La Raya Pass
Peru-Reisebericht

Wandern - Trekking - Radfahren - Kanutouren

Bericht einer Reise von Lima über Nasca, Arequipa, Colca-Tal, Titikakasee, Cusco, Urubambatal, Inkatrail nach Machu Picchu mit Reiseveranstalter Wikinger Reisen.
Letzte Änderung: 17.12.2013

Peru Reisebericht

Peru - Rundreise mit Inka Trail vom 3. bis 23. August 2002

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de

Peru!!! Das klingt zu aller erst nach Inkas, nach Machu Picchu, nach den hohen Bergen der Anden, nach dem Titicacasee, nach Meer und Wüste, nach alten Kulturen, nach Weite und Landschaft pur, nach Traumstraße der Welt, nach Pisco, nach ... nach.... nach...........

All diese nachs wollte ich schon immer aufsuchen, und so sitze ich da, wälze Reisekataloge und träume vom fernen Land. Schließlich fällt die Entscheidung für eine Wikinger Reise nach Peru mit Erwanderung des Inka Trails nach Machu Picchu.

1. Tag: So kommt es, dass ich am Samstag den 3. August in aller Frühe um 5:00 Uhr in Frankfurt auf dem Flughafen sitze und laut Teilnehmerliste auf 4 weitere Mitreisende warte. Es finden sich auch recht schnell Silke und Dieter ein. Mit Heinz und Thomas finden wir erst während des Fluges nach Amsterdam zusammen. Nach einer Stunde Flug ist großes kennen lernen in Amsterdam am Abfluggate der KML nach Peru angesagt. Insgesamt sind wir 15 Personen einschließlich Reiseleiter. Eine Mutter mit Tochter werden erst in Lima zu uns stoßen. Unter den Mitreisenden treffe ich auch auf Aly, meinen Luxemburger Kollegen, mit dem ich schon einige Reisen unternommen habe, und der auch dieses Mal mit mir Zimmer und Zelt teilen wird.

Mit 1 Stunden Verspätung wegen eines Computerfehlers im Cockpit starten wir nach Peru durch. Der Flug verläuft ruhig, er soll 14 Stunden dauern, und wir versuchen, uns etwas näher kennen zu lernen. In Aruba in der Karibik ist eine Zwischenlandung vorgesehen. Wir müssen alle das Flugzeug verlassen. Warum wissen wir nicht. Man lässt uns gerade soviel Zeit auf einem vorgegebenen Weg einmal um einen Block im Flughafen zu laufen; allerdings nicht ohne noch einmal einen Sicherheitscheck mit uns durchzuführen. Anschließend geht es direkt wieder ins Flugzeug und weiter nach Lima, das wir nach über 14 Stunden Flugzeit erreichen. Bei der Gepäckausgabe hört man richtig, wie unserem Reiseleiter ein Stein vom Herzen fällt, als kein Gepäckstück fehlt. Wir tauschen noch Geld, und im bereitstehenden Bus geht es durch Limas Slumbezirke zum Hotel im besseren Vorort Miraflore, wo wir gegen 21:30 Uhr eintreffen. In Deutschland ist es jetzt schon 4:30 Uhr am Morgen. Unsere zwei noch fehlenden Mitreisenden sind auch schon da. Wir machen noch kurz eine Vorstellungsrunde im Hotel und stellen fest, dass unter uns sechs Lehrer und zwei fast Lehrer, nämlich Erzieherinnen sind. Drei Personen kommen aus Luxemburg, der Rest ist über Deutschland verteilt. Wir werden noch mit den wichtigsten Gegebenheiten für Peru bekannt gemacht, kein Leitungswasser trinken, kein gebrauchtes Toilettenpapier in die Toilette werfen (das verkraftet die Spülung nicht), gut auf unsere Wertsachen aufzupassen (wo muss man das nicht?), und fallen dann todmüde ins Bett.

2. Tag: 6:00 Uhr aufstehen, das fällt wegen der Zeitverschiebung nicht schwer. Man ist sowieso wach. 7:00 Uhr Frühstück, 8:00 Uhr Abfahrt mit dem Bus. Zwischendurch gehen ein paar von uns noch zu einem Supermarkt, um sich mit Getränken und etwas zu Essen für den Tag einzudecken. Der Supermarkt unterscheidet sich kaum von europäischen, aber wir sind ja auch in Lima. Wir verlassen Lima und erreichen etwas außerhalb der Metropole die Ruinen von Pachacamac. Hier gibt es den ersten Halt. Wir haben eine geführte Tour durch San Francisco, Limaden Ruinenbereich und zücken zum ersten Mal unsere Kameras. Das Wetter ist für die Winterzeit typisch für den Küstenbereich. Es ist diesig, neblig, wie bei uns im November. Allerdings ist es nicht kalt. Man hat nur halt kein schönes Fotografierwetter. Aber im Winter gilt für Peru; gutes Wetter in den Bergen, Nebel an der Küste. Im Sommer ist es dann umgekehrt. Nach Pachacamac fahren wir die Küstenstrasse entlang bis Pisco. Wir wundern uns, aus welch elendigen Hütten die uns begleitenden Ortschaften bestehen. Sie liegen in einer wüstenhaften Gegend, meistens nicht weit vom Meer entfernt. In Pisco beziehen wir das Hotel Rigidor. Ich habe mir ein Hotel außerhalb von Lima schlechter vorgestellt, aber einige der Gruppe sind doch etwas irritiert. Es liegt mitten in der Stadt, und vom Zimmerfenster hat mein einen ungetrübten Blick auf die sehr gewöhnungsbedürftige Umgebung, in der die Menschen leben. Am Nachmittag fahren wir von Pisco auf die Paracashalbinsel, um in einem kleinen Museum etwas über die Paracaskultur zu erfahren. Danach geht es in das gleichnamige Naturschutzgebiet und an die Küste zur Natur und Tierbeobachtung. Abends haben wir ein gemeinsames Abendessen in einem sehr guten Fischrestaurant in Pisco. Es spielt auch eine Musikgruppe auf. Anschließend verkauft sie CDs und sammelt einen Obolus ein.

3. Tag: Nachts habe ich Kopfschmerzen bekommen. Wir stehen wieder sehr früh auf, denn nun geht es mit einem Boot zu den Ballestas Inseln vor der Küste, in ein Tierparadies, das auch "Galapagos des kleinen Mannes" genannt wird. Die Tausende von Vögel, Robben, Pinguine und sonstigen Meeresbewohner sind sehr beeindruckend und verbrauchen einiges an Filmmaterial. Die Rückfahrt verschlafe ich durch das angenehme Schaukeln des Bootes. Danach verschwindet auch mein Kopfweh. Jetzt geht es mehrere Stunden durch die Wüste nach Nasca. Dort suchen wir erst mal außerhalb des Ortes einen Guide für den Besuch des Friedhofs von Chauchilla aus der Vorinkazeit. Es erstaunt uns schon, was für Wege der Bus schafft. Auf dem Friedhof hat man Tausende von Mumien ausgebuddelt, beraubt und in der Landschaft liegen lassen. Sie geben einen fotogenen Vordergrund vor den Bergen ab. So steht es zumindest im Reiseführer. Man hat das Gebiet aber vor ein paar Jahren aufgeräumt, und nur noch einige Grabkammern mit Mumien wieder hergestellt. Trotzdem liegen überall Knochenreste herum. Dann geht es zum kleinen Flughafen von Nasca. Wir wollen über die berühmten Nascalinien fliegen die man nur aus der Luft richtig erkennen kann. Leider müssen wir einige Zeit warten, bis wir starten können. Die Zeit vertreiben wir uns mit Tischfußball. Als ich endlich mit Aly und Dieter an die Reihe komme, geht es schon auf 5:00 Uhr zu, und es wird langsam diesig, so dass der Pilot beschließt, den Rückflug etwas zu verkürzen, was uns nicht gefällt, denn zum Fotografieren ist das Licht ausreichend. Deshalb übersehen wir auch den dreisprachigen Hinweis an der Sonnenblende "Trinkgeld ist willkommen". Leider kommen die letzten drei der Gruppe nicht mehr zum Start, obwohl es das Wetter noch zuließe. Uns wird versprochen, morgen dafür die ersten zu sein. Nun geht es in das Hotel de la Borda Nasca, das etwas außerhalb liegt und wie eine Hazienda gebaut ist. Es macht einen sehr guten Eindruck. Wir essen auch dort, natürlich nicht, ohne von der obligatorischen Musikkapelle begleitet zu werden. Der Rest des Abends vergeht an der Bar bei Pisco und Billard spielen.

4. Tag: Früh morgens geht es noch einmal zum Flughafen. Drei sollen ja noch als erste des Tages Ihren Flug nachholen dürfen. Als wir ankommen, stellen wir fest, dass man allen Gruppen, die am Vortag nicht mehr fliegen konnten, das gleiche versprochen hat. So kann unsere Gruppe erst gegen 10:30 Uhr fliegen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Karten schreiben, Sonnenbaden und Tischfußball, wobei sich die Mannschaft Aly aus Luxemburg (wieso wissen die überhaupt, was Fußball ist) mit Silke als unschlagbar herausstellt. Als wir dann endlich weiterfahren können, merken wir unterwegs, dass die drei Flieger Ihren Flug nicht bezahlt haben. Da wir am nächsten Tag sowieso unseren Bus wechseln sollen, beschließen wir, unser Fahrer soll das Geld am nächsten Tag zurückbringen. Nach einer Stunde Fahrzeit werden wir von einem PKW ausgebremst. Es ist der Besitzer der Fluggesellschaft. Er will sein Geld. Mittag machen wir kurz Halt und essen in einem vorbestellten Gasthof Fisch. Ich benutze die Toilette mit Handspülung aus dem Wassereimer. Überhaupt die Toiletten in Peru; Toilettenpapier darf nicht in die Spülung geworfen werden, sondern muss in einen bereitstehenden Eimer entsorgt werden. Die Landschaft ist grandios. Sanddünen, die höchsten der Erde, säumen den Weg. Da wir so spät weggekommen sind, fährt der Fahrer den Bus als wäre er Michael Schumacher die schwindelerregende Küstenstrasse entlang. Es wird schon dunkel und wir müssen die letzten drei Stunden im Dunkeln fahren. Insgesamt sind wir heute 566 KM von Nasca nach Arequipa gefahren. Die Leistung des Fahrers ist beachtlich. Vorgeschriebene Pausen gibt es in Peru wohl nicht.

5. Tag: Heute wird nicht ganz so früh aufgestanden, erst um 6:30 Uhr. Unser Hotel Conquistador liegt sehr zentral aber hinter dicken Mauern. So ist es sehr ruhig. Nur meint eine ebenfalls hier untergebrachte Gruppe aus Frankreich, w i r seien sehr laut gewesen und beschwert sich über uns. Die spinnen! Grüßen können sich auch nicht und registrieren uns fortan nur als Luft. Auf geht es zur Stadtbesichtigung. Zuerst zur Iglesia La Compania mit dem angeschlossenen sehr schönen Jesuitenkloster. Danach kommt ein weiteres Kloster, aber was für eins. Santa Catalina, 150 Nonnen mit 400 Dienstmädchen haben hier gelebt. Eine Stadt in der Stadt. Die verschiedenen Baustile, unterschiedliche Farben, schöne Innenhöfe, Arkaden, farbige Bepflanzungen; eine Stadt in der Stadt. Es ist wirklich sehenswert. Mittags essen wir für 9 Soles = 3 Euro auf einer Terrasse ein 3-gängiges Menü. Man ist schon von der Vorspeise satt. Der Nachmittag steht uns für Geldwechsel und erste Einkäufe zur freien Verfügung. Ich mache diverse Versuche zu Hause anzurufen. Erst mit Alys Hilfe funktioniert es. Als ich von Alpakageschäften berichte, bekomme ich einen telefonischen Einkaufswunschzettel. Ich überlegen, welche unserer Damen die Figur meiner Frau hat. Die Entscheidung fällt auf Lisa, doch dann scheitert der Einkauf am fehlenden Modell. Lisa ist nicht aufzufinden. Abends gibt es ein Büfett mit Speisen aus Arequipa. Spezialitäten sind Cui (Meerschweinchen), Alpaka, Speckschwarte vom Schwein, frittierter Tintenfisch, Huhn, Amarantmasse, Reis, Salate, gefüllte scharfe Paprika, Kartoffelauflauf, div. Kartoffeln, Reis, roter Rübensalat, und natürlich eine peruanische Musikkapelle!!!

6. Tag: Morgens bekommen wir einen neuen Bus, einen Mercedes! Mit Toilette! Wunderbar! Doch nach 10 Minuten Fahrt riecht es im Bus mehr als komisch. Als die ersten die Toilette benutzt haben, ist der Geruch kaum auszuhalten. Aly hat irgendwo gelesen, man müsse Streichhölzer abbrennen, das würde helfen. Wir versuchen es. Jetzt riecht es, als hätte jemand in einen Schwefelsee geschi...., aber es ist jetzt auszuhalten. Die Fahrt führt von Areqipa über Yura vorbei an den Vulkanen Misti 5.825m und Chachani 6.075 m mit herrlichem Blick auf den Ampato 6.318 m auf die Hochebene. Dort sehen wir die ersten wilden Vicunas. Sie laufen beim Fotostop sogar nicht weg. Sie scheinen das schon zu kennen. Auf der Hochebene weiden Lamas und Alpakas, leben ein paar Menschen, und die Weite der Landschaft ist großartig. Der Bus wird immer langsamer. Die Höhe macht ihm doch sehr zu schaffen. Auf 4.800 m haben wir den Patapampapass erreicht. Wir halten, machen ein paar Fotos und sind froh wieder in den Bus steigen zu können. Wir merken die Höhe doch sehr. Die Weiterfahrt führt hinunter nach Chivay auf 3.651 m am Colca Canyon. Wir essen mittags in einer Gaststätte. Es gibt wieder Büffet. Es ist viel besser als in Arequipa und kostet auch nur 15 Soles. Wir checken kurz im Hotel Colca Inn ein und fahren dann nach Tuti auf 3.750 m oberhalb von Chivay im Colca Canyon. Hier beginnt unsere 2 stündige Wanderung nach La Calera zu den heißen Thermen. Auf diesem Weg bekommen einige Kopfschmerzen wegen der Höhe. Als wir die Thermen erreichen, wird es gerade dunkel. Aly und ich gehen nicht mehr mit in die Thermen. Wir haben Kopfschmerzen und bewachen den Bus. An diesem Abend liegen wir beide bereits um 19:30 Uhr mit Kopfschmerzen im Bett. Der Rest der Gruppe geht noch ins Hotelrestaurant essen. Wir können das Essen bis auf unser Zimmer hören. - es gibt nämlich unter anderem wieder die obligatorische Folkloregruppe-. Nachts nehme ich eine Kopfschmerztablette.

7. Tag: Das frühe Zubettgehen ermöglicht uns um 4:30 Uhr hellwach aufzustehen. Denn nun geht es zur Kondorbeobachtung. 5:30 Uhr Frühstück, 6:30 Uhr Abfahrt zum Cruz del Condor. Thomas und Susanne fahren nicht mit, es geht ihnen nicht gut. Die Fahrzeit beträgt 1 Stunde 40 Minuten. Nach uns kann keiner mehr dort eintreffen, denn unser neuer Fahrer meint wohl, er müsse seinen Mercedesbus über die Schotterpiste tragen und wird ständig von nach uns Aufgebrochenen überholt. Als wir am Kreuz des Kondors ankommen, müssen wir uns hinter die Reihen der bereits wartenden Touristen anstellen. Aber das Warten lohnt sich. Die im Aufwind der Colca Schlucht segelnden Kondore so nah zu erleben, ist einmalig. Nach einer Stunde Kondorbeobachtung, auch zur Freude der Firmen Kodak, Agfa usw., fahren wir noch ein Stück das Colcatal abwärts und beginnen dann eine 2 stündige Wanderung durch die Terrassenlandschaft des Colca Canyons zum Teil an einer Levada (offene Wasserleitung) entlang. Danach geht es zum Essen zu einer Bauernfamilie. Wir werden gefragt, ob wir Cui essen möchten. Aber wenn man die possierlichen Meerschweinchen sieht, kann man sie sich einfach nicht mehr auf dem Teller gebraten vorstellen. So gibt es Suppe, Fleischgemüsespieß mit Kartoffeln und als Vorspeise kalte Hülsenfrüchte sowie als Getränk Chicha Morada - ein Fruchtsaftgetränk aus rotem Mais - und das alles für 5 Soles = 1,5 Euro. Die Bauern sind sehr arm. Man gibt sich aber viel Mühe und ist sehr freundlich. Wenn man die Verhältnisse in der Küche gesehen hat, kann man sich nicht vorstellen, wie dort für 15 Leute gekocht wird. Danach fahren wir nach Chivay zurück. Wir sind der letzte Bus, der das Colca Tal verlässt. Den restlichen Nachmittag verbringen wir in Chivay mit Bummeln und Einkaufen. Ich erstehe den ersten Alpakapullover.

8. Tag: 6:00 Uhr aufstehen, 7:00 Uhr Kaffee, 8:00 Uhr Abfahrt. Thomas und Susanne geht es sehr schlecht. Wir verlassen das Colca Tal und haben einen wunderschönen Blick auf die Cordilliere Mismi 5.597 m, wo einer der Amazonasquellflüsse entspringt. Bei 4.800 m halten wir an und genießen die Aussicht. Thomas geht es ganz schlecht. Er wird den ganzen Tag den Bus nicht mehr verlassen. Wir fahren einen Teil der Strecke zurück, auf der wir vor zwei Tagen gekommen sind und machen an der gleichen Raststelle halt wie letztes Mal. Dort verkaufen ein paar Indigena ihre Produkte aus Lamawolle. Es gibt auch ein Lama zu fotografieren. Man hat uns gesagt, man solle aufpassen, wenn sie zu kauen anfangen. Daran erkenne man, wenn sie spucken wollen. Doch beim Versuch, es für Lisa fotogen aufzustellen, muss ich lernen, dass dieses auch ohne zu kauen funktioniert. Es dreht den Kopf, holt aus und spuckt mir eine volle Ladung auf Schulter, Brust und in das halbe Gesicht. Es muss wohl gerade Kokablätter gekaut haben, denn die klebrige Masse besteht aus lauter kleinen grünen Kügelchen. Es ist ein weibliches Tier!!!! und spuckt auch noch einem kleinen Jungen aus kürzester Distanz ins Gesicht. Die Weiterfahrt führt über die Hochfläche des Altiplano durch die grandiose Landschaft Richtung Puno. Die Weite ist unbeschreiblich. Am Horizont begleiten uns die 5 und 6000er der Kordilliere. Mittags machen wir Picknick an einem See auf 4.400 m Höhe. Wir machen kurz Halt an einem Markt, an dem die Einheimischen Ihre Lama- und Schaffelle verkaufen. Es sieht schon sehr wüst dort aus; aber Touristen nennen das romantisch. Die Fahrtzeit dauert 9 Stunden bis Puno am Titicacasee. Dort machen wir eine Stunde Pause zum Geld tauschen und bummeln. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Leute hier leben und welche Armut herrscht. In Puno gibt es alle paar Meter einen Zahnarzt. Auf der Suche nach einem Hotel, das erstmals von der Reisegesellschaft angefahren wird, verfahren wir uns und durchqueren schon in der Dämmerung einen einheimischen Markt. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was es da zu sehen gibt. Dann landen wir in einem für peruanische Verhältnisse Luxushotel namens Thai Picalla. Zum Abendessen gibt es frischen Fisch aus dem Titicacasee und eine Vorspeise. Es ist sehr gut, der Preis etwas teurer als sonst. Man zahlt mit $. Es ist sehr kalt auf den Zimmern und in der Gaststätte, aber es gibt Elektroradiatoren.

9. Tag: Wecken 6:30 Uhr. Das bedeutet für mich kaltes Duschen, da erst ab 7:00 Uhr warmes Wasser läuft. Aly hat es besser. Er duscht erst um 7:00 Uhr. 7:15 Uhr Abfahrt zum Hafen von Puna, von wo aus es mit einem kleinen Boot zu den Uros Inseln und zur Insel Taguile gehen soll. Wir sind so früh, da wir bei den ersten sein wollen. Es befindet sich nur unsere Gruppe auf dem Boot, das mit einem Barkassenmotor angetrieben wird. Dies sollte noch von Bedeutung sein. Als erstes fahren wir zu den Urosinseln. Sie sind ganz aus Schilf gebaut, müssen alle zwei Jahre erneuert werden, wenn das Schilf von unten wegfault. Es ist schon komisch, auf dem schwankenden Schilfboden zu laufen. Die Urosindianer sind ganz auf die Touristen eingestellt. Wir haben einen einheimischen Guide, der gut deutsch spricht. Ein Teil der Truppe fährt mit einem Schilfboot noch einmal um die Insel herum. Danach geht es weiter durch den Schilfgürtel Richtung offenes Wasser zur Überfahrt zur Insel Taguile. Wir sitzen auf dem Dach des Bootes, genießen die Sonne, den See und überhaupt das ganze Leben, als der Motor ausfällt. Die Schiffsschraube hat sich in den Algen verfangen. Es dauert über eine halbe Stunde bis wir wieder flott sind. Inzwischen haben uns alle später aufgebrochenen Gruppen überholt. Also doch nicht die ersten. Aber das kennen wir ja schon vom Colca Canyon her. Nach 3 Stunden Fahrzeit steigen wir auf der Rückseite der Insel Taguile aus. Von der Anlegestelle laufen wir über die halbe Insel zur einzigen Gemeinde. Wir kommen dabei ganz schön außer Atem, denn der Titicacasee liegt immerhin 3.810 m hoch. Die Aussicht reicht bis Bolivien, die Pflanzen, die Terrassenanlagen, es ist wunderschön hier. Die Insel besteht aus sieben Verwaltungsdistrikten, und da es Sonntag, ist sind alle 7 Bürgermeister auf dem Hauptplatz versammelt und tragen vor, was wer in der letzten Woche gearbeitet hat, und die Bürger geben an, was in der nächsten Woche gemacht werden soll. Wir essen auf dem Hauptplatz in der einzigen kommunalen Gaststätte, d. h. die Einnahmen werden auf alle Bürger verteilt. Es gibt frischen Fisch vom See oder Omelett. Das Trinkwasser ist sehr teuer. Es muss vom Festland herangeschafft werden. Nach dem Essen muss ich noch schnell eine Strickmütze der strickenden Männer von Taguile erstehen. Ich entscheide mich für eine Mütze für verheiratete Männer, obwohl die Farben für unverheiratete schöner sind. Wie wir beim Weitermarsch zum Haupthafen feststellen, müssen sogar die kleinen Kinder die Sachen vom Festland die 600 Stufen vom Schiffsanleger zum Dorfplatz hoch schleppen. Eine Plackerei in dieser Höhe. Die Rückfahrt wird ein wahrer Genuss. Sonne pur, kaum Wind und nach weiteren 3 Stunden sind wir wieder in Puno. Nur Thomas hat die Tour nicht viel gebracht. Er hat die ganze Tour in der Kajüte verschlafen. Es geht ihm immer noch nicht gut.

10. Tag: Aufstehen 5.00 Uhr (bedeutet für mich wieder kalt duschen) Frühstück 6.00 Uhr, Abfahrt 7:00 Uhr. Vor der Abfahrt erstehe ich vor dem Hotel noch schnell einen zweiten Alpakapullover. Danach geht die Fahrt nach Sillustani an der Lagune Umayo. Wir besuchen die Chullpas (Grabtürme), die von der Colla Kultur (400 v. Chr.) bis zur Inkazeit reichen. Anschließend fahren wir weiter nach Juliaca und halten dort auf dem einheimischen Markt. Keiner nimmt die Kamera mit. Juliaca gilt als gefährlich, und als wir das Treiben auf dem Markt sehen, verstehen wir warum. Es ist einfach nicht zu schildern, welches Chaos dort herrscht. Danach geht die Fahrt weiter durch die unendliche Weite des Altiplano bis zum Pass Abra La Raya auf 4.313 m Höhe. Hier liegt die Wasserscheide zw. Pazifik und Atlantik. Wir machen auf dem Pass Halt, denn hier soll es wieder sehr günstige Sachen aus Alpaka zu kaufen geben. Aly macht davon ausgiebig Gebrauch. Er ersteht gleich vier Pullover und handelt einen Mengenrabatt aus. Nach dem Pass halten wir bei den heißen Quellen von Aguas Calientens und machen Picknick. Hier entspringt der Rio Vilcanota, welcher später Urubamba, dann Ucayali und endlich Amazonas heißt. Weiter geht es zu den beeindruckenden Ruinen von Ragchi. Natürlich gibt es vor den Ruinen wieder einen Markt. Dieses mal ist es ein Töpfermarkt. Das hatten wir noch nicht. Also dann, der Kauflust freien Lauf gelassen! Dann geht es durch das Urubambatal nach Cusco, das wir bei Dunkelheit erreichen. Wir übernachten direkt an der Plaza de Armas im Hostal Placa de Armas. Wir gehen noch in eine Gaststätte essen, machen anschließend noch ein paar Nachtaufnehmen vom Hotelbalkon und fallen dann todmüde ins Bett.

11. Tag: 7:00 Uhr Aufstehen, 8:00 Frühstück. Sabine hat heute Geburtstag, 9:00 Abmarsch (irgendwie ist das späte Aufstehen total ungewohnt) zur Stadtbesichtigung. Wir haben einen neuen Guide Aurelio mit seinem Helfer Herbert. Sie werden uns die nächsten Tage und auch auf dem Inca Trail begleiten. Wir besichtigen die Kirche Santo Domingo, die auf dem ehemaligen Sonnenheiligtum der Inkas errichtet wurde. Was von den Inkamauern noch stehen geblieben ist, ist beeindruckend. Anschließend geht es zur Kathedrale. Für mich die nach dem Vatikan am meisten überladene Kirche, die ich gesehen habe. Es darf nicht fotografiert werden, auch nicht das Gemälde vom letzten Abendmahl Jesu, auf dem es Meerschweinchen zum Essen gibt. Danach geht es weiter zur Mauer des ehemaligen Palastes Calle Hatunrumiyoc. Hier befindet sich der berühmte 12-eckige Stein. Die Mauer ist das Imponierendste, was ich je an Mauerwerk gesehen habe. Es kann einem das Taschenmesser aufgehen, wenn man sieht, was Pizarros Mörderbande im Inkareich angerichtet hat. Wir essen im Hof einer kleinen Gaststätte und erhalten dort Instruktionen für den Ablauf des Inka Trails. Nachmittags sitzen wir auf dem Balkon eines Kaffees an der Plaza de Armas, genießen das bunte Treiben, besuchen anschließend noch den einheimischen Markt, kehren dort aber sehr schnell um, als wir sehen, wie man einen Touristen beklaut. (Es war das einzige Mal, dass wir in Peru in dieser Hinsicht beunruhigt waren.) Also lieber wieder zum Shopping in die 100e von Touristenläden. Silke kauft fast einen ganzen Laden alleine leer. Abends gehen wir zu einem Italiener essen.

12. Tag: 6:30 Uhr Aufstehen, 7:30 Uhr Frühstück 8:30 Abfahrt nach Sagsay-Waman oberhalb von Cusco gelegen. Man hat einen herrlichen Blick auf die Stadt. Die Mauern der Anlage sind die gewaltigsten auf der Erde. Es ist unglaublich beeindruckend. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Inkas das geschafft haben, ohne Eisenwerkzeuge und ohne das Rad zu kennen. Die Weiterfahrt geht zum Kultplatz Q'engo. Kurz vorher machen wir wieder halt, wo? Natürlich bei Alpakaläden mit den dazugehörigen Lamas zum Einkaufen und Fotografieren. Das Auffallendste an Q'engo ist eine gewundene Opferrinne, ein unterirdischer Altar und ein von den Spaniern zerstörter Puma. Die Weiterfahrt führt zur Festung Pukapukara und anschließend zum Bad des Inka nach Tambomachay. Und weiter geht es in das heilige Tal der Inkas, das Urubambatal, nach Pisaq. Der berühmte Markt ist heute am Mittwoch nicht geöffnet. So gibt es wieder mal nur einen Touristenmarkt. Diese Art von Markt kennen wir aber nun schon zur Genüge. Wir essen in einer kleinen Gaststätte, das Menü für 8 Soles. Am Nachmittag wandern wir zum Heiligtum von Pisaq. Es liegt wunderschön hoch über dem Urubambatal und hat eine phantastische Aussicht. Der Aufstieg geht von 3.057 m auf 3.450 m hoch. Heute ging es zur Abwechslung mal Lisa schlecht. Danach fahren wir mit dem Bus nach Urubamba ins Hotel San Agustin Turquesa. Anschließend geht es noch in eine kleine Gaststätte, wo wir die einzigen Gäste sind. Sie ist nicht geheizt, hat dafür aber riesige Portionen. Auf Kosten des Hauses wird ein Anisschnaps ausgeschenkt, was bei Kuno dazu führt, dass er fasst den ganzen restlichen Vorrat aufkauft. Zur Abwechslung ist nun am Abend mal Sabine krank. Außerdem hatten heute wieder zwei Geburtstag. Alle Geburtstagskinder bekommen eine Geschenk, das aus der gemeinsamen Trinkgeldkasse bezahlt wird. Somit ergibt sich die interessante Konstellation, dass das jeweilige Geburtstagskind sein Geschenk mitfinanziert.

13.Tag: 6:30 Uhr Aufstehen, 7:30 Frühstück, 8:30 Uhr Abfahrt. Wir fahren zuerst kilometerlang über Staubpisten zu den Ruinen von Moray. Hierbei handelt es sich um eine Versuchsanlage der Inka für Gartenbau. Es ist eine gigantische Anlage und sieht ähnlich aus wie ein Amphitheater. Vom Ort Maras wandern wir in ca. 2 Stunden zu den Salzanlagen von Maras. Die Salzbecken liegen beeindruckend an einem Hang in der gleißenden Sonne und werden von einem Salz führenden Bach gespeist. Es handelt sich um ca. 3000 Salzbecken. Das Salz wir mit der Hand gewonnen und mit Eseln ins Tal transportiert. Inzwischen sind erstmals Wolken auf gezogen und vom Amazonasbecken her weht ein starker Wind. Hoffentlich ist dies kein schlechtes Omen für den Inka Trail. Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch die Ruinen von Ollantay. Es scheint so, als wollten alle Touristen Perus sie gleichzeitig besuchen. Es herrscht ein unglaublicher Rummel. Ein Fotografieren der Ruinen ohne Personen ist absolut unmöglich. Wir besuchen noch eine Familie, die uns gegen einen Obolus zeigt, wie sie in ihrem Haus lebt und dann geht es zum Hotel zurück, das wir gegen 17:45 Uhr erreichen, um unsere Sachen für den Inka Trail zu packen. Da wir im Hotel heute für 8 Dollar vom Büffet essen werden, haben wir noch Zeit, die wir uns mit Billardspielen vertreiben. Heute ging es zur Abwechslung mal Silke schlecht.

14.Tag: 4:00 Uhr Aufstehen, 5:00 Uhr Frühstück, 6:00 Uhr gepackt und alles zur Abfahrt bereit. Da Aly und ich sehr früh fertig sind, spielen wir um 4:30 Uhr das früheste Billardspiel unseres Lebens. Mit dem Bus geht es bis nach Chilca zum Kilometer 77 zum Startpunkt unseres insgesamt 47 KM langen Inka Trails. Die meisten Gruppen starten erst am KM 82 bzw. 88. Somit sind wir auf dem ersten Teilstück allein unterwegs. Wir werden später froh sein, hier gestartet zu sein, denn nur auf diesem Abschnitt gibt es wunderschöne Kakteen zu sehen. Der Weg führt parallel zum Urubambatal und das Wetter ist noch in Ordnung. Bei KM 82 werden wir registriert und Treffen auf die Trägerkolonnen. Insgesamt dürfen pro Tag 500 Touristen den Trail gehen. Als wir in das Tal des Rio Cusichaca einbiegen, beginnt es zu regnen. Soll nach 13 Tagen Superwetter ohne jeglichen Regen nun ausgerechnet der Inka Trail verregnet werden? Wir erreichen den Campingplatz im Dorf Huayllabamba auf einer Höhe von 3.005 m. Es ist nicht der sauberste Platz, und die Toilette, na ja. Wenigstens ist sie nach oben hin offen und gewährt den Lüften freien Abzug, allerdings dem Regen auch freien Zutritt. Wir sind gut bekocht worden, die Stimmung ist trotz des Regens gut, vielleicht etwas angespannt wegen des morgigen schwierigsten Tages. Heute war die Gehzeit 5 Stunden. Müde kriechen wir in die Zelte.

15. Tag: Es regnet. Heute liegen insgesamt 7 Stunden Gehzeit vor uns. Es geht dabei von 3.005 auf 4.198 m hoch, und das bei Regen. Wir sind nicht die einzigen auf dem Weg zum Pass. Ganze Heerscharen ziehen sich aneinandergereiht den Pass hinauf. Man kommt sich vor wie zu Goldrauschzeiten auf den Chilkootpass auf dem Weg nach Alaska. Kurz vor der Passhöhe geht der Regen in Schnee über. Da Andreas ein ganz ausgeglichenes langsames Tempo eingeschlagen hat, überholen wir bis zum Pass noch sehr viele Schnellgeher, die nach Luft schnappend am Wegrand stehen. Nach 3 Stunden haben wir den Pass erreicht. Wir gehen wegen der Kälte und des Windes gleich weiter. Allerdings muss ich noch 3 Meter höher steigen. Schließlich will ich die 4.200 m überschreiten. Völlig durchnässt erreichen wir nach weiteren 20 Minuten ein Zelt, das unsere Träger aufgebaut haben, und wo sie uns Tee und heiße Suppe servieren. Danach steigen wir weiter ab, immer vom Regen begleitet, bis nach Paqaymayu auf 3.560 m. Auf diesem kleinen Platz übernachten 22 Gruppen, mit Trägern heißt das ca. 500 Personen. Dafür sind die Toiletten und Waschanlagen erstaunlich sauber. Die Zelte stehen so dicht gedrängt, dass man nachts meint, jeder, der zur Toilette geht, würde durch unser Zelt laufen. Unser Koch hat uns am Abend wieder verwöhnt. Es ist erstaunlich, was er unter diesen Umständen zu Stande bringt.

16. Tag: Das Wetter ist besser, so dass wir gut gelaunt zur Ruine Runku Raqay aufbrechen. Kurz vor dem Pass Runku Raqay 3.998 m fängt es wieder leicht zu regnen an. Nach dem Pass, ich muss natürlich noch 2 m höher aufsteigen, wird das Wetter besser, und es regnet nicht mehr. Es kommt jetzt sogar die Sonne durch. Wir steigen zu den Ruinen von Sayag Marka ab 3.728 m. Es ist nicht vorstellbar, wie die Inkas in diesen Höhen ihre Strassen angelegt haben. Nach diesen Ruinen ändert sich die Vegetation. Wir befinden uns nun in einem Bergregenwald. Bei Sonne erleben wir Orchideen, Farne, moosbewachsene Bäume, Bromelien, sehen Kolibris. Es ist wie in einer Traumwelt. Dieser Tag wird ein gutes Geschäft für die Fotoindustrie. Wir erreichen den Pass Phuyupatamarca 3.700 m. und lagern eine halbe Stunde nach dem Pass auf einem eigens für uns reservierten Gelände. Wir sind die einzigen auf 3.650 m Höhe, genießen die Aussicht, die Ruhe, den Sonnenuntergang, das gute Essen und sind rundherum zufrieden. Nachts gibt es noch ein Gewitter.

17. Tag: Wir wollen heute schon sehr früh aufsteigen um die Aussicht zu genießen. Um 5:00 Uhr ist aber alles zugezogen. So beschließen Aly und ich den Rest der Truppe weiterschlafen zu lassen. Leider war unsere Diskussion über das Wetter mit Silke aber so laut, dass die ganze Truppe doch wachgeworden ist. Heute morgen werden zum letzten Mal die Zelte abgeschlagen. Wir haben für unsere Träger eine Kleidersammlung veranstaltet, die wir in einer Tombola für sie verlosen. Man glaubt gar nicht, wie arm diese Menschen sind. Sie tragen Sandalen, die sie aus Autoreifen gefertigt haben. Von einer ISO-Matte können sie nur träumen. Vor der Verlosung muss man ihnen nur in die Augen schauen, um zu sehen, wie sie sich freuen. Nach Gruppenfoto und Verabschiedung der Träger Inkatrailgehen wir heute einen alten Inkapfad nach Machu Picchu. Wir benutzen nicht den normalen Trail auf dem sich 500 Leute über 3000 Stufen abwärts wälzen. Das Wetter ist Spitze. Wir sind die einzigen auf diesem Weg. Er hält wieder zahlreiche Orchideen für uns bereit. Michaela stürzt auf diesem Wegstück, holt sich einige Schrammen und verknackst sich den Fuß leicht. Aber sie kann weiter mitgehen. Beim Mittagessen treffen wir wieder auf den normalen Trail. Nach dem Essen erwischt es zur Abwechslung mal mich, und ich muss mich für den Rest des Tages mit Durchfall herumplagen. Vor Machu Picchu besichtigen wir noch die Inka Gartenanlagen von Inti Pata sowie die Ruinen von Winaywayna. Als wir das Sonnentor Inti Punku erreichen, können wir zum ersten mal auf Machu Picchu blicken. Der Blick ist schon grandios. Alles fotografiert nach vorne. So fällt es mir leichter, nach hinten Büsche für eine Toilette zu suchen. Michaela sieht nur die Blumen und merkt gar nicht, dass sie am Sonnentor ist. Erst als man sie darauf aufmerksam macht, registriert sie Machu Picchu. Dann steigen wir nach Machu Picchu ab. Da wir recht spät sind, sind kaum noch Touristen anwesend. Das Wetter ist aber nicht gerade zum Fotografieren gemacht. So machen wir nur ein paar Notfotos, falls es morgen nicht besser wird, und fahren mit dem Shuttle-Bus nach Aguas Calientes ab, das wir am späten Nachmittag erreichen. Auf der Abfahrt läuft ein Junge alle Serpentinen abkürzend neben dem Bus her und winkt an jeder Ecke. Natürlich steigt er an der letzten Kehre in den Bus und möchte seinen Obolus bekommen. Aguas Calientes!!!! Ein Urwalddorf beiderseits eines Eisenbahngleises. Baracken, Wohnhäuser, Hotels, Gaststätten und Verkaufsläden bilden rechts und links des Gleises den Bahnhof. Einen Bürgersteig oder ähnliches gibt es nicht. Der Ort ist nur mit der Bahn zu erreichen. Das Gewimmel ist unbeschreiblich. Wir werden auf zwei Hotels aufgeteilt und ein Teil der Gruppe geht noch in die heißen Thermen baden. Ich ziehe es vor, mich mit Aly auf die Terrasse einer Kneipe zu setzen und das unglaubliche Treiben um uns herum zu erleben. Als ein Zug einfährt, und den verbleibenden Raum zwischen den Häusern nun auch noch ganz ausfüllt ist das Chaos perfekt. Aly geht T-Shirts kaufen und macht die Bekanntschaft einer indianischen Spezialverkäuferin. Sie wird ihn bis zur Abreise nicht mehr in Ruhe lassen. Abends gehen wir gemeinsam essen, danach ein Teil der Gruppe in die Disco und der Rest in die Pisco-Bar.

18. Tag: Wir stehen wieder mal sehr früh auf. Wir wollen mit dem ersten Bus nach Machu Picchu fahren, damit wir vor den anderen Touristen sind. Wir haben da ja schon Übung. Und ---- prompt klappt es wieder nicht. Aurelio, unser Guide hat verschlafen. Dann gibt es Schwierigkeiten mit den Bustickets. Als wir endlich losfahren, sind mindestens 10 Busse vor uns abgefahren. Das Wetter ist viel besser als am Vortag, wird sich aber erst im Laufe des Tages wirklich gut entwickeln. Unter fachkundiger Führung von Aurelio, besichtigen wir die Anlage. Der Rest des Tages steht zu freien Verfügung. Heinz besteigt als einziger den steilen Hausberg Waynapicchu. Wir anderen fahren zu Tal, essen etwas, und tauchen in das geschäftige Treiben ein. Aly bekommt wieder Besuch von seiner Freundin. Inzwischen will sie ihm auch schon gar nichts mehr verkaufen. Er dürfte sie von den Gleisen weg heiraten. Nachmittags fahren wir mit dem Zug zurück bis in die Nähe von Cusco. Man hat in Aguas Calientes etwas außerhalb jetzt einen eigenen Bahnhof nur für die Touristen gebaut. In dem Zug dürfen auch keine Einheimischen mitfahren. Damit hat man die früher vorhandene Diebstahlgefahr gebannt. Die restliche Strecke bis Cusco fahren wir mit unserem Bus. Todmüde fallen wir gegen 22:30 Uhr ins Bett.

19. Tag: Etwas stimmt nicht; kein Wecken, jeder kann schlafen so lange er will. Der Tag ist zur freien Verfügung. Ich gehe mit Aly und Silke bis Mittag in das Inka Museum. Mittags treffen wir uns in einer einheimischen Kneipe mit dem Rest der Gruppe. Und am Nachmittag werden die noch fehlenden Mitbringsel gekauft. Silke bringt das Kunststück fertig, für den Kauf von ein paar Keramikteilen Cuzco55 Minuten in einem Laden zu verbringen ( 3 Minuten für das Aussuchen, 20 Minuten für das Bezahlen mit Kreditkarte und 30 Minuten für das Einpacken). Jetzt endlich wissen wir, warum uns Andreas am ersten Tag gebeten hat, für Peru Geduld mitzubringen. Als Aly dann im nächsten Laden das Geld ausgeht, und er ebenfalls mit Kreditkarte bezahlt, ist der Tag gelaufen. Den Abend verbringen wir als einzige Gäste in einer Gaststätte, feiern Abschied, lassen unsere peruanischen Guides hochleben, unseren Reiseleiter auch, stellen fest, dass wir eine klasse Gruppe sind, und dass die Reise von Wikinger perfekt organisiert ist.

20. Tag. Heute stimmt wieder alles. 4:30 Aufstehen, 5:00 Uhr Frühstück, 6:00 Uhr Abfahrt zum Flughafen Cusco und um 8:00 Uhr bestaunen wir bei wunderschönem Flugwetter die Anden aus der Luft. Wir landen nach ca. einer Stunde in Lima, wo uns bereits ein Bus zur Stadtrundfahrt erwartet. Das für Limas Winter typische diesige Nebelwetter drückt auf unsere Stimmung nach den Wochen in klarer sonniger Höhenluft, oder ist es nur das sich abzeichnende nahe Ende unseres Urlaubs? Wir besuchen Kirche und Kloster San Francisco mit reicher Ausstattung und den unterirdischen Katakomben mit ca. 70.000 Skeletten. Nach dem Wachwechsel am Präsidentenpalast geht es zum Mittagessen und anschließend fahren wir zum Goldmuseum. Dieses Museum war bis vor wenigen Jahren im Privatbesitz eines Ministers. Es beherbergt einzigartige Kunstgegenstände. Leider sind sie chaotisch angeordnet, und man fragt lieber nicht, wie sie in den Besitz des Ministers kamen.

Die Zeit wird knapp, und wir kämpfen uns durch das Verkehrschaos zum Flughafen durch. Gegen 20.00 Uhr starten wir zum Rückflug, nicht ohne in Aruba Zwischenstop zu machen (wir müssen doch wieder eine Runde um den Block im Flughafen drehen).

21. Tag: Um 17:30 Uhr landen wir in Amsterdam. Wir haben nicht viel Zeit, uns zu verabschieden, denn nun teilt sich die Gruppen in alle Winde auf. Wir fliegen zu fünft nach Frankfurt, wo Silke feststellen muss, dass ihr Gepäck nicht mitgeflogen ist. Zumindest fehlt es am Flughafen. Als ich endlich gegen 20:30 Uhr zu Hause ankomme, bin ich mittlerweile 31 Stunden auf den Beinen.

Schlussbemerkung: Wir haben eine Superreise in ein großartiges Land gemacht. Die Menschen waren trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer Armut, sehr freundlich, die Landschaft grandios, Unterkünfte und Verpflegung haben uns sehr positiv überrascht. Insgesamt eine prima Reise, die zudem noch von Wikinger Reisen perfekt organisiert war.

PS: Silke hat ihr Gepäck auch wieder bekommen. Leider ist Andrea bei der Einreise auf dem Münchener Flughafen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vorübergehend in Haft genommen worden. Sie hatte Kokatee in Form von Teebeuteln bei sich, was laut Reiseveranstalter und div. Reisebücher erlaubt sein soll. Nur die Einfuhr von Kokablättern sei verboten. Aber in Bayern legt man das Gesetz wohl bis in die fünfte Nachkommastelle aus. Jetzt wartet sie zu allem Ärger auch noch auf eine Gerichtsverhandlung.

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