Geschichte Vorarlberg / Bregenzer Wald
Wandern - Trekking - Radfahren - Kanutouren


Der schweizerischste, d.h. alemannische Teil Österreichs und seine Historie.

Allgemeines & Spezielles

KnabenkrautVorarlberg nahm immer eine Sonderstellung in Österreich ein. Die Region wurde von alemannischen Gruppen besiedelt und gehört so ethnisch eher zur Schweiz oder Baden-Württemberg. Auch der Arlberg trennt die Menschen im "Ländle" von den bajuwarischen Tirolern. Der Weg in die Schweiz jedoch führt einfach über die Brücken des hier noch schmalen Rheins.

Wie die Geschichte Vorarlberg dennoch an Österreich band, kann man hier - unter anderem - lesen.

Einen guten gedruckten Überblick über die Geschichte Vorarlbergs findet man auch im Trescher Reiseführer Vorarlberg.

Andere Themen zu Vorarlberg und vor allem Wandern und Bergsteigen im Bregenzer Wald findest Du unter > Bregenzer Wald

Geschichte

Wanden & Trekking. Vorgeschichte

Älteste Siedlungsspuren in den Tälern Vorarlbergs sind etwa 10.000 Jahre alt. Am Ende der Eiszeiten jagden hier zunächst noch steinzeitliche Rentierjäger.

Nach der Bronzezeit (3000 - 1800 v. Chr.) entstanden verschiedene Kulturen die in das Volk der Räter mündeten. Sie beherrschten die Alpen-Region östlich des Bodensees, das Engadin und das heutige Südtirol bis nach Kärnten.

Ca. 500 v. Chr. drangen die Kelten in die Alpen-Region ein. Sie herrschten über eine nach wie vor überwiegend rätische Bevölkerung.

Wanden & Trekking. Römerzeit

15 v. Chr. wurden die keltischen Heere des Alpenraums in der Nähe der Donauquellen von den Römern endgültig geschlagen.

Die Römer gründeten die Provinz Raetia. Die Raeter wurden in den 400 Jahren römischer Herrschaft romanisiert. Heutige räto-romanische Sprachgebiete gründen auf diese Zeit.

Im heutigen Bregenz bauten die Römer auf den Grundmauern einer keltischen Festung ihre Stadt Brigantium. Straßen wurden gebaut und die Täler kolonisiert. Augsburg und Chur wurden die beherrschenden römischen Städte. Es entstand eine bedeutende Römerstraße von Augsburg über Kempten, Bregenz, und Chur und über den San Bernardino nach Mailand (Mediolanum). Die dazugehörige Infrastruktur wie Kastelle und Handelsposten lockten weitere Siedler wie Bauern und Handwerker an.

Chur wurde noch in der Römerzeit Bischofssitz.

3. Jh. n. Chr.: Die Alemannen, ein germanischer Stamm aus dem Gebiet südlich der Ostsee, wanderten auf der Suche nach neuem Lebensraum nach Süden. Er bedrängte das schwächer werdende Römische Reich mit Einfällen und Plünderungen. 259 wurde Bregenz zerstört, und die Römer bauten zur Sicherung des Gebiets eine Kriegsflotte auf dem Bodensee.

Wanden & Trekking. Germanischer Zeit, Völkerwanderung

455 fielen die Alemannen in Chur ein und zogen weiter über die Alpenpässe nach Italien. Die Römer hatten dem nichts entgegen zu setzen und die Alemannen besiedelten das Gebiet zwischen Bodensee und Alpenhauptkamm dauerhaft. In Vorarlberg wurden nur Walgau und Montafon zum Rückzugsgebiet der Rätoromanen. Mit dem Sturz des Römerreiches gelangte das Gebiet Vorarlbergs unter die ostgotische Herrschaft Theoderich des Großen. Dieser förderte die Ansiedlung der Alemannen, verlangte aber die Bekehrung zum Christentum.

Bregenzerwald610 missionierten die irischen Mönche Kolumban und Gallus in der Region.

719 wurde das Kloster St. Gallen (heute in der Schweiz) gegründet.

Wanden & Trekking. Mittelalter

746: Die Alemannen waren die großen Gegenspieler der karolingischen Franken. Sie wurden aber 746 von den Franken besiegt, die alemannischen Führer hingerichtet und ihre Gebiete in das fränkische Reich eingegliedert.

950 wurde Bregenz die Hauptstadt der fränkischen Udalrichinger (später nannten sie sich Grafen von Bregenz), deren Herrschaftsgebiet zum ostfränkischen bzw. späeren Deutschen Reich gehörte.

Um das Jahr 1000 wurde der damals noch ganz bewaldete Bregenzerwald von Bregenz aus besiedelt und kultiviert. Die Grafen von Bregenz lockten Siedler mit liberalen Gesetzen und fortschrittlichen Freiheiten.

1182: Die Herrscherlinie wurde aufgeteilt und Feldkirch entstand neben Bregenz als politische Kraft.

1200: Ein Erbe der Grafen nannte sich Hugo I. von Montfort. Er gilt als Einiger und Gründervater Vorarlbergs und prägte eine Blütezeit. Nach seinem Tod folgten aber wieder Teilungen und Umstrukturierungen.

Die nördlichen Teile des Bregenzerwaldes (die Gerichte Alberschwende, Lingenau und Sulzberg) gehörten seit 1338 zur Herrschaft Bregenz. Die Gerichte Damüls und Innerbregenzerwald waren aber der Herrschaft Feldkirch untertan. Diese Teilung begründet die heute noch gängige Unterscheidung zwischen vorderem und hinterem Bregenzerwald.

Um 1300 dringen alemannische Stämme aus dem Wallis nach Vorarlberg ein, die sog. Walser. Grund waren die vielen Kriege und wirtschaftlichen Probleme, die es zu der Zeit im Wallis gab. Die Walser waren Spezialisten der Landwirtschaft im Hochgebirge und wurden von den Landesherren gern in den Hochlagen angesiedelt. Dafür bekamen sie besondere Freiheiten, Selbstverwaltung und eine eigene Gerichtsbarkeit. Montafon, Brandnertal, hochgelegene Gebiete des Bregenzer Waldes und das Große und Kleine Walsertal wurden ihre Haupt-Siedlungsgebiete.

Ab 1309: Die ursprünglich aus der Schweiz stammenden Habsburger versuchen, eine Landverbindung zwischen ihren schweizerischen und österreichischen Besitzungen zu erlangen. Das macht sie zur Bedrohung für das voralrberger Gebiet.

1337 schlossen die Vorarlberger und die Habsburger einen Vertrag, der den Habsburgern weitgehende Vorherrschaften in Vorarlberg einräumte. Der Niedergang der Montforts war danach nicht mehr aufzuhalten. Sie verarmten und mussten ein Gebiet nach dem anderen an das Haus Habsburg verkaufen.

1380er Jahre: Die Habsburger verlieren in den Schlachten von Sempach und Näfels ihre Stammlande an die Schweizer.

Zwischen 1400 und 1518 gab es immer wieder Konflikte zwischen Habsburg und der Schweiz. Vorarlberg lag zwischen den Mächten und wurde zwei Jahrzehnte von den Schweizern kontrolliert. Mit dem Frieden von Basel 1518 kehrte Ruhe ein und Vorarlberg blieb bei den Habsburgern.

Um diese Zeit kauften die Habsburger die restlichen Gebiete Vorarlbergs auf. 1390 fielen mit dem Verkauf der Grafschaft Feldkirch der Innerbregenzerwald und Damüls an das habsburgische Österreich. Die Gerichte Lingenau und Alberschwende folgten 1451. Der Tannberg mit den Bregenzerwäldergemeinden Schröcken und Warth wurde 1453 österreichisch, und 1523 erwarben die Habsburger schließlich auch noch den Rest des späteren Vorarlbergs, das Gericht Sulzberg.

Die Habsburger nannten das Gebiet "vor dem Arlberg". 1723 tauchte der Begriff "Vorarlberg" das erste Mal auf.

Nach 1380 bildete sich insbesondere im Innerbregenzerwald eine Selbstverwaltung der Bauernschaft des Waldes heraus (sogenannte Bauernrepublik). Sie war gekennzeichnet durch eine eigene freie Landgemeinde, eigene Verfassung (Landsbrauch) und eigene Hoch- und Blutgerichtsbarkeit. Als Vorsteher wurde ein Landammann gewählt, meist aus einer der angesehenen Familien des Bregenzerwaldes.

Der Landammann wurde in freier Wahl bestellt, sein Rathaus stand auf der Bezegg zwischen Bezau und Andelsbuch. Heute erinnert dort die Bezegg-Sul, eine steinerne Säule, an das frühere Rathaus.

Bregenzer WaldWanden & Trekking. Neuzeit:

Nach 1520 war zwar die Lehre Luthers in Vorarlberg verboten, trotzdem herrschte aber ein recht fortschrittliches und liberales Klima. Wissenschaft und Humanismus blühten, am Anfang des 17. Jh. entstanden viele jüdische Gemeinden.

Das 16. Jahrhundert war allgemein in Vorarlberg eine relativ friedliche Zeit.

Im 17. Jh. beendeten die Wirren des 30jährigen Krieges diese Friedensphase. Vorarlberg lag zwischen dem katholischen Habsburg und dem protestantischen Graubünden. 1622 verwüsteten die Schweizer das Montafon und 1648 die Schweden Bregenz. Trotzdem wütete die Geißel des Krieges hier weniger maßlos als in Mitteleuropa. Die Pest blieb jedoch vor allem den Städten wie Dornbirn nicht erspart.

Bereits 1658 wurde die letzte Untertänigkeit, die zum Kloster Mehrerau, aufgelöst - also 190 Jahre vor der Bauernbefreiung von 1848.

So war es den Bregenzerwäldern, im Gegensatz zu den meisten Bauern der damaligen Zeit, möglich, sich als Freie überall niederzulassen. Man findet vor allem im Schwäbischen zahlreiche Namen, die auf den Bregenzerwald zurückgehen.

Zwischen 1700 und 1800 wurden alte Bürgerfreiheiten abgebaut, aber unter Maria Theresia und Joseph II auch viele Reformen durchgeführt. Viele Klöster wurden geschlossen und die Bildung wurde in staatlichen Schulen von ausgebildeten Lehrern vermittelt. Die Gerichtsbarkeit wurde gegen den Willen des Adels reformiert und von ausgebildeten Juristen übernommen.

Leopold II hob die meisten dieser Reformen am Ende des Jahrhunderts unter dem Druck des Adels und der Kirche wieder auf. Die bäuerliche Verfassung wurde während der Franzosenkriege (1792 bis 1815) abgeschafft und danach nicht mehr eingeführt.

Wanden & Trekking. Napoleon, Wiener Kongress

1800 nahmen die Franzosen unter Napoleon Bregenz und Feldkirch ein.

1805, nach der Schlacht bei Austerlitz, kontrollierten die Franzosen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vorarlberg und Tirol mussten von den Österreichern an Bayern abgetreten werden, die mit Napoleon verbündet waren. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war Geschichte, in Österreich entstand ein eigenes Kaisertum von Napoleons Gnaden.

Nach den österreichischen Befreiungskriegen und dem Aufstand in Vorarlberg gegen die Bayern unter dem Volkshelden Anton Schneider, und nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress kam Vorarlberg wieder an Österreich zurück. Die alte Selbständigkeit Vorarlbergs wurde aber vom zentralistischen Wien unter Kaiser Franz I und dem Fürsten Metternich nicht mehr gewährt.

Wanden & Trekking. das schwierige 19. Jahrhundert

Die neue Randlage schwächte die Wirtschaft, und die Kartoffelfäule schädigte mehrere Jahre die Ernten der Bauern. Viele Vorarlberger wanderten aus.

Bis etwa zum Jahr 1900 mussten viele Kinder aus dem Bregenzerwald von Mai bis Oktober nach Schwaben wandern, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. So gab es in der Sommerzeit für ihre armen Eltern ein Kind weniger zu füttern. Diese Kinder wurden unter dem Namen Schwabenkinder bekannt.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. besserte sich die Lage. Erste Touristen bereisen Vorarlberg und die Textilindustrie wächst. Bahnlinien verbanden das Ländle mit Deutschland, der Schweiz und den anderen Teilen Österreichs.

Kuh, Alm, VorarlbergWanden & Trekking. das 20. Jahrhundert: Gute Zeiten, schlechte Zeiten, gute Zeiten ...

Um 1900 war Vorarlberg vergleichsweise stark industrialisiert und der Straßenbau und die Rheinbegradigung zog viele Arbeiter an, z.B. aus Italien. Noch heute gibt es viele italienische Familiennamen in den Städten Vorarlbergs.

Der Wohlstand und die gut entwickelte Infrastruktur erreichre aber nur selten die Bergbauernhöfe im Gebirge. Hier herrschte oft immer noch Armut, so dass viele Bergbewohner ihre Dörfer und Höfe verließen.

Nach dem ersten Weltkrieg kamen viele Menschen aus Kärnten und der Steiermark in die wirtschaftlich starke Region um Bregenz, Dornbirn, Bludenz und Feldkirch. Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zogen viele Südtiroler Optanten nach Vorarlberg (siehe > Geschichte Südtirols).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es unzählige Alpen und Höfe, auf denen die Land- und Viehwirtschaft sowie die Herstellung von Käse betrieben wurden. Auch heute sind noch zahlreiche Alpen bewirtschaftet, doch wird dies zunehmend von weniger Bauern betrieben. Gerade die Käserei auf den Almen unterliegt den teils überstrengen europäischen Richtlinien.

Literatur:

Geschichte Vorarlbergs (Geschichte der österreichischen Bundesländer)

Vorarlberg im Mittelalter: Geschichte Vorarlbergs, Band 1

Vorarlberg 1523 bis 1861. Auf dem Weg zum Land: Geschichte Vorarlbergs, Band 2

Das Land Vorarlberg 1861 bis 2015: Geschichte Vorarlbergs, Band 3

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