Wassertempel Su Tempiesu Orune
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Sehr gut erhaltener Brunnentempel der Nuraghenzeit im Hochland bei Orune. Ein Muster zum Verständnis der Wasser-Tempel und des Wasser-Kults auf Sardinien.

Bergland Sardinien

Su Tempiesu & der Wasserkult der Nuragher

Der bronzezeitliche Brunnentempel Tempiesu liegt in einem überwucherten Tal, etwa 5 km östlich von Orune. Es handelt sich hier um einen 3,50 m hohen gut erhaltenen nuraghischen Brunnentempel, den schönsten und eindrucksvollsten der Insel.

Steile Felswände aus metamophem schieferigem Gestein werden durch ein Tal getrennt. Hier tritt eine Wasserader zu Tage, deren Quelle von den Nuraghern eingefasst und kanalisiert wurde. Das darüber gebaute Tempelchen ("tempietto") besteht aus Trachyt- und Basaltquadern (Vulkanite). Diese wurden über eine längere Entfernung transportiert, da vor Ort nur Granite (sehr hart und schwer zu bearbeiten) und Schiefer (wasserdurchlässig und spröde) vorkommen.

Im Prinzip steht hier ein Tempel aus sorgfältig behauenen Steinquadern über einer gefassten Quelle. Profan könnte man auch sagen: über einem überfluteten Keller.

Insgesamt sind etwa 50 "Pozzi sacri" bekannt. Vom 11. bis zum 9. Jahrhundert v. Chr. wurde von den Nuraghern darin das Wasser verehrt.

Überlieferungen, die von römischen Historikern aufgeschrieben wurden, berichten vom Wasserkult der Protosarden. So wurden z.B. Knochen- und Augenkrankheiten mit heiligem Wasser behandelt. Auch andere magische Eigenschaften wurden dem Wasser zugeschrieben. Es diente z.B. auch als Orakel oder Gottesurteil, denn es konnte einen Schuldigen schlagartig erblinden lassen.

Elemente des Tempels & Fundstücke

Wanden & Trekking. Der Brunnen

Die runde Fassung der Quelle liegt im hinteren Teil des Tempels in einem kuppelförmigen Raum (Tholosgewölbe, Kraggewölbe, falsches Gewölbe. Falsche Gewölbe bilden eine Vorstufe der später konstruierten Kuppel. Die Steine werden nach oben hin immer etwas weiter vorgeschoben. Dem Prinzip der Lastenverteilung auf den ganzen Bogen folgen sie allerdings nicht und müssen daher steil und massiv gebaut werden.) Der Grund des Brunnens ist gepflastert und besitzt ein rundes Dekantierbecken (Erosionsfalle). Verunreinigungen durch schwerere Sedimente setzen sich in dieser Vertiefung ab. Die leichten Teile schwimmen durch den hoch gelegenen Ablauf. So bleibt das Wasser klar und sauber.

Wanden & Trekking. Die Trapeztreppe

Zum Brunnen hinunter führt bis unter die Wasserlinie eine vierstufige, im Grundriss trapezförmige Treppe. So kann auch in Trockenzeiten der Wasserspiegel erreicht werden. Die Fugen der Treppe sind mit Blei abgedichtet.

Wanden & Trekking. Der Vorraum

Vor der Treppe liegt ein Raum mit rechteckigem Grundriss. Der Boden ist leicht abschüssig und mit Trachitplatten gepflastert. An den Längsseiten befinden sich zwei bankähnliche Absätze, die möglicherweise für die Ablage von Opfergaben gedacht waren.

Die Wände aus angeschrägten Blöcken wachsen nach oben aufeinander zu. Sie stützen sich ein Stück unter dem First durch einen kurzen monolithischen Bogen gegenseitig ab.

Wanden & Trekking. Die Fassade

Die Front des Tempels war ursprünglich fast 7 m hoch. Sie besitzt einen schmalen, hohen, sich nach oben verjüngenden Durchgang. Vor der Fassade liegt ein kleiner Vorhof, mit einer runden Mauer vom Haupthof abgetrennt.

Wanden & Trekking. Das Dach

Das Dach ist ein extrem steiles Satteldach aus Steinplatten. Das Ende des Giebels schmückte ein Akroter, in dem 20 Votivschwerter aus Bronze steckten. Diese wurden mit Blei in kleinen Löchern fixiert.

Wanden & Trekking. Die Wasserrinne

Das Wasser fließt durch eine Rinne, die in der Schwelle am oberen Ende der Treppe beginnt, in ein kleines Becken. Anschließend zieht sie sich durch den Vorraum, den kleinen inneren Hof und taucht durch die Hofmauer, die inneren und äußeren Hof voneinander trennt. Am Austritt liegt ein zweiter "kleiner Brunnen", der dem Quelltopf nachgebildet ist. Hier wurden die meisten der Opfergaben gefunden.

Wanden & Trekking. Opfergaben-Funde

Ein langes Votivschwert, Anstecknadeln, Ringe, Dolche, Armreifen, Bronzeknöpfe mit Tierköpfen, eine Bernsteinkette (!), Fragmente von Tongeschirr und -töpfen sowie kleine Statuen. Diese stellen vermutlich Krieger, Anführer und Opfernde dar. Viele Funde ähneln denen aus Etruskischen Siedlungsgebieten und lassen sich auf das Ende der Bronzezeit (12. - 9. Jh. v.Chr.) datieren.

Geschichte

Wanden & Trekking. Prähistorische Zeit

Verschiedene Bauphasen des Tempels lagen im 13. bis 9. Jh. v.Chr. (Ende der jüngeren Bronzezeit und Anfang der Eisenzeit).

Wanden & Trekking. Geschichte in historischer Zeit

Der Tempel Su Tempiesu wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit (9. Jh. v.Chr., Eisenzeit) von einem Erdrutsch verschüttet, aufgegeben und dadurch konserviert. Da die Gegend recht abgelegen ist, entdeckten die Grundbesitzer das Gemäuer erst 1953 zufällig bei Terrassierungsarbeiten. Bei der noch sprudelnden Quelle sollte ein Garten angelegt werden.

Es begannen Grabungen durch einheimische Archäologen. Die Ergebnisse wurden 1958 veröffentlicht.

Von 1981 - 86 wurde die Anlage dann unter Leitung der Archäologiebehörden weiter untersucht, restauriert und über eine Straße erschlossen.

1998 gab es weitere Ausgrabungen und Rekonstruktionen. Neuere nachgebildete Teile wurden dabei in einem anderen Farbton eingefügt, um sie von den Originalsteinen unterscheiden zu können. Der labile Hang oberhalb des Tempels wurde gegen drohende Erdrutsche gesichert.

Wanden & Trekking. Geschichtliche Einordnung der Nuraghenkultur ...

... siehe > Geschichte Sardiniens

Besichtigung und Infos

Wanden & Trekking. Besuch des Wassertempels

Im Besucherzentrum der Kooperative LARCO gibt es eine Ausstellung der Funde, viele Votivgaben aus Bronze. Hier zahlt man auch den Eintritt von 3 € (Erwachsene, Stand 2016). Es gibt auch eine kleine Cafeteria.

Die Tempelanlage liegt etwa 0:15 h Fußweg (800 m) vom Besucherzentrum entfernt. Der Weg beschreibt eine Runde, ein schöner Spaziergang über einen botanischen Lehrpfad.

Natürlich darf man von einem nuraghischen Tempel kein Machu-Picchu-Feeling erwarten. Immerhin ist der Brunnentempel 2.500 Jahre älter als die Blütezeit der Inkakultur. Trotzdem beeindruckt das kleine Ensemble den Besucher sehr. Auch wegen seiner Lage in der Wildnis der sardischen Berge ist Su Tempiesu eine Reise wert.

Wanden & Trekking. Anfahrt

... über die SS131bis und die Ausfahrt "Orune". Weiter 12 km auf der SP51 nach Orune. Beschildert ist die Anfahrt mit "Fonte sacra Su Tempiesu". Am Ortseingang von Orune rechts runter. Beim Friedhof links, der asphaltierten Straße folgen. Sie endet nach 5 km und einem letzten kurzen Stück Piste am kleinen Parkplatz des Besucherzentrums (Busse und Wohnmobile parken schon 200 m vorher, auf dem Parkplatz ca. 100 m nach dem Ende der Asphaltierung).

Wanden & Trekking. Öffnungszeiten

Täglich von 9:00 bis Sonnenuntergang.

Wanden & Trekking. Infos und Führungen ...

... unter cooplarco@tiscali.it, Sutempiesu.it oder 328-7565148. Über die Kooperative LARCO können auch Führungen (0:30 h) in italienisch und englisch organisiert werden. Sie kümmert sich um Ausgrabungen, Erhalt und Restaurierung der archäologischen Stätten um Orune.

Literatur: Führer, Karten ...

Wanden & Trekking. Wanderführer, Karten, Reiseführer ...

... siehe > Sardinien Literatur