuchte Land, und es werden Arbeitsplätze geschaffen

- es gibt eine Diversifikation, was speziell in Entwicklungsländern, wo

der Grossteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitet, wichtig ist

- andere Wirtschaftszweige werden stimuliert, z.B. Herstellung v. Souvenires, Gastgewerbe, Kleingewerbe

- die regionale Entwicklung wird gefördert

Die negativen Aspekte

- die Arbeit ist oft nur saisonal

- wenn z.B. Lebensmittel aus dem Ausland gekauft werden, oder Hotels mit ausländischem Personal arbeiten, fliesst ein Grossteil der Devisen aus dem Land zurück

- oft keine Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten

- Gefahr der Monostrukturierung, neg. Beispiel Moçambique, z.T. auch Nepal

- Fremdbestimmung durch ökonomische Abhängigkeit

filmender Sherpa in MustangAuswirkungen im sozialen, kulturellen Bereich

- Zerstörung von sozialen Strukturen, Wertesystemen, Normen. (Dafür können die Touristen meist nichts)

- Beeinflussung von Traditionen, Sitten und Gebräuchen, speziell auch durch Sex-
Tourismus und durch aufdringliche, ungebildete, nicht angemessen bekleidete Besucher und

schlecht ausgebildete, arrogante Reiseleiter
- Gesundheitliche Gefährdung der Reisenden und der Bereisten
- Keine echte Volksverständigung
- Keine Mitsprache der Bevölkerung bei grossen Projekten

Auswirkungen im ökologischen Bereich

- Die Erstellung der Infrastruktur führt zu einer Verschandelung der Landschaft.

- Der Druck auf die letzten natürlichen Reservate wächst. Lärm, Schmutz, Abgase

- Ressourcenverbrauch (Wasser, Holz, Energie), speziell auch durch die immer grösser werdenden Reisedistanzen.

•  Beeinträchtigung von Fauna und Flora und Eingriffe in den Bodenhaushalt

Tourismus ist eine Industrie, wie manch eine andere mit positiven und negativen Seiten. Doch kann man die negativen Auswirkungen stark verringern, wenn man gewisse Grundregeln berücksichtigt und einen "sanften Tourismus" betreibt.

Doch was ist sanfter Tourismus? Hier eine kleine Gegenüberstellung:

HARTER TOURISMUS

Massentourismus

Wenig Zeit

Schnellstes Verkehrsmittel

Volles Programm

Aussengelenkt

Importierter Lebensstil

Knipsen, Ansichtskarten

Shopping

Keine Sprachkenntnisse

Keine Landeskenntnisse

"Weitgereiste" Reiseleiter

last-minute Reisen

Verschenken von Unsinn an bettelnde Kinder

Mit Shorts religiöse Stätten besuchen

Wohnen in modernsten Hotels

Ausländische Personal im Hotel

Reisebüro mit eigener Niederlassung

SANFTER TOURISMUS

Kleine, organische Gruppen

genügend Zeit

Zu Fuss, entschleunigt

Flexibilität

Inneres Streben

Lokale Lebensmittel

Fotografieren, Malen, Zeichnen, Kontakt mit der Bevölkerung

Souvenir vom lokalen Handwerk

Wenigstens rudimentäre Sprachkenntnisse

Vorbereitung auf fremde Kultur

Auf spezifische Länder (-gruppen) spezialisierte, gut ausgebildete Führer

gut vorbereitet auf Reisen

Unterstützung z.B. von Leprastationen, Schulen, Krankenhäusern etc.

Respektieren der Landessitten

Hotels in Stil des Landes

Einheimisches Personal

Reisebüro hat lokalen Agenten, Partizipation

Die Liste ist nicht komplett und stellt auch keine Werteskala dar. Wer sich vor einer Reise gedanklich ein wenig mit dem zu besuchenden Land auseinander setzt, hat schon viel getan.

Die fünf Aspekte des sanften Tourismus :

•  Umweltverträglichkeit,

•  Sozialverantwortlichkeit

•  Optimale Wertschöpfung des besuchten Landes

•  Optimale Erholung der Teilnehmer,

•  Wertewandel, politische Veränderungen

Befragungen haben ergeben, dass viele Reisende durchaus bezüglich der Aspekte des sanften Tourismus ansprechbar sind. Aber : tun sie auch was ? Ein weiterer Punkt : Soll man überhaupt in fremde Länder fahren, oder soll man nicht? Die Antwort lautet : MAN SOLL, aber sanft.

Verbesserungen sind nur in kleinen Schritten möglich und bedingen eine entsprechende Unternehmungskultur der Reiseveranstalter. Die Reiseveranstalter tragen eine grosse Verantwortwortung. Eine der vornehmsten Pflichten ist die Ausbildung der Reiseleiter im Hinblick auf sanften Tourismus, sowie auch das Einhalten einiger elementarer Regeln.

Was können Reisende tun? Sie können, zum Beispiel, "ihr" Reisebüro unter den Aspekten "Harter Tourismus/Sanfter Tourismus" prüfen und sich dann für einen Reiseveranstalter entschliessen, welcher den sanften Tourismus betreibt. Reisebüros, welche sich nicht an elementare ethische Normen halten, gehören an den Pranger.

Einen guten Eindruck hinterlassen

Warum reisen Leute? Wahrscheinlich gibt es darauf soviele Antworten, wie es Reisende gibt, aber eines ist sicher - die meisten Leute fangen an zu begreifen, dass Reisen sowohl bei den Reisenden, wie auch bei den Bewohner der bereisten Länder, Eindrücke hinterläßt, hoffentlich positive.

Viele Reisende haben heute ein Interesse an den bereisten Ländern, und viele Leute befassen sich auch mit den diversen positiven und negativen Seiten des Tourismus, wie Eingriffe in die Natur und Kultur, daneben aber auch Entwicklungshilfe. Es wurde in Tourismuskreisen das Wort "verantwort­ungsbewusster Reisender" geschaffen. Was zeichnet einen verantwortungsbewussten Reisenden aus? Er versteht, dass die Kulturen und Wertschätzungen in allen Ländern verschieden sind. Er versteht, dass man in einem besuchten Land nichts hinterlassen soll, als seine Fussspuren und nichts mitnehmen soll als Eindrücke und Fotos, eventuell auch gekaufte Souvenirs. Ausserdem stellt er sich auch gelegentlich die Frage, inwieweit er mit seiner Anwesenheit und seinem Benehmen das Leben im besuchten Land negativ beeinflusst. Zumindest aber befasst er sich mit den folgenden Fragen :

Warum bin ich hier?

Es gibt viele gute Gründe, den Himalaya zu bereisen; Trekking, Kultur, ein Hauch von Abenteuer, die Berge und speziell die Leute im Himalaya.

Was weiss ich über das Land?

Je besser man sich vorbereitet, geistig, aber auch, indem man sich über Land und Kultur informiert, um so grösser und nachhaltiger ist der Eindruck, den man mit nach Hause nimmt.

Hat die einheimische Industrie etwas von meinem Besuch?

Falls die touristische Infrastruktur gänzlich oder zu einem grossen Teil vom Ausland abhängt, sollte man das Reisen in diesen Ländern unterlassen. Reisen, speziell im Himalaya, sollte auch eine gewisse Entwicklungshilfe beinhalten, d.h. die einheimische Industrie und das einheimische Gewerbe sollten auch davon profitieren.

Was für einen Einfluss hat mein Besuch auf die Ökostruktur des Landes?

Sich in wasserarmen Gegenden täglich zu duschen, zeugt von wenig Respekt vor dem Lande. Auch man sollte darauf achten, möglichst keine schädlichen Abfälle zu hinterlassen.

Wie zeige ich meinen Respekt für die Kultur des Landes?

Zum Beispiel dadurch, dass ich versuche, etwas von der Sprache des Landes zu lernen. Im Himalaya ist das zwar nicht ganz so einfach, aber überall auf der Welt versteht man ein freundliches Lächeln, und ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass eine Frage auf schweizerdeutsch, freundlich und mit einem Lächeln gestellt, verstanden wurde - zum Beispiel wenn man jemanden fotografieren will. Davon abgesehen ist es leicht, wenigstens die elementaren Grussworte wie "Namaste" oder "Tashi delek" oder "Jullay" zu lernen.

Aber auch sonst sollte man sich etwas mit dem Land befassen. Es gibt bei uns über praktisch jedes Land und jede Gegend sehr gute Reiseliteratur.

Es verlangt vielleicht etwas an Anstrengung, wenn man ein verantwortungsbewusster Reisender sein will, aber man erhält sehr viel zurück. Die Eindrücke sind tiefer, die Erlebnisse reicher, und wenn man sich sagen kann, dass man etwas positives für das bereiste Land getan hat, so ist die Befriedigung umso grösser. Rechtes, verantwortungsvolles Reisen, hilft dem Land und es hilft auch der Welt.

Lassen wir doch auch die Leute im Himalaya an unserem Wohlstand teilhaben.

 

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