Gefahren & Notfälle auf Bergwandertouren
Wandern - Trekking - Radfahren - Kanutouren


Stichworte zum Seminar für Wanderreiseleiter.

Brenta

Gefahren und Unfallrisiko
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Schneefeld queren, Stubaisubjektive Fehlleistungen als häufige Unfallursachen:
falsche Entscheidungen
mangelnde Vorbereitung
fehlende Ausbildung
Selbstüberschätzung
mangelhafte Ausrüstung
unzureichende körperliche Verfassung
Stolpern und Ausrutschen
Gruppendynamik (!!)
...

objektive Unfallursachen:
Steinschlag
Wettersturz
Gewitter
...

Faktoren verstärken sich gegenseitig > Gefahr steigt

Berg-Unfälle haben meist mehrere Gründe: z.B. Ausrüstung, körperliche Verfassung und Wetter
2/3 der Unfälle treffen Wanderer
Ca. 50 % der Beteiligten waren vor 20 Jahren jünger als 20 (wenig Erfahrung, hohe Risikobereitschaft)
heute ist daneben ein zweites Maximum im Altersbereich 50 bis 65 entstanden (Selbstüberschätzung, körperliche Verfassung)

Von den Wanderunfällen ereignen sich ...
50 % nach Ausrutschen/ Stolpern/ Gleichgewichtsverlust (Konzentration!/ Ausdauer)
17 % nach Verirren (Orientierung)
> 10 % durch Herz-Kreislaufprobleme (körperliche Verfassung)

75 % aller Unfälle lassen sich auf Mangel an Erfahrung zurückführen ...

... aber dazu hat man ja den Wanderführer ... oder?

wie kann der Wanderführer subjektive Fehlleistungen verhindern / vermeiden?

Wetter-Gefahren
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Wetter zieht auf, Stubaiunmittelbar (Wirkung auf den Wanderer):
Gewitter, Blitzschlag (direkter Schlag, Bodenströme)
Nebel (Orientierung) (in Bergen häufiger, Wolken = Nebel)
Kälte, Regen, Schnee, Wetterstürze (Unterkühlung, Erschöpfung, Erfrierung)
Sturm (Seitendruck, Auskühlung)
Hitze, Strahlung (Sonnenstich, Hitzschlag, Sonnenbrand, Schneeblindheit ...)

mittelbar (Wirkung auf Gelände, Ausrüstung etc.):
Schnee, Eis (Vereisung, Glätte, Orientierung ...)
Nässe (Glätte auf Stein und Gras)
sonstige: Bachdurchquerung, Steinschlag, etc.

Wandern im Quadrat Blitzschlag ...

... gehört besonders in den Bergen zu den großen Gefahren.
Blitze können - räumlich wie zeitlich - auch deutlich vor oder nach einem Gewitter auftreten.

30-30-Regel: Wenn der Abstand zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden beträgt, befindet man sich in der Gefahrenzone. Erst 30 Minuten nach dem letzten Blitz oder Donner ist man wieder sicher.

Unwahre Gerüchte:
ein Blitzschlagopfer zu berühren, ist gefährlich
ein Blitz schlägt nie zweimal in die selbe Stelle
ein ein Blitz schlägt immer in das höchste Objekt ein
=> all dies stimmt nicht!

Guter Schutz:
Hütte oder Haus mit geschlossenen Türen / Fenstern
geschlossenes KFZ
große Höhlen und Mulden (Abstand zur Wand mind. 1 m)
steile Felswände (Abstand zur Wand mind. 1 m)

Schlechter Schutz:
Zelt (Stangen wirken wie Blitzableiter)
offene Unterstände (Seitenblitze)
kleine Nischen und Überhänge
wasserführende Bachbetten

Wald ist besser als freie Lichtung

Gefahr:
einzelne Bäume
Grate und Gipfel
Drahtseile
Stromleitungen, Seilbahnen, Skilifte
Gegenstände über Schulterhöhe (z.B. Wanderstöcke, die vom Rucksack aufragen)

Verhalten bei Gewitter
mit geschlossenen Beinen Kauerstellung einnehmen
Schrittspannung meiden
mit kleinstmöglicher Fläche den Boden berühren
isolierende Unterlage, evtl. auf trockenen Rucksack setzen
nicht flach hinlegen
Handys im Rucksack verstauen
Metallobjekte in sicherer Entfernung ablegen
kein Metall direkt auf der Haut (Verbrennungsrisiko)
Abstand von Wänden 3 m
Höhle: Abstand zur Decke 1 m, Abstand zum Eingang 1 m, Abstand zur Wand 2 m
Wenn man Kribbeln spürt und sich die Haare aufstellen: schnell mit geschlossenen Füßen in Kauerstellung gehen!
Elmsfeuer deuten auf unmittelbar bevorstehenden Einschlag hin
mehrere Personen nicht dicht zusammenstehen!

Achtung: durch unkontrollierte Muskelkontraktionen oder Schockwelle des Blitzschlages besteht Absturzgefahr!

Viele Unfälle ereignen sich im Vorfeld von Gewittern bei übereiltem Rückzug. Trotz gebotener Eile: Ruhe bewahren!

Nach dem Blitzschlag
Die häufigsten Todesursachen sind Herz- oder Atemstillstand. Durch Wiederbelebungsmaßnahmen können viele Betroffene gerettet werden, die dann meist wieder vollständig genesen. Also: Erste-Hilfe-Kurse auffrischen!
Manchmal ist der Puls da, und nur die Atmung fehlt: dann reicht künstliche Beatmung oft zur Wiederbelebung.
Rettungseinsätze bei Gewitter sind riskant, und werden daher oft nicht sofort durchgeführt.
Blitzopfer sollten auf jeden Fall sofort ins Krankenhaus, da Folgekomplikationen auch noch Stunden nach dem Schlag auftreten können.

Wandern im Quadrat Unterkühlung:

Starkes Absinken der Körpertemperatur.
Symptome: Muskelzittern, schneller Puls und schnelle Atmung, schwindende Muskelkraft.
Eine der häufigsten Todesursachen bei Bergwanderungen!
Unterkühlung kann bei ungünstigen Bedingungen schon bei + 10 Grad C auftreten (z. B. nach Verletzungen, Nässe ...).
Die erste Warnung, das Zittern, wird durch Alkohol häufig außer Kraft gesetzt.

Maßnahmen bei Unterkühlung:
Schutz vor weiterer Auskühlung.
Aktive und passive Bewegungen vermeiden, keine Massagen, Transport so schonend wie möglich (Gefahr des Bergungstodes)!
Heiße, gezuckerte Getränke, kein Alkohol.
Atmung und Kreislauf beobachten.
Keine aktive Wärmezufuhr, keine heißen Bäder. Kaltes Peripherieblut darf nicht in den Körperkern gelangen!

Das Wichtigste: Vorbeugung! (s.u.)

Wandern im Quadrat Erfrierungen ...

... ersten Grades: Haut ist wachsweiss, kalt, gefühl- und schmerzlos. Kann durch Erwärmung (schmerzhaft) kuriert werden.
... zweiten Grades: Blasen, blaurote Haut. Tritt erst nach 2-3 Tagen auf.
... dritten Grades: nach mehreren Tagen: Haut wird schwarz und hart wie Porzellan. Betroffene Körperteile müssen amputiert werden.

Anfangs sieht jede Erfrierung aus wie eine erstgradige. Daher immer vom schlimmsten (3. Grad) ausgehen.

Maßnahmen:
Erfrorene Stellen mit eigener oder fremder Körperwärme anwärmen. Nicht mit Schnee einreiben.
Benachbarte Körperteile (nicht die betroffenen Stellen) durch Massieren passiv bewegen.
Heiße, gezuckerte, salzreiche Getränke. Kein Alkohol!
Unterkunft suchen. In der warmen Unterkunft können heiße Alkoholgetränke gegeben werden.
Erneute Kälteeinwirkung unbedingt vermeiden!
Bei stärkeren Erfrierungen so schnell wie möglich zum Arzt.

Wandern im Quadrat Wie schütze ich mich gegen wetterinduzierte Gefahren ?

Vorbereitung: Wetterbericht. Bei ca. 80 % der wetterbedingten Unfälle ist die Wetterprognose richtig (Vermeidbarkeit!).
Vorbereitung: Tourenplanung (wann, wo, Abbruchmöglichkeiten, Schutzmöglichkeiten etc.)
Ausrüstung: Kälteschutz, Regenschutz, Strahlungsschutz, Biwaksack, Orientierungshilfen (Kompass, Höhenmesser, GPS ...)
mit Ausrüstung immer auf der sicheren Seite sein!
Auf Wetterstürze und Zwangspausen vorbereitet sein!
Beobachtung: frühzeitig und laufend
Mental: sich Wettergefahren bewusst sein und mögliche Reaktionen vorher durchdenken (Angstlähmung vorbeugen!)

3 Grundregeln !!!
Aktuelle Wettervorhersage für Tourengebiet einholen
Wetterentwicklung im Gebiet frühzeitig und laufend beobachten
Auf Wetteränderungen vorbereitet sein

Steinschlag
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besonders häufig nach Regen, Frostwechsel und starken Temperaturschwankungen (auch Tag/Nacht)
Schutthänge und Moränenflanken besonders labil!
Auch im Mittelgebirge!
starke Zunahme des Steinschlags durch Klimaerwärmung

Maßnahmen

Vermeiden!
Haftung des Verursachers, wenn fahrlässig!
fremde Gruppen beobachten!
möglichst nicht übereinander Gehen!
Bei Serpentinen warten!
Nah zusammen bleiben!
bei Steinschlag warnen!
zum Fels ducken

Gefahren Schnee/Firn
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Nicht nur im Hochgebirge!

  • 2015: Lawinenopfer im Schwarzwald

Flüsse oder Bäche unter Schneefeldern
Lebensgefahr!

überwächtete Grate
deutlich neben dem Grat gehen

Viele Abstürze bei Firnfeldquerungen
Feste Schuhe!
Bremsen auf Firnfeldern üben

Risiko Herz/Kreislauf
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einige Zahlen (Quelle: DAV)
Häufige Unfälle beim Wandern durch Kreislaufprobleme, Überlastung und Erschöpfung (20 % der Wanderunfälle)
Herz-/Kreislaufprobleme gut 10 % der Wanderunfälle
Todesfälle beim Wandern zu ca. 30 % - 50 % durch Herzversagen (oft bei Leuten, die nicht regelmäßig Sport treiben)
Charakteristische Auslöser eines plötzlichen Herztodes sind ungewohnte oder plötzliche starke Belastung, abrupter Belastungsabbruch, Belastung kurz nach dem Essen, sehr kalte oder schwül-heiße Witterung oder ein grippaler Infekt.

Maßnahmen:

große Anstrengungen am 1. Tag vermeiden
langsam Losgehen (mind. 0:20 h, auch gut für Ausdauer!)
zu starke Anstrengungen bei extremen Witterungsverhältnissen vermeiden
nicht mit akuten grippalen Infekten wandern
regelmäßig essen & trinken
bei der Selbsteinschätzung helfen

Typische Zwischenfälle
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StubaiHitzeohnmacht & Hitzeerschöpfung
Behandlung: kühle Umgebung, Kleidung öffnen, leichte Schocklage, kühle Wickel, trinken
Vorbeugung: viel trinken, Hitze meiden, Hitzestau vermeiden, Sonnenschutz

Dehydratation (Austrocknung)
Behandlung: Trinken
Vorbeugung: Trinken

Unterzucker
Behandlung: Zucker zuführen
Vorbeugung: genügend essen

Gefahr durch Weidevieh

Neueres Phänomen:
Strengere Vorschriften für Viehhaltung auf Almen
extensivere Haltung
verstärkte Mutterkuhhaltung und freie Stiere
=> Steigende Unfallzahlen durch Weidevieh

Vermeidung:
dem Vieh nicht direkt in die Augen schauen
Distanz von 20 m einhalten
nicht von hinten nähern
auffällige Gesten und Rufe unterlassen

Alpines Notsignal

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Alpines Notsignal:

6 x pro Minute Signal geben (optisch/akustisch)
1 Minute Pause, dann wieder 6 x /min Signal
Antwort: 3 x /min Signal

Notsignal akustisch, optisch per ...
Taschenlampe
Kamera
Pfeiffe
Spiegel
Signalraketen
...

Yes or No?

Bei Sichtkontakt gibt es ein weiteres internationales Notsignal:

Yes or No?
Yes = Ja, wir brauchen Hilfe
No = Nein, wir brauchen Nichts

Y = Yes = ich brauche Hilfe: Eine Person steht aufrecht mit geschlossenen Beinen und über dem Kopf ausgebreiteten Armen. Sie bildet ein Y nach.

N = No = ich brauche keine Hilfe: Eine Person seht aufrecht mit geschlossenen Beinen, hebt den rechten gestreckten Arm und senkt den linken. Sie formt den mittleren schrägen Balken des Buchstaben N.

Dieses System eignet sich auch, um ggf. mit einem Helikopterpiloten zu kommunizieren und seine Fragen mit Ja oder Nein beantworten zu können.

Notfall managen!
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Maßnahmen

Selbstschutz (Gruppe braucht einsatzfähige Führung, Verletzter braucht einsatzfähigen Retter)

Gruppenschutz, Gäste beschäftigen, Gruppe führen!

Verletzten vor weiterem Übel schützen, aus der Gefahrenzone bringen (Rautek-Griff, Ziehen an Kleidung oder per Plane)

Erste Hilfe leisten (regelmäßig Kenntnisse auffrischen!)

Notruf absetzen (im Zweifel für den Helikopter! Bsp. Nepal)

Verletzten betreuen (Zuspruch, Wärme, Beobachten ...)!!!
ggf. Transport zum Lande- oder Bergeplatz
Gruppe nicht vergessen (Bsp. Zugspitze)!

Notruf absetzen
Übersicht verschaffen
In der Ruhe liegt die Kraft

Notfall klar erfassen
Welche Notlage?
Welche Verletzungen?
Wie viele Personen?

Notrufnummer 112 ... oder?
Feuerwehr
Polizei
Rettungsleitstelle (direkte Nummer auf Handy speichern, beim ADAC erhältlich)
D: 112 (o.V.) oder 19222 (mit Vorwahl)
A: 140 (ohne Vorwahl, Bergrettung), 144 (ohne Vorwahl, Landrettung)
CH: 1414 (o.V.)
I: 118 (o.V.)

Welche Informationen?
Wo? Ortsbezeichnung, Koordinaten, Höhe ... (zuerst Standort angeben, falls Kontakt abbricht! Bsp. Handyakku)
Was?
Wie viele Verletzte?
Welche Verletzungen? Notarzt oder nicht
Wer? ... ruft an? Handynummer (ggf. Akku sparen, Leitung frei halten)
Wetter? für Heli
Hindernisse, getroffene Maßnahmen, eigene Mittel ...
Fragen lassen!

Helikopter
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Landefläche vorbereiten

50-100 m Anflugbereich
25 x 25 m Fläche
4 x 4 m möglichst ebene Aufsetzfläche
Landung gegen den Wind
Fläche aussuchen (hart, eben)
Hindernisse und lose Gegenstände wegräumen
Fläche ggf. markieren (Licht, Plane, Rauch ...)

Helikopter einweisen

Gruppe aus dem Landebereich entfernen
Y mit Rücken zum Wind, Tuch oder Flatterband in der Hand
Landefläche räumen, wenn Pilot Stelle erkannt hat
Pilot entscheidet!
auf Zeichen des Piloten achten
Annäherung nur auf Zeichen und nur von vorn (Sichtbereich des Piloten) und nicht von der Bergseite

ein paar Zahlen
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Unfallstatistik Alpen:
Wanderunfälle 29,6 %
Unfälle beim Bergsteigen und Hochtourengehen 13,6 %
Unfälle beim Fels- und Eisklettern 12,8 %
Skitourenunfälle 11,0 %
Unfälle beim Pistenskilauf, Variantenfahren und Langlauf 28,3 %
Mountainbike-Unfälle 2,8 %
Quelle DAV: Auswertung der Versicherungsfälle der Mitglieder

Häufigkeit der Arztbesuche pro 1000 Stunden Sportausübung:
Wandern (0,1)
Klettern (0,1)
Skitourengehen (0,3)
Mountainbiken (0,5)
Pistenskifahren (0,8)
Fußballspielen (2,6)
Volleyball/Beachvolleyball (2,3)
Nicht berücksichtigt ist bei dieser Art der Einstufung die Schwere der Unfallfolgen!

Literatur
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Pit Rohwedder: Outdoor Leadership
Panorama: Mitgliederzeitung des DAV
Berg & Steigen: Fachzeitschrift für Bergführer
Pit Schubert: Sicherheit und Risiko in Fels und Eis (Band 1-3)
Veröffentlichungen des DAV Sicherheitskreises
Bergunfallstatistik des DAV

Links
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www.TrekkingGuide.de/gesundheit.htm: So bleibt man auf Wanderreisen gesund.

www.TrekkingGuide.de/wetter.htm: Vermeidung wetterbedingter Notfälle.

Bergwandern gefährlicher als Autofahren? Zum Unfallrisiko beim alpinen Wandern. Rainer Brämer (5 Seiten pdf)

Tourist-Online.de/bergsicherheits-guide: Viele Informationen zum Thema Bergsicherheit als kostenloser Download (pdf).

weitere Literatur unter > Literatur