CHILE: SANTIAGO DE CHILE

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... die Hauptstadt.

Stadtpark Santiago de Chile

Wandern zum SeitenanfangSantiago de Chile

Santiago ist die Hauptstadt von Chile. Im städtischen Siedlungsgebiet leben 5,5 Millionen Menschen, in der gesamten Region sind es über 6 Millionen (2002). Damit leben etwa 40 Prozent aller Chilenen in der Hauptstadt oder in ihrer direkten Umgebung.

Die Stadt ist das politische Zentrum Chiles, auch wenn das chilenische Parlament, der Nationalkongress, in Valparaíso tagt. Santiago ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, meist erster Anlaufpunkt für den Reisenden sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum in Chile. Die bedeutendsten Unternehmen Chiles haben ihren Sitz in Santiago.

Wandern im Quadrat Bauwerke

Trotz der langen Geschichte befinden sich nur wenige historische Bauten aus der spanischen Kolonialzeit in der Stadt, da Santiago - wie der Rest des Landes - regelmäßig von Erdbeben heimgesucht wurde. Zu den Gebäuden aus dieser Zeit zählen unter anderem die Casa Colorada (1769), die Iglesia San Francisco (1586) und die Posada del Corregidor (1750).

Ein anderer Grund, dass es an alten Gebäuden aus dieser Zeit mangelt, ist der Neureichtum Chiles. Zur Zeit der spanischen Kolonie hatte die Stadt wirtschaftlich nur eine geringe Bedeutung, der Aufschwung kam erst nach der Unabhängigkeit. Viele Gebäude wurden hauptsächlich im neoklassizistischen Stil errichtet.

Die Kathedrale am zentralen Platz ( Plaza de Armas ), 1745 nach Plänen von Joaquim Toesca erbaut, zählt ebenso zu den Sehenswürdigkeiten, wie La Moneda, der klassizistische Präsidentenpalast, der bis 1981 noch die Einschüsse zeigte, die General Pinochets Truppen beim Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende 1973 hinterlassen hatten. Das ursprüngliche Gebäude entstand zwischen 1784 und 1805 nach Plänen des Architekten Joaquín Toesca. Seit 1846 ist der Präsidentenpalast Sitz der Regierung des Landes.

Weitere Gebäude am Plaza de Armas sind die 1882 fertiggestellte pastellfarbene Hauptpost ( Correo Central ) und der zwischen 1804 und 1807 erbaute Palacio de la Real Audiencia, in dem am 18. September 1810 - heute Datum des Nationalfeiertages - die erste Regierung des Landes tagte. Der Palast beherbergt das Historische Museum mit rund 12.000 Ausstellungsstücken. Im Südosten des Platzes steht die 1893 erbaute blaue Eisenkonstruktion des Edwards-Kaufhauses ( Edificio Comercial Edwards ) und der 1769 fertiggestellte Kolonialbau der "Casa Colorada", Sitz des historischen Stadtmuseums.

Nahe befindet sich das Stadttheater ( Teatro Municipal ). Das 1906 durch ein Erdbeben zerstörte Gebäude wurde 1857 nach Plänen des französischen Architekten Brunet des Baines errichtet. Nicht weit vom Theater die "Mansión Subercaseaux" (heute Sitz der Banco Edwards) und die Nationalbibliothek (eine der größten Bibliotheken Südamerikas). In Gegenrichtung gruppieren sich der frühere Nationalkongress, der Justizpalast und das Königliche Zollhaus ( Palacio Real Casa de Aduana ) mit dem Museum für Präkolumbische Kunst.

Der ehemalige Nationalkongress ( Congreso Nacional ) steht nahe dem Boulevard Liberador Bernado O'Higgins. Die Arbeiten am ursprünglichen Gebäude begannen 1858 nach Plänen des Architekten Brunet des Baines. Ein Feuer zerstörte das Bauwerk 1895. Es wurde anschließend umgebaut und 1901 im neoklassizistischen Stil wieder eröffnet. Der erste chilenische Nationalkongress wurde am 4. Juli 1811 durch Beschluss (1810) der Regierungsjunta in Santiago gebildet. Unter der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1989) wurde der Kongress entmachtet und nach Ende der Diktatur in Valparaíso am 11. März 1990 neu konstituiert.

Am Plaza Montt steht das Gebäude des Justizspalastes ( Palacio de Tribunales ). Das Bauwerk entstand zwischen 1907 und 1926 nach Plänen des Architekten Emilio Doyére. Es ist Sitz des Obersten Gerichtshofes ( Corte Suprema de Justicia ). Das Kollegialgericht mit 21 Richtern ist die höchste richterliche Gewalt in Chile. Die Richter werden von den Richtern des Obersten Gerichts vorgeschlagen und vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt. Das Gebäude ist auch Sitz des Obersten Berufungsgerichtes des Landes.

Die Calle Bandera führt zum 1917 fertiggestellten Gebäude der Handelsbörse ( Bolsa de Comercio ), zum 1925 eröffneten "Club de la Unión", zur Universidad de Chile (1872) und zur ältesten Kirche der Stadt, der Iglesia de San Francisco (1586 bis 1628 erbaut) mit der Marienstatue "Virgen del Socorro" von Pedro de Valdivia. Nördlich der Plaza de Armas führt die Paseo Puente zur Santo-Domingo-Kirche (1771) und zur Markthalle (Mercado Central), einer mächtigen Eisenkonstruktion. Im Zentrum Santiagos steht der Torre Entel , ein 127,4 Meter hoher Fernsehturm mit Aussichtsplattform. Der Turm wurde 1974 fertiggestellt. Er gehört der Telefongesellschaft ENTEL Chile und dient als deren Kommunikationszentrum.

Mit dem Costanera Center entsteht ein kommerzielles und architektonisches Wahrzeichen der Hauptstadt. Dabei geht es um eine Kombination aus Arbeitsplätzen, Wohnungen, sowie Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten verwirklicht worden sein. Zu dem Projekt mit einer Gesamtfläche von 600.000 Quadratmetern gehören der 300 Meter hohe Gran Torre Costanera (höchstes Gebäude Südamerikas) und drei weitere Geschäftsgebäude mit Einkaufszentren, Geschäften, Kinos, einem Vergnügungszentrum, gastronomischen Einrichtungen, Hotels, Büros und Luxuswohnungen. Der vier Bürotürme umfassende Gebäudekomplex erhält einen eigenen Autobahn- und U-Bahn-Anschluss. Die Fertigstellung war für 2009 geplant, wegen der Wirtschaftstkrise wurden die Bauarbeiten jedoch zeitweise eingestellt, Ende 2009 jedoch wieder aufgenommen, wodurch sich die Fertigstellung auf 2011 verzögert.

Wandern im Quadrat Parks

Am Rande der Altstadt liegt der Cerro Santa Lucia, eine grüne Parkoase auf dem Hügel, auf dem Santiago gegründet wurde. Schon im 19. Jahrhundert und als Teil eines Verschönerungsplanes für Santiago, speziell in Vorbereitung auf die "100 Jahrfeier der Chilenischen Republik", wurden unter Mitwirkung von Benjamín Vicuña Mackenna die Festungsbauwerke auf dem "Santa Lucía" geschleift: Fußwege, eine Kapelle auf der Hügelspitze, mehrere Brunnen und Erker gebaut und schließlich einige Bäume angepflanzt, so dass der Hügel heute einen parkähnlichen Charakter besitzt.

Der Cerro San Cristóbal mit dem "Parque Metropolitano" ist ein in die Stadt hineinragender Vorläufer der Anden, der mit einer Standseilbahn und einer Seilbahn erklommen werden kann. Sein alter Name war Tupahue , er wurde von den spanischen Eroberern nach dem heiligen Christophorus umbenannt. Auf dem Berg befinden sich unter anderem der Zoo von Santiago, eine Kirche, ein Amphitheater und eine 22 Meter hohe Marienstatue, ein Wahrzeichen der Stadt.

Der "Parque Forestal" erstreckt sich am Südufer des Río Mapocho. Im Park befinden sich der "Palacio de Bellas Artes" mit dem Museum der schönen Künste (Museo de Bellas Artes) und das Kulturzentrum "Estacion Mapocho", in dem jedes Jahr eine Buchmesse stattfindet. Ein weiterer Park ist der "Parque Quinta Normal", in dem sich mehrere Museen, Spielplätze, Fahrradwege und ein Teich befinden. Im O'Higgins-Park, benannt nach Chiles Gründungsvater Bernardo O'Higgins, befinden sich das Marsfeld mit Paradestraße, Fantasilandia (ein Vergnügungspark) und die kreisrunde "Arena Santiago" mit einem Fassungsvermögen für 12.000 Zuschauer.

Wandern im Quadrat Freizeit und Erholung

Santiago ist eine der wenigen Metropolen, von denen aus das Meer ebenso schnell erreichbar ist wie die Skigebiete. In einem Radius von etwa 100 Kilometern von der Stadt entfernt liegen die Badeorte Viña del Mar und Valparaíso sowie zahlreiche Skigebiete der Anden.

Im Tal des Río Maipo (Cajón del Maipo) befinden sich mehrere Weingüter, die zum Teil schon seit dem 19. Jahrhundert Wein herstellen. "Viña Concha y Toro" ist das größte und ertragreichste Weingut des Landes, "Viña Santa Carolina" zählt zu den ältesten Weingütern Chiles, dessen Keller zum Nationaldenkmal erklärt wurden, und "Viña Santa Rita" wurde bereits 1880 gegründet.

Wichtige Zuflüsse des Río Maipo sind der Río Yeso, der Río Colorado und der Río Mapocho . Der Fluss ist vor allem bei Kajakfahrern beliebt. Mehrere Picknickplätze, Restaurants und kleine Siedlungen liegen zwischen den Hügeln und Bächen des Tales. Von hier ist der Nationalpark "Monumento Natural El Morado" mit dem 5060 Meter hohen "Morado" zu erreichen. Der Gipfel ist ein beliebtes Ziel für Trekking- und Bergsteigtouren.

16 Kilometer von San José de Maipo entfernt befindet sich auf einer Höhe von 2200 Metern das Skizentrum "Lagunillas". Hier kann auf zahlreichen Pisten Wintersport betrieben werden. Das Skigebiet ist bisher noch relativ bescheiden ausgebaut. Für die Zukunft existieren aber umfangreiche Bebauungspläne.

Wandern im Quadrat Links:

Santiago de Chile - Reiseinformationen bei Wikivoyage

www.ciudad.cl - offizielle Website der Stadtverwaltung

www.misantiago.cl - interaktive Karte von Santiago (spanisch)

Wandern zum SeitenanfangGeschichte Santiago de Chile

Wandern im Quadrat Stadtgründung

Im Dezember 1540 erreichte der spanische Konquistador Pedro de Valdívia mit 170 Soldaten, davon die meisten zu Pferde, über den Inka-Pfad, wo heute die Straßen Independencia und Bandera liegen, den Río Mapocho und das inkaische Verwaltungszentrum "Tambo Grande", das an der Stelle der heutigen Plaza de Armas erbaut war. Nach einer kurzen Überquerung des Mapocho wurden, um die Kontrolle über die Gegend zu erhalten, die Verwaltungsgebäude besetzt.

Die durch Kuriere des Inka-Herrschers Manco Cápac II. vorgewarnte Bevölkerung hatte ihre Lebensmittel versteckt und zeigte sich feindselig gegenüber den Besatzern. Zudem war den spanischen Invasoren schon bei der Ankunft der Proviant ausgegangen und unter Hunger leidend brauchten sie noch 20 Tage, bis es Pedro de Valdívia mit Geschick und Druck gelang, die Bevölkerung zu Verhandlungen und Kooperation zu nötigen.

Santiago wurde dann im Februar 1541 von Pedro de Valdívia unter dem Namen "Santiago del Nuevo Extremo" gegründet. Der Name sollte an die spanische Wallfahrtsstadt Santiago de Compostela erinnern. Im selben Akt wurde die Umgebung zur Provinz "Nueva Extremadura" ernannt. Die Zeremonie fand auf dem Hügel Cerro Santa Lucía statt, der heute ein Park am Rande des historischen Zentrums ist. Valdívia wählte den Ort, weil der Río Mapocho hier eine größere Insel bildete. Diese Lage war günstig, um die Stadt gegen die Angriffe der Mapuche zu verteidigen.

Der Grundriss der neuen Stadt bestand aus geradlinigen Straßen, die in gleichmäßigen Abständen oder rechtwinklig zueinander angeordnet waren. Mit neun Straßen in Ost-West-Richtung und 15 in Nord-Süd-Richtung wurden 126 Blöcke gebildet, die sogenannten "Manzanas" oder, wenn quadratisch zugeschnitten, auch "Cuadras" genannt. Eine Cuadra wurde als Plaza Mayor vorgesehen und die übrigen wurden unter den Konquistadoren aufgeteilt.

Wandern im Quadrat Aufstand

Der Widerstand der indigenen Bevölkerung lebte bald wieder auf und mündete in schwere Auseinandersetzungen. Auch mit einer Meuterei aus den eigenen Reihen musste Pedro de Valdívia fertig werden. In der immer weiter eskalierenden Situation ließ er alle Kaziken im Tal des Mapocho aufgreifen und in seinem Haus in Santiago gefangen halten.

Im September 1541 begann ein organisierter Aufstand mit einem Überfall auf Santiago. Pedro de Valdívia befand sich zur gleichen Zeit mit einem Teil seiner Truppe südlich im Tal Cachapoal in Kämpfe verwickelt. Die in einer großen Überzahl angreifenden Indios - von Zeitgenossen übertrieben auf 10.000 Personen geschätzt - konnten Santiago niederbrennen und fast wäre es ihnen gelungen, die gefangenen Kaziken zu befreien.

Kurz vor einer Niederlage konnte Inés de Suárez, die Lebensgefährtin von Pedro de Valdívia, mit einer grausamen Idee das Blatt doch noch wenden. Sie schlug vor, den sieben gefangenen Kaziken den Kopf abzuschlagen, um diese dann den Angreifern vor die Füße zu werfen. Die Männer glaubten erst nicht an diesen Vorschlag, doch Inés setzte ihren Plan durch. Sie selbst köpfte den ersten persönlich mit dem Schwert. Als die Indianer die Köpfe in den Händen der spanischen Angreifer sahen, setzten sie zu einem konfusen Rückzug an. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gelang es dann, die Attacke endgültig abzuwehren.

Mit diesem spektakulären Ereignis begann ein sich drei Jahre hinschleppender Kriegs- und Belagerungszustand. Die Cuadra an der Nordseite der Plaza de Armas wurde mit einer sie vollständig umgebenden Lehmmauer von 2,50 Meter Höhe und 2,10 Meter Tiefe zur Fliehburg ausgebaut, mit vier niedrigen Türmen in den Ecken und Räumlichkeiten zum Lagern von Waffen und Waren. Die Konquistadoren befanden sich in einer äußerst prekären Situation. Sie litten unter permanenter Lebensmittelknappheit und waren völlig isoliert. Jagen war schwierig, und eigener Ackerbau schaffte wenig Erleichterung. Sogar die Kleidung ging ihnen aus, sodass sie sich schließlich wie die indigene Bevölkerung anziehen mussten.

Pedro de Valdívia entsandte im Januar 1542 Alonso de Monroy mit fünf Reitern nach Peru, um Hilfe anzufordern. 20 entbehrungsreiche Monate mussten sich die Santiaguiner dann noch behaupten, bis im Dezember 1543 Monroy mit 70 Reitern und einer Hilfslieferung zurück kam. Damit war die isolierte und demoralisierte Situation von Santiago beendet. Der Aufstand war gescheitert, die Indios zogen sich zurück nach Süden und die Stadt war relativ sicher. Etwa ein halbes Jahr später kam weitere Unterstützung mit Juan Bautista Pastene, und von Santiago aus begannen systematisch Expeditionen, um das Land zu kolonisieren.

Wandern im Quadrat Kolonialzeit

Nach dem Fall von Concepción 1555 marschierten die Mapuche erneut auf Santiago zu. Sie zogen sich allerdings nach der Zerstörung der Festung Peteroa überraschend zurück, da sie einen stärkeren spanischen Angriff erwarteten. Pedro de Villagrán, dem Kommandanten der Festung Imperial, gelang es in einem nächtlichen Überraschungsangriff den Kriegshäuptling Lautaro im April 1557 zu töten.

Die ersten Gebäude Santiagos wurden mit Hilfe von Picunche -Indianern errichtet. Ein weiter südlich verlaufender Arm des Río Mapocho wurde später trockengelegt und zur Hauptstraße Alameda umgewandelt (heute heißt sie: Avenida Libertador Bernardo O'Higgins ). Der Begriff Alameda stammt von álamo, einer in Zentralchile verbreiteten Pappel, und bezeichnet eine Art Allee. 1778 wurde die erste Brücke über den Río Mapocho gebaut, die Brücke Puente Cal y Canto, diese verband den außenliegenden Stadtteil La Chimba mit dem Zentrum.

Die Landwirtschaft in der Umgebung Santiagos bildete einen wichtigen Wirtschaftszweig. Hier setzte sich das Encomienda und später Hacienda genannte System durch, bei dem die Indígenas durch ein System aus Patronage und Repression de facto als Sklaven gehalten wurden. Immer wieder wurde die Sklavenhaltung offiziell (von europäischen Herrschern) verboten und von anderen wieder eingeführt, ohne an der faktischen Unterdrückung etwas zu ändern. Per Erlass war es den Spaniern verboten, mit Indianern zusammenzuleben.

Neben den indianischen Angriffen behinderten schwere Erdbeben die Entwicklung der Stadt. 1647 zerstörte ein schweres Erdbeben Santiago, 1730 und 1783 folgten weitere verheerende Beben. Zwischen 1598 und 1723 behinderten auch Konflikte mit niederländischen Händlern die spanische Kolonialherrschaft.

Wandern im Quadrat Unabhängigkeit

1817 fand in Colina, nördlich von Santiago, die Schlacht von Chacabuco statt. Hier besiegten argentinische und chilenische Unabhängigkeitskämpfer unter der Führung von José de San Martín und Bernardo O'Higgins die spanischen Royalisten. Chile proklamierte daraufhin seine Unabhängigkeit. Der Weg nach Santiago war nun frei und die Unabhängigkeitskämpfer konnten in die Stadt einziehen. Trotzdem waren die Spanier noch nicht komplett geschlagen.

Die Entscheidung um die Unabhängigkeit Chiles fiel im April 1818 in der Schlacht von Maipú, auf einer Ebene südlich von Santiago. Hier besiegten die chilenischen Streitkräfte unter Bernardo O'Higgins die Spanier und bestätigten damit die Unabhängigkeitserklärung vom 12. Februar 1817. Im Verlauf der Schlacht starben 2.000 Spanier und 3.000 wurden Gefangene. Die Chilenen verloren 1.000 Mann. Bernardo O'Higgins wurde das erste Staatsoberhaupt des unabhängigen Chile.

Während der sogenannten Ära der Autoritären Republik (ab 1830), die bis zum Bürgerkrieg 1891 dauerte, wurde das Schulsystem eingeführt und das Kulturleben erfuhr eine Blüte: 1843 erfolgte in Santiago die Gründung der Universidad de Chile und 1888 der Pontificia Universidad Católica. Im Dezember 1863 wurde die Jesuitenkirche Iglesia de la Compañía durch ein Feuer zerstört. Den mehr als 2.000 Opfern des Brandes errichtete man genau zehn Jahre später ein Denkmal. Im Jahre 1885 lebten 190.000 Menschen in Santiago. Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich die Arbeiter zu organisieren und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. 1898 wurde mit der Sociedad de resistencia (Widerstandsvereinigung) der erste Vorläufer der chilenischen Gewerkschaften von Eisenbahnarbeitern in Santiago gegründet.

Wandern im Quadrat Krise, Bauboom und Zuwanderung

In der Regierungszeit von Germán Riesco Errázuriz (1901-1906) wurde der Edelmetallanteil der Münzwährung verringert und damit der Peso deutlich abgewertet, was zu einem Anstieg der Inflation führte. Eine Spekulationswelle durchzog das Land und erschütterte die Wirtschaft der Hauptstadtregion. Drastische Preiserhöhungen waren die Folge, es kam zu Arbeiteraufständen und großen Demonstrationen in Santiago. Die Regierung setzte das Militär ein; etwa 200 Menschen starben bei den Auseinandersetzungen.

In den 1930er Jahren begann die Umwandlung der Stadt in eine moderne, industrialisierte Metropole. Rund um den Präsidentenpalast ( La Moneda ) entstand das Verwaltungsviertel Barrio Cívico mit vielen Ministerien und anderen öffentlichen Einrichtungen. Die Bevölkerungszahl stieg durch die Zuwanderung aus Nord- und Südchile rasant an und überschritt um 1940 die Grenze von einer Million. Bis 1960 hatte sie sich auf zwei Millionen verdoppelt. Dies führte besonders in den Armenvierteln Santiagos zu einer Verschärfung der sozialen Situation. Zahlreiche Kinder galten als unterernährt, viele Familien waren obdachlos, und die Arbeitslosigkeit hoch.

Nach dem Wahlsieg von Salvador Allende wurden ab 1970 die Löhne der Arbeiter und Angestellten um 35 bis 60 Prozent erhöht. Die Preise für die Miete und wichtige Grundbedarfsmittel wurden eingefroren. Schulbildung und Gesundheitsversorgung erfolgten kostenfrei. Jedes Kind bekam Schuhe sowie täglich einen Liter Gratismilch. Die Kindersterblichkeitsrate in der Hauptstadtregion sank so um 20 Prozent. Der Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik lag in der Enteignung von ausländischen Großunternehmen und Banken.

Wandern im Quadrat Armeeputsch 1973

Am 11. September 1973 putschte das Militär unter Augusto Pinochet und blockierte die Verkehrswege und Kommunikation von Santiago nach Viña del Mar und Valparaíso. Mit Kampfflugzeugen der Luftwaffe bombardierten sie in den frühen Morgenstunden den Präsidentenpalast "La Moneda". Gegen 14:00 Uhr begann die Armee mit der Erstürmung des Palastes. Nach kurzem Gefecht ordnete Allende die Kapitulation an, nur er selbst blieb im "Saal der Unabhängigkeit" zurück und nahm sich dort das Leben.

Im Nationalstadion von Santiago wurden die Opfer interniert, viele von ihnen gefoltert und getötet. Der Putsch in Chile unter General Augusto Pinochet leitete eine 17-jährige Diktatur und radikale marktorientierte Wirtschaftsreformen ein. Nach den bürgerkriegsähnlichen, von unglaublicher und massenhafter Gewalt seitens der Militärs geprägten Wochen nach dem Putsch mit Tausenden Toten ging das Regime in den nächsten Jahren dazu über, die politische Opposition auszuschalten. Hunderte Menschen wurden entführt, gefoltert oder "auf der Flucht erschossen".

Wandern im Quadrat Wirtschaftskrise und Aufschwung

Mit der Wirtschaftskrise 1982/1983 kam es in Santiago zu massiven Protesten, in deren Folge erneut massiv gegen Oppositionelle vorgegangen wurde. So wurden während der Protesttage 1983 und 1984 zahlreiche Menschen erschossen, Demonstranten und Unbeteiligte, zum Teil aus fahrenden Autos heraus. Die willkürliche Gewalt, Hausdurchsuchungen und Militäreinsätze in den Armenvierteln Santiagos (poblaciones) nahmen immer größere Ausmaße an. Hier kämpfte die linksgerichtete Stadtguerilla Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR) gegen die Diktatur.

Im Laufe der 1980er Jahre wurden mehrere Oppositionelle "bei bewaffneten Auseinandersetzungen" erschossen. Zwar nahm die Anzahl der Verschwundenen ab, doch die Folter von Regimekritikern wurde nicht weniger. Traurige Berühmtheit erlangten die 1986 in Santiago erschossenen Brüder Vergara Toledo und die Jugendlichen Rodrigo Rojas und Carmen Quintana, die von Militärs bei lebendigem Leibe angezündet wurden, wobei Rojas starb.

Nach der wirtschaftlichen Stabilisierung ab 1983 und dem folgenden Aufschwung begannen auch erste Schritte der Liberalisierung . Die Wirtschaftspolitik wurde pragmatischer und die Repression weniger stark. Dieser Prozess wurde jedoch häufig unterbrochen oder sogar rückgängig gemacht. Aus den Selbsthilfeorganisationen in den Armenvierteln Santiagos entwickelten sich eine Reihe von politischen Gruppierungen, die gegen die Diktatur kämpften. Es kam zu einer Welle an Bombenanschlägen in der Hauptstadtregion, vor allem gegen hochrangige Offiziere. Doch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1980er Jahre beruhigte sich die Situation auch politisch wieder.

1993 kam der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker nach Santiago, wo seine Tochter lebte, nachdem der Prozess gegen ihn wegen seines Gesundheitszustands eingestellt wurde. Er starb am 29. Mai 1994 in der chilenischen Hauptstadt.

Wandern im Quadrat Einwohnerentwicklung

  • 1541 lebten in Santiago 150 Menschen.
  • Bis 1613 stieg die Einwohnerzahl auf über 10.000
  • 1865 lebten in der Region mehr als 100.000 Menschen.
  • Um 1940 wurde die Grenze von einer Million überschritten
  • Heute ist der Großraum Santiago von etwa 6 Millionen Einwohnern bevölkert = etwa ein Drittel aller Einwohner des Landes.
  • etwa 33 bis 41 Prozent der Einwohner in Armenvierteln ( poblaciones )
  • Die Chilenen mit europäischen Vorfahren und Mestizen bilden rund 90 Prozent der Bevölkerung.
  • Der Anteil der Mestizen beträgt rund 50 Prozent
  • der Mapuche -Anteil liegt bei etwa sieben Prozent
  • der Aymara-Anteil bei 0,5 Prozent
  • der Polynesier-Anteil bei 0,2 Prozent.

Während der Kolonialzeit wurde das Gebiet durch Einwanderer aus allen Regionen Spaniens besiedelt.

Im frühen 19. Jahrhundert wanderten englische und irische sowie deutsche Siedler ein.

Die Einfuhr schwarzer Sklaven war zu allen Zeiten sehr gering. Die Mehrheit von ihnen konzentrierte sich in Chile vor allem in der Hauptstadtregion, aber auch in Quillota und Valparaíso. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich die Schwarzen mit den Weißen und Mestizen, so dass heute das afrikanische Element fast völlig verschwunden ist.

In den vergangenen Jahren zogen Armutsflüchtlinge aus Peru und Bolivien in die Region. Die Wirtschaftskrise in Argentinien zwang auch Argentinier zur Arbeitssuche im Nachbarland.

Eine kleine Gruppe von Einwanderern kam aus Asien, vor allem aus Korea, und lebt im Großraum Santiago.

Die meisten Menschen in Chile sind Katholiken.

Wandern zum SeitenanfangLiteratur

Santiago de Chile Reiseführer Kindle Edition

Lonely Planet Santiago de Chile (Englisch)

Santiago de Chile 1:13.000 Stadtplan

Santiago de Chile 1: 8.000 Stadtplan

Stadtplan Santiago de Chile 1 : 12 500 / Central Cile 1 : 720 000 (International Travel Maps), Englisch

Das Geisterhaus (Isabel Allende): Berühmter Roman vor dem Hintergrund der Geschichte Chiles im 20. Jh. - sehr zu empfehlen!

DVD/Film: Die schönsten Städte der Welt - Santiago de Chile